Himeji

Am Morgen des 17. ging es los zum nächsten Ziel: Himeji.
Nach dem Checkout ging es zur Straßenbahn, mit der wir zur Hiroshima Station fahren mussten. Auf dem Weg haben wir noch Reisbällchen gekauft, da es kein Frühstück für uns gegeben hatte. Am Bahnhof haben wir erst unsere Shinkansen-Tickets gekauft, noch etwas Gebäck für die Fahrt und den Nachmittag sowie einen Milchshake für Michael mitgenomme und draußen vor der Station die Reisbällchen verputzt. Dann ging es auch schon zum Gleis, wo wir etwas warten mussten – und ich Depp verpasse die Einfahrt. Na danke. Egal. Da wir noch etwas Zeit vor der Abfahrt hatten, haben wir erst unsr Gepäck verstaut und sind dann den Bahnsteig entlang zur Schnauze, weil wir uns das noch etwas genauer anschauen wollten. Es muss ein herrliches bild gewesen sein, wie zwei Europäer den Bahnsteig entlang joggen, nur um einen Zug zu fotografieren. Wie dem auch sei, wir haben unsere bilder gemacht und sind zurück gejoggt. Dieser Zug ist verdammt lang: 6 Waggons sind locker 250 Meter! Und das Ding hat 15!! Dann ging es endlich los – und wir waren etwas enttäuscht. Nicht wegen dem Zug, der war klasse und schnell und bequem, sondern wegen der Aussicht. Beziehungsweise der nicht vorhandenen Aussicht, da wir durch viele tunnel gefahren sind. Nach einer Stunde waren wir etwa 250km von unserem Start entfernt in Himeji. Dort herrschte strahlender Sonnenschein und wir sind zum Hotel gelaufen. Da Einchecken erst ab 15.00 Uhr drin war und das noch eine Stunde weg, beschlossen wir, das Gepäck da zu lassen und die Burg zu besichtigen. Die war nämlich der Grund für den Besuch hier. Und trotz andauernder Renovierungarbeiten (die sind erst im Mai abgeschlossen, grr) hat es sich gelohnt. Michael hat zwar geflucht und gejammert, aber ich bin der Meinung, dass die Burg vom innen gar nicht schöner sein kann als von außen. Außerdem konnten wir uns einen langen Flur ansehen, der damals als Verbindung zwischen Häusern gebaut wurde, aber auch gleichzeitig als Schlaf – oder Laggeräume genutzt wurde. Dort war einiges über die Geschichte und die verschiedenen Herrscher der Burg zu erfahren. Die Burg diente zur damaligen Zeit als der Punkt, von dem aus über die gesamte Chugokuregion geherrscht wurde. Deswegen wurde sie auch so prächtig aufgebaut und ja es ist eine Schande, dass man nicht mal auf den Platz vor das wunderbare fünfstöckige Gebäude gehen konnte… Schöne Fotos haben wir trotzdem.

Da ich krank wurde und mich recht schlapp gefühlt habe, wurde der Abend nicht sehr lang. Wir haben nur noch im Hotel gewaschen (wenn auch mit einigen Komplikationen, da ein ungeduldiger Gast unseren Trockner ausgeräumt hat und die nasse Wäsche zur Rezeption gebracht hat, als wir nicht pünktlich mit Ende der Trockenzeit auf der Matte standen) und angefangen zu packen, da es am nächsten Tag direkt weiterging nach Kyoto.

first sight of Himeji Castle
first sight of Himeji Castle

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Shachi rooftiles
Shachi rooftiles
interesting arrow slits
interesting arrow slits

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Himeji castle is a world cultural heritage
Himeji castle is a world cultural heritage

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Hiroshima und Miyajima

An unserem ersten Morgen in Hiroshima haben wir erst einmal ausgeschlafen und gegen halb ein ging es los Richtung Friedenspark. Dafür mussten wir buchstäblich nur dreimal umfallen und schon waren wir dort.
Der Friedenspark wurde in den Jahren nach dem Atombombenabwurf errichtet und umschließt ein Weltkulturerbe, den Atombombendom. Der Atombombendom wurde 1915 nach dem Entwurf eines polnischen Architekten fertig gestellt und sollte mit seiner Kuppel aus Kupfer den Charakter bzw. den Lebensstil der Menschen in Hiroshima darstellen. Da er sich nur 160m südwestlich des Epizentrums der Atombombe befand, bekam er den großen Druck, den die Bombe ausübte, fast senkrecht ab und so stehen heute noch einige Mauern und das Stahlgestell der Kuppel. Leider wurde er auf bauliche Schwächen und so weiter geprüft (das wird er alle drei Jahre) während wir dort waren, so dass wir ihn nicht ganz sehen konnten. Der Friedenspark selbst ist recht groß und umfasst das Kinderfriedensdenkmal, dass in Gedenken an Sadako Sasaki (später mehr zu ihr) errichtet wurde, die Friedensglocke, das Friedensmuseum, eine Gedenkhalle sowie einen unterirdischen Bau, in dem die Asche aller Opfer der Atombombe gelagert ist.

An diesem ersten Tag haben wir uns den Friedenspark oberflächlich angesehen und sind dann zur Hiroshima Castle spaziert. Das ist ein recht schönes Schloss, an dem aber natürlich nichts mehr original ist, da es nach dem Atombombenabwurf vollständig abgebrannt ist. Das Schloss hat 5 Etagen, auf denen seine Geschichte und das Leben der Leute im 18. und 19. Jahrhundert dargetsellt wurde. Fotos waren leider nicht erlaubt, deshalb nur Fotos von außen und von der Aussichtsplattform im 5. Stock. Um das Schloss herum gibt es einen schön angelegten Park und der Burggraben (einer von ehemals dreien) ist ebenfalls sehenswert. Wir haben uns dort recht genau umgesehen und sind dann zurück Richtung Friedenspark.
Dort in der Nähe haben wir einem Restaurant Okonomiyaki gegessen. Die mit einem äußerst guten  Namensgedächtnis erinnern sich vielleicht noch, dass ich das mal in Tokyo gegessen habe und es nicht sonderlich mochte. Da es aber eine Spezialität der Region ist und ich schließlich Michael auch in die japanische Essenskultur einführen muss, wollte ich es doch noch einmal probieren. Und es hat sich gelohnt! Okonomiyaki sind eine Art gebackener Pfannkuchen mit Ei, Nudeln, Gemüse und Fleisch; da gibt es aber verschiedene Varianten. Versuch Nummer 2 war schon aus dem Grund besser, dass man den Pfannkuchen nicht selber backen musste, sondern er gebacken an den Tisch kam und nur noch warm gehalten wurde. Deshalb sah er appetitlicher aus und war natürlich professioneller zubereitet. Die Varianten waren auch sehr lecker: Ich hatte einen mit Kimchee (auf koreanische Art und Weise eingelegtes Gemüse) und Sobanudeln, Michael hatte Gemüse und Fleisch mit Udonnudeln. Es gab eine scharfe Soße und die hausgemachte Soße, die ehrlich gesagt so gut war, dass sie süchtig gemacht hat. Zum Essen haben wir uns, da Valentinstag war, einen Pflaumenwein gegönnt, der aus der Region kam und ebenfalls äußerst lecker war.
An diesem Abend waren wir noch in einer Art Arcade, eine überdachte Straße, in der man alle möglichen Läden findet.

Schon am ersten Tag ist mir aufgefallen, wie besonders gut Hiroshima mir gefällt. Es liegt am Delta des Ota-Flusses, weswegen man ständig an Flüssen entlang läuft oder sie überquert. Hiroshima ist auch eine sehr grüne Stadt. Aber nicht nur das, sondern auch die Leute machen diese Stadt aus. Sie sind irgendwie besonders, strahlen Ruhe und Zielstrebigkeit zur gleichen Zeit aus und sind immer freundlich.

Am zweiten Tag haben wir morgens im Hotel gefrühstückt und sind dann wieder in den Friedenspark. Danach wollten wir noch quer durch die Stadt zum Shukkei-en, ein Garten, der äußerst schön sein soll.
Zunächst sind wir aber in die Gedenkhalle für die Opfer des Atombombenanschlags. Man läuft eine Rotunde hinunter und auf der rechten Seite sind alle 10 oder 15 Meter Infotafeln in die Wand eingelassen, die über den Tag des Anschlags, die Atombombe selbst und die Gedenkhalle informiert haben. Unten kam man dann in einen großen runden Raum, in dessen Mitte ein Wasserdenkmal steht, das die Zeit des Anschlags, genau 8.15 Uhr, zeigen soll. Das Wasser soll den Durst der Opfer stillen, die den Anschlag oftmals mit schlimmen Brandwunden überlebt hatten und grässlichen Durst litten. Die Wände der Halle zeigen ein Bild des Hiroshimas nach dem Aschlag. Es ist keine Stadt mehr zu sehen, sondern nur noch Schutt und Trümmer.  Vom Boden etwa 50cm hoch sind Leisten mit Namen von Stadtvierteln und Gebäuden angebracht; die Höhe der Leiste zeigt die Entfernung zum Epizentrum an. Die Halle ist ein Gedenkort und ihr Besuch macht nachdenklich. Mit einer Rolltreppe fährt man hoch ins nächste Geschoss, in dem zur Zeit unseres Besuch eine Sonderausstellung stattfand, in der es um diejenigen ging, die zur Zeit des Anschlags noch Kinder waren. Sie wurden gebeten, ihre Erinnerungen an diesen Tag und die nachfolgenden Tage festzuhalten und zu berichten. Es gab einen Film sowie Mappen mit den Résumés dieser Berichte. In der Bibliothek konnte man sich Videos der Opfer mit ihren Erzählungen anschauen oder ihre vollständigen Berichte lesen. Das hat uns beide sehr gefangen genommen und wir haben mehr Zeit dort verbracht als geplant. Anschließend ging es zum Museum. Und dieses Museum ist der Wahnsinn. Nicht dass es besonders extravagant geschaffen wäre, nein, es ist nüchtern und faktenbasiert. Und genau das macht es so beeindruckend. Alles wird erklärt: Die Atombombe, ihre Bausweise, ihre drei Wirkungen, was genau in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag geschehen ist. Überbleibsel werden gezeigt von Kleidern über metallene Brotdosen, geschmolzenes Glas sowie Gebäudeteile und menschliche Körperteile, die aufgrund der Strahlung mutiert sind oder geschädigt wurden. Es war fast ganz am Schluss, als sämtliche Auswirkungen der Strahlung auf den menschlichen Körper gezeigt wurden. Die Geschichte von Geschwistern, ein Mädchen (18) und ihr Bruder (7) wurden beide am gleichen Ort verstrahlt und sind Paradebeispiele für die akuten Sypmtome einer Strahlenvergiftung. Das Mädchen wurde sehr viel früher von dem Symptomen heimgesucht als ihr Bruder und trotzdem hat sie überlebt. Wenn auch nur neun Jahre, denn schließlich starb sie an Krebs. Hier wurde auch Sadakos Geschichte erzählt. Zum Zeitpunkt des Anschlags war sie zwei Jahre alt, aber die Strahlung, die sie abbekommen hatte, zeigte zunächst keine Auswirkungen. Im Alter von 11 Jahren – sie war eine gesundes, athletisches Mädechen – brach sie nach einem Sporttraining zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort stellt man fest, dass sie an Leukämie leidet und noch höchstens ein Jahr zu leben hat. Eine Freundin erzählt ihr die Geschichte, dass derjenige, der 1000 Papierkraniche faltet, gesund wird. Sasako findet das sehr schön und faltet über tausend Kraniche. Die Krankheit hat sie nicht überlebt, aber ihr wurde das Kinderfriedensdenkmal gewidmet, an das jedes Jahr Tausende von Papierkranichen gesandt werden.

Wir haben das Museum erst verlassen, als es geschlossen wurde und trotzdem fehlt mir noch ein ganzer Flur. Es war inzwischen zu spät, um noch in den Shukkei-en zu fahren, aber dazu war ich auch nicht in der Laune, denn das Museum hatte mich doch sehr nachdenklich gestimmt. Wir waren wieder in “unserer” Arcade und haben abends noch zwei Dokumentationen über Hiroshima geschaut.

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Cenotaph where the names of all known victims of the A-bomb are engraved
Cenotaph where the names of all known victims of the A-bomb are engraved

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flame of peace
flame of peace
Children's memorial
Children’s memorial

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underground hall where the ashes of the victims are retained
underground hall where the ashes of the victims are retained
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Bell of Peace

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A-bomb dome
A-bomb dome

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Hiroshima Castle
Hiroshima Castle

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Am nächsten Tag gab es wieder Frühstück und dann ging es los Richtung Miyajima. Das ist eine Insel vor Hiroshima, die sehr bekannt ist für das riesige orangene Tor, das in der Bucht im Wassdr steht sowie für den Itsukushimaschrein, der schon vom ehemaligen Herrscher Hiroshimas im 18. Jahrhundert besucht wurde.
Wir nahmen also die Straßenbahn Richtung Miyajima und sind dann in eine Fähre umgestiegen. Mit der ging es dann 10min rüber zur Insel. Dort angekommen wurden wir auf dem Platz vor dem Fähranleger gleich von einer Art Reh begrüßt. die laufen dort nämlich frei rum und sind ziemlich zutraulich. Dieses hier lies sich streicheln und kam noch etwa 50m mit uns mit, bis es keine Lust mehr hatte, weil wir kein Futter hatten.
Wir gingen am Strand entlang und sind, da tiefste Ebbe war, erstmal zum Tor rausgelaufen. Das war ziemlich beeindruckend, da das Tor wirklich riesig ist und es anfassen zu können, war irgendwie eine Erfahrung wert. Der Itsukushimaschrein war als nächstes dran. Er ist ziemlich groß und wie das Tor steht er bei Flut auf Stelzen im Wasser. ziemlich groß ist er trotzdem. Und teilweise unter Bauarbeiten.
Nach der Besichtigung dieses wichtige Schreins ging es dann über den gesamten vorderen Teil dieser Insel, wo wir alle mögliche Läden und Schreine und Tempel abgeklappert haben. Jeder Einzelne davon war irgendwie besonders und der, von dem ich dachte, dass es nur ein kleines Gebäude auf einem Berg ist, war extrem groß mit unzähligen Gebäuden und einem wunderschönen Garten. Aber da dürfen die Fotos für sich sprechen..

Anschließend haben wir in einem Cafe Tee bzw. Kaffe getrunken und ein Stück Kuchen gegessen. Dann ging es wieder raus zum Tor, das mittlerweile wenigstens ein bisschen im Wasser stand. Das wurde fotografiert und derweil hat das Reh, das Michael mittags schon erschreckt hat, ihn wieder erschreckt. Mittags war er grade am Fotografieren, als es seine Schnauze in seine Jackentasche gesteckt hat. Diesmal war ich am Fotografieren und ein Glück bin ich Michaels Schreckensschreie schon so gewöhnt, dass ich keinen Satz zur Seite gemacht habe – dann wäre ich nämlich zwei Meter tief ins Wasser gefallen.
Am Strand entlang sind wir zurück zum Fähranleger, aufs Festland und Richtung Hotel. Im Restaurant Zucchini, in dem wir am Abend vorher keinen Platz bekommen haben, haben wir dann gut zu Abend gegessen und sind dann kurz durch die Arcade und zum Hotel.
Dort wurde ein wenig gepackt und vorbereitet für die Abreise Richtung Himeji am nächsten Tag.

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found a new friend!

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Itsukushima shrine from the sea side
Itsukushima shrine from the sea side

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five stories pagoda
five stories pagoda

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if you're not arriving at lowest tide, it's all standing in the water...
if you’re not arriving at lowest tide, it’s all standing in the water…

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cutie ;D
cutie ;D
toori in the water, but...
toori in the water, but…
...we missed the shrine
…we missed the shrine
Bye Miyajima!
Bye Miyajima!

 

Sapporo

Nach einer ebenfalls wieder äußerst kurzen Nacht ging es am 10.02. weiter nach Sapporo – mit dem Zug. Um 6.22 Uhr. Gähn.
Da es den gesamten Montag sowie die Nacht über fleißig geschneit hatte, lagen morgens nette 20cm Neuschnee. Das ist ja wunderbar, vor allem, weil wir in Deutschland in den letzten Jahren so wenig Schnee hatten, aber nach drei Stunden Schlaf morgens um 6 Uhr 20kg bzw. 10kg schwere Koffer einen knappen Kilometer durch so viel Schnee zum Bahnhof zu schleifen, ist alles andere als spaßig. Ich war trotz Minusgraden geschwitzt und völlig fertig, als wir endlich am Bahnhof ankamen. Wir hätten auch nicht viel später dran sein dürfen, da es nur noch vier Minuten waren, um vom Eingang zum Gleis in den Zug zu kommen. Im Zug haben wir dann gemerkt, dass wir zum vordersten Waggon müssen und dann war da auch noch der Schaffnerwaggon dazwischen, so dass wir aus- und wieder einsteigen mussten, um endlich zu unserem Abteil zu kommen. Dort angelangt haben wir dann die Koffer in die Ablagen gehieft und sind auf die Sitze gefallen. Meine Arme taten so weh, dass ich sie kaum noch heben konnte. Zu allem Unglück ist dann der Schnee an den Koffern geschmolzen und hat getropft. Immerhin konnten wir sie ein Stück nach vorne schieben, so dass es auf den Boden vor die Sitze vor uns getropft hat. Dann ging es los – und alle Plagerei war vergessen. Die schneebedeckte Landschaft war wunderschön und wir hatten vier Stunden davon vor uns. Von besagter Zeit habe ich eine Dreiviertelstunde geschlafen, während Michael Fotos gemacht. Als wir gefühlte 10 Meter neben dem Meer hergefahren sind, war ich aber zum Glück wach.

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train ride along the coast from Hakodate to Sapporo

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Der starke Schneefall hatte anscheinend sogar die äußerst organisierten Japaner unvorbereitet getroffen, denn wir kamen mit etwa 45 Minuten Verspätung in Sapporo an. Fand ich aber nicht so schlimm.
Im Bahnhof selbst war die Hölle los; sie hatten sogar einen extra Stand aufgebaut, nur um Gepäck für die ganzen Reisenden zu lagern. Diesen Stand haben wir auch gleich genutzt und sind losgezogen, um nach einem neuen Koffer für mich zu suchen. Wir haben auch tatsächlich einen wunderschönen modernen gefunden und ich habe mit dem Verkäufer abgemacht, dass wir den später mitnehmen (wir wollten zuerst noch die Stadt anschauen) und ich den alten Koffer bei ihm abgeben kann.
Nun ging es also nach draußen – und hui, war das kalt. Ich habe annähernd sofort beschlossen, dass, wenn wir abends nochmal rausgehen, ich eine Strumpfhose unter meine Jeans ziehe. Mit zwei Kapuzen auf dem Kopf und Handschuhen ging es einigermaßen. Ich muss aber auch sagen, dass ich wohl vom warmen Wetter in Tokyo etwas verwöhnt bin…

Wir sind vom Bahnhof in den Odori-Park gelaufen; eine der drei Stätten, an denen das Yukimatsuri, zu Deutsch Schneefestival, stattfindet. Der Park ist gute 15 Blocks lang und an diesem Nachmittag haben wir es nicht geschafft, alles anzuschauen. Da wir aber ohnehin abends, wenn alles beleuchtet ist, nochmal kommen wollten, war das kein Drama. Im Park gab es eine Skisprungschanze, an der Wettbewerbe ausgeführt wurden. Wir haben da ein wenig zugeschaut und es gab sehr, sehr gute Springer – und einen, der die Landung nicht geschafft hat. Er hat sich aber nichts Schlimmes getan, so dass wir das Finale sorgenfrei genießen konnten.
Gegen 15.00 Uhr haben wir beschlossen, wieder zurück zum Bahnhof zu laufen. Ich habe Michael noch ins Yodobashi entführt; ein riesiger Elektronikladen. Das hat ihm auch ganz gut gefallen; wir haben einen LAN-Adapter gekauft und uns noch etwas umgeschaut. Als wir den Laden verlassen wollten, das große Drama: Michaels Mütze war verschwunden. Also haben wir in allen Stockwerken gesucht; ich habe zwei Verkäufer gefragt, aber da war nichts. Also sind wir unsere genaue Route abgelaufen und glücklicherweise habe ich die Mütze an einem Regal gefunden. Michael war glücklich und wir sind nun tatsächlich zum Bahnhof, um den Koffer zu kaufen. Gesagt, getan; dann haben sich aber weitere Probleme ergeben. An diesem neumodischen Koffer kann man die Metallverschlüsse des Reisverschlusses in zwei Schlösser drücken und das Ganze absperren. Wurde uns im Geschäft erklärt, die Schlüssel dazu gabs auch, alles kein Problem. Bis wir schließlich zum Umpacken vom alten in den neuen Koffer das Schloss öffnen wollten und das nicht funktioniert hat. Panik war angesagt, denn wir hatten beide gesehen, wie der Verkäufer die Schlüssel in den Koffer getan hatte. Also alles zusammenpacken, mit inzwischen drei Koffern durch den halben Bahnhof, drei Etagen hoch und wieder ins Geschäft. Ich habe dem Verkäufer das Problem erklärt, er schaut mich verwundert an, hebt den Koffer auf den Tisch, drückt das Schloss zur Seite und siehe da – Sesam öffne dich, die Reisverschlüsse sprangen raus. Michael und ich waren beide sehr verwirrt, denn wir waren sicher gewesen, dass abgesperrt war. Wie dem auch sei…
Wir durften schließlich sogar im Geschäft die Koffer umpacken, der alte wurde doppelt gecheckt und abgegeben und dann war der Verkäufer wohl heilfroh, als wir auf Nimmerwiedersehen aus seinem Laden verschwunden sind…

Mit den Koffern sind wir dann zu unserem Hotel gelaufen, was nette zwei Kilometer waren. Fanden wir aber nicht schlimm, denn so ganz nebenbei kamen wir auch noch an der zweiten Stätte des Schneefestivals vorbei, Susukino. Dort wird ein Eisskulpturenwettbewerb veranstaltet und meine Güte, haben die tolle Sachen… Also mussten wir doch einige Fotos machen, bevor es dann wirklich zum Hotel und zum Einchecken ging. Wir haben das Eckzimmer im 14. Stock mit wunderbarem Blick Richtung TV-Tower (der Turm mit der großen Digitaluhr, den ihr noch auf einigen Bildern sehen werdet). Vorerst also kein Grund zur Beschwerde; wir sind eingezogen, haben direkt ein furchtbares Chaos veranstaltet, da unsere Koffer sehr ungleich gepackt waren und haben kurz ausgeruht. Schließlich ging es (bei mir) mit Thermo-Strumpfhose, Jeans, Stulpen und Turnschuhen wieder raus. Dazu natürlich Kapuzenpulli, Winterjacke und Handschuhe. Wir haben die U-Bahn ausprobiert, was ziemlich gut funktioniert hat und sind in Susukino ausgestiegen, um dort etwas zu Essen. Unser Reiseführer hatte uns ein Restaurant namens Yosoro-no-Jingisukan empfohlen und ich muss sagen: Es war eine Erfahrung wert. Vor einem steht eine mit Gas beheizte, schräg zulaufende Platte, auf der von Anfang an schon einige Zwiebeln liegen sowie zwei Fettstückchen, mit denen man die Platte fetten kann. Die Bestellung war etwas schwierig, da es keine Speisekarte auf Englisch gab und ich keine Ahnung hatte, was es überhaupt gibt. Mit Hilfe einer Übersetzer-App und der Bedienung haben wir uns schließlich entschieden: Michael hat Lammmfleisch genommen und ich Maru-no-Jingisukan. Das waren runde, circa 15cm im Druchmesser große Fleischstücke, die man ganz auf den Grill gelegt hat. Gratis gab es zwei Saucen sowie Salz.  Sein Essen am Tisch selbst zu grillen war eine interessante Erfahrung, die ich ziemlich gut fand, Die Atmosphäre war auch sehr schön. Nach dem Fleisch habe ich noch eine Eiersuppe bestellt (klingt seltsam, ist aber sehr lecker) sowie unaussprechliche Nudeln. Die Bedienung hat mir zwar versucht zu erklären, was genau diese Nudeln sind und was dabei ist, aber mein Japanisch war nicht gut genug, um ihn zu verstehen und sein Englisch nicht gut genug, um mir das genau beizubringen. Also habe ich einfach eine halbe Portion auf gut Glück bestellt und siehe da – es war recht gut. Den Großteil habe ich Michael überlassen, da der das sehr mochte und ich schon die Eiersuppe hatte, die er wiederum nicht so gerne mochte.

Nach dem Essen ging es dann zum Odori-Park und die Schneefiguren waren beleuchtet noch sehr viel schöner! Wir sind den gesamten Park einmal hoch und wieder runter, kurz vor Ende ist dann der Kameraakku gestorben und wir haben beschlossen, irgendwo noch etwas Heißes zu trinken, da es doch ziemlich kalt war (vor allem an den Händen und Füßen). Tatsächlich haben wir in einem kleinen Stand, der noch offen hatte, einen unfassbar guten Kakao bekommen, auf dem sogar drei kleine Marschmallows geschwommen sind! Dazu habe ich noch ein Gebäckteil mit roter Bohnenmus-Füllung gegessen und war so gestärkt für eine weitere Runde Kälte und den Weg zum Hotel. Dort sind wir ziemlich direkt schlafen gegangen, da wir dank kurzer Nacht und spannendem Tag doch recht fertig waren.

Am nächsten Morgen haben wir es erst um 11 Uhr aus dem Bett geschafft und sind dann gegen halb ein los Richtung Tsudome. Das ist der dritte Ausrichtungsort, der weniger auf Kunst ausgelegt ist denn auf Spaß. Zunächst mussten wir zu einer anderen U-Bahn-Station als gewohnt und von dort aus bis an die Endhaltestelle. Dann mit dem Shuttlebus bis zum eigentlichen Veranstaltungsort. Dort haben wir uns weniger umgesehen als direkt an einiger riesigen Schneerutsche angestellt. Da wir aber keinen Blick auf die Wartezeit geworfen haben, wurde uns erst nach einer Viertelstunde klar, dass das noch etwas dauern könnte. Im Endeffekt waren es dann knapp eineinviertel Stunden, aber dann ging es endlich los! Wir bekamen einen Luftreifen, mit dem wir die Treppen hochgestapft sind. Oben wurden wir an verschiedene Bahnen verteilt; an jeder ein Aufpasser. Der hat den Reifen gehalten, während man sich reingesetzt hat und hat einen angeschubst. Und Mensch, war das eine Fahrt! Es ging richtig schnell den Berg runter – ich hatte dank des Eiswindes Tränen in den Augen – und kurz vor Ende der Bahn habe ich natürlich angefangen mich zu drehen! :D Zum Glück kam ich aber doch vorwärts unten im Auslauf an. Der war übrigens äußerst intelligent konstruiert, da er ein Stück den Hang hochging und einen so sehr gut gebremst hat. Mein Problem war allerdings meine Schnelligkeit – ich bin etwa 10 Meter zurück in die Bahn gerutscht, da ich soweit den Hügel hochgesaust bin! Die Aufapsserin unten ist mir verzweifelt hinterhergelaufen, während ich vor Lachen und Entschuldigen kaum noch Luft bekam. Schließlich hatten wir uns und ich konnte mit meinem Reifen die Bahn verlassen. Unten habe ich dann auf Michael gewartet und wir waren uns einig, dass das eine äußerst gute Bahn war! Schließlich wollte ich aber doch ins Warme (Hände und Füße waren abgefroren) und wir gingen ins Innere des Domes, der normalerweise für Baseballspiele herhält. Hier waren jetzt sowohl Essens- als auch Merchandisestände aufgebaut sowie Rutschen und Vergnügungssachen für Kinder. Insgesamt ist dieser Teil des Schneefestivals sehr auf Spaß und Kinder ausgelegt. Nach einem Mittagessen ging es dann nochmal raus und wir sind zu der zweiten Fahrt, die wir unbedingt mitmachen wollten: man sitzt in einem Boot, wie sie normalerweise für Wasserachterbahnen gedacht sind und wird von einem Schneemobil gezogen. Das war ziemlich lustig und hat sich wirklich gelohnt. Wir haben sogar unser Foto gekauft. Danach wollten wir eigentlich was heißes zu trinken, aber im Gegensatz zum Odori-Park gab es hier keine kleinen Stände mit guten heißen Getränken, also haben wir uns draußen alles angeschaut, haben noch einen Ausflug in den Dome unternommen und wollten dann den Shuttle-Bus zur Station nehmen. Wir entschieden uns dann um zu Odori-Park, aber auch das hat nicht hingehauen. Irgendwie sind wir ohne anzuhalten über Odori und Susukino gefahren bis zur JR Sapporo Station, wo wir dann rausgesprungen sind. Von dort sind wir tatsächlich zum Odori-Park gelaufen, haben fotografiert, gefilmt, einen Crepe gegessen, den Skispringern zugeschaut und und und. Danach ging es in den Untergrund, wo wir durch Aurora Town sind, noch bei (ja, ich gebe es zu) McDonald’s was gegessen haben und dann nach Susukino gelaufen sind. Dort haben wir sämtliche Eisskulpturen fotografiert sowie die Eisbar und so weiter. Dann ging es langsam zurück zum Hotel, wo ich Koffer und Zimmer aufgeräumt habe und viel mehr ist dann auch nicht mehr passiert.

Sapporo Station
Sapporo Station
Star Wars sculpture
Star Wars sculpture
Alice in Wonderland
Alice in Wonderland

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whom of you knew that this existed? :D
whom of you knew that this existed? :D

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shrine near the hotel
shrine near the hotel

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Tsudome site
Tsudome site
funny ride in a boat pulled by a snowmobile
funny ride in a boat pulled by a snowmobile

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they displayed a breathtaking light-and videoshow on this horse
they displayed a breathtaking light-and videoshow on this horse

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ice sculpture and TV Tower in the background
ice sculpture and TV Tower in the background
promotion at Susukino site :D
promotion at Susukino site :D
cool smoking areas
cool smoking areas

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two eskimos!
two eskimos!

Donnerstagmorgen sind wir gegen halb zehn zum Frühstück im Restautrant gegangen, haben uns danach aber Zeit gelassen und sind wieder gegen halb ein Uhr los. Zuerst mit der U-Bahn zum Odori- Park, von wo aus wir dann zum Clock Tower gelaufen sind. In unser “Heimatstation” habe ich mich noch sehr geschickt ein- bzw. ausgeschlossen, da ich mit meiner Karte aus Versehen an den Ticketgates am Ausgang ausgecheckt habe. Anders als in Tokyo ist kein Bahnangestellter direkt in der Nähe und da ich weder vor noch zurück kam, musste Michael Hilfe holen und der Bahnhofsbeamte hat mich sehr nett aus meiner misslichen Lage befreit. Am Odori-Park wurden wir dann schon Zeugen, wie alles vom Festival abgerissen wurde – Skulpturen, Hütten etc.
Der Clock-Tower ist sehr schön; innendrin ist auch die Geschichte Hokkaidos, Sapporos und des Turms selbst dargestellt. Zu manchem gab es englische Übersetzungen, zu anderem nicht, aber eines steht fest: Meine Kanjikenntnisse werden besser. Im Obergeschoss haben wir uns dann noch einen Film angesehen darüber, wie die Uhr funktioniert. Der war komplett auf japanisch; zum Glück sprechen die meisten Bilder für sich. Trotzdem war ich stolz, dass ich einiges verstanden habe und manches sogar lesen konnte. Kleine Erfolge…

Nach dem Clocktower sind wir zur Sapporo Factory gelaufen. Das ist eine alte Fabrik, vielleicht war es auch eine Brauerei; das wissen wir nicht so genau. Heute ist es jedenfalls eine riesige Shoppingmall, die wir ausgiebig erkundet haben. In einem Stockwerk stellen Künstler und Handwerker aus. Wahnsinn, was es da für Dinge gibt. Handgemachter Schmuck, gestrickte Kleidung, Schnitzereien – so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Ich habe das wirklich ausgiebig bestaunt. Im Gegensatz zum Rest der Mall ist es irgendwie ruhiger und beschaulicher.
Die Mall hat ein wunderschönes Atrium  und da Michaels Geburtstag war, haben wir uns gegen halb vier dort in ein Cafe gesetzt und Kakao getrunken sowie ein Stück Kuchen gegessen. Dann waren wir shoppen und haben neue Schuhe sowie eine neue Jeans für Michael erworben. Ganz nebenbei haben wir auch noch den Deckel für die Kamera verloren. Besser gesagt: Fallen lassen. Von der Brüstung aus wollten wir das Atrium fotografieren und dabei ist Michael der Deckel aus der Hand geglitten und vor dem Geländer auf den Boden gefallen. Da es vor dem Geländer tiefer war als dahinter, waren unsere Chancen, den Deckel aufzuheben, ziemlich schlecht. Da wir auch nicht rausgeworfen werden wollten, ist Michael nicht über die Brüstung geklettert und so liegt der Deckel immer noch da. Das Schlimme daran: Hätte er ihn 5cm weiter nach vorne geworfen, wäre er ein Geschoss tiefer ins Wasser gefallen und wir hätten ihn ganz leicht rausfischen können. Nun denn. Schicksal.
Eigentlich wollten wir abends in Susukino zu einem Italiener Essen gehen, aber dann haben wir in der Mall ein Restaurant entdeckt, das ein Buffet anbietet. Und was für eins. Zwei Stunden für 1590 Yen, für 200 Yen zusätzlich bekam man noch die Drinkbar dazu. Das Angebot haben wir uns nicht entgehen lassen und es war tatsächlich eines der besten, wenn nicht DAS beste Buffet, das ich jemals gegessen habe. Es gab Tapas, Salat, Suppen, als Hauptgerichte konnte man Pizza, Nudeln, Paella oder anderes haben (gedünsteter und in Butter geschwenkter Brokkoli war mein persönlicher 7. Himmel, da der Brokkoli im Dorm immer eingelegt war) und dann waren da noch die Desserts…
Wir haben mit Tapas angefangen, sind zur Suppe übergegangen (Eiersuppe, Minestrone und eine dickere Suppe) und hatten dann Pizza. Zugegebenermaßen war das erste Stück Pizza eine negative Überraschung, da statt wie erwartet roter Zwiebeln seltsamer Fisch drauf war, aber später gab’s Margerita mit Basilikum, die sehr lecker war. Nach der Pizza bin ich zu Paella, Brokkoli und Zwiebel-Bohnen-Würstchen-Irgendwas übergegangen, während Michael Nudeln und Fleischklößchen hatte. Schließlich wieder Salat und Tapas und dann die Desserts. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass es tatsächlich einen Schokobrunnen gab! Aber zuerst hatte ich Joghurt mit Cornflakes und Blaubeersoße, Michael hatte das mit Erdbeersoße und wir haben uns Kuchen geteilt. Danach hatte ich Schokopudding und Mandelpudding und habe die Zutaten für den Schokobrunnen gecheckt. Bananen, belgische Waffelstückchen und – Marshmallows!! Wow. Das war der Zuckerschock schlechthin. Als Abschluss ein erfrischendes kleines Joghurt und eine leckere, selbstgemachte Limonade und man konnte mich rollen. Michael erst recht, denn  der hatte mehr vom Schokobrunnen und noch ein Eis.
Wir sind also aus der Factory rausgefallen und erstmal Richtung Odori-Park gelaufen. Ich wollte ganz laufen, Michael nicht. Die Einigung haben wir vor uns hergeschoben und schließlich hat sich das Problem von selbst erledigt, da wir bei der Susukino Station noch was sehen wollten. Also sind wir den kompletten Weg zurück zum Hotel, was uns auch sehr gut getan hat. Dort habe ich die Fotos der letzten drei Tage gecheckt, geskypt und angefangen, den Blog zu schreiben.

foudn this very interesting
foudn this very interesting
Clocktower (tokeidai)
Clocktower (tokeidai)
model of the clock
model of the clock

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little Christian church (the first in Hokkaido, I guess...)
little Christian church (the first in Hokkaido, I guess…)

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atrium at Sapporo Factory
atrium at Sapporo Factory

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...and with lights on!
…and with lights on!

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nice building named "Noah" (why...?) near the hotel
nice building named “Noah” (why…?) near the hotel

Am nächsten Tag sind wir morgens um punkt 11 Uhr aus dem Hotel ausgecheckt und haben die Bahn zur Sapporo Station genommen. Dort war es erstmal ein Akt, überhaupt Schließfächer für die Koffer zu finden (wir hatten keine Lust, die noch etwa 5 Stunden mit uns herumzuschleifen). Wir haben etwa eine halbe Stunde, wenn nicht mehr, gebraucht, um Schließfächer für beide Koffer zu finden. Man musste echt ausgefuchst sein und direkt hinter demjenigen, der gerade seinen Koffer rausnimmt, stehen, damit nicht jemand anderes verzweifeltes das Fach nimmt. Nach Beendigung dieser Aktion haben wir uns Ramen gegönnt – Hokkaido-Ramen. Und ich muss sagen: Ich fand ihn sehr lecker! Der mit Schweineknochenbrühe (Tonkotsu)  ist immer noch mein Liebling, aber der salzbasierte kommt direkt danach. Ich fand auch den Aufbau dieses Teils einer Etage sehr interessant: Ein Betreiber, der viele Ramenketten Hokkaidos unter einem Dach vereint. Man schaut vorher, wo man was essen möchte und dort geht man dahin. Die Restaurants sind dementsprechend nicht so groß, dafür ist es die Auswahl um so mehr.
Nach dem leckeren Mittagessen sind wir dann ein bisschen rumgeschlendert, haben in einem Cafe noch eine leckere Schokolade getrunken und Zeit totgeschlagen (Michael mit spielen, ich mit dösen und ihm zuschauen). Schließlich ging es mit dem Rapid Airport Shuttle Zug zum Flughafen. Wir waren recht früh, deshalb haben wir uns noch hingesetzt und ein bisschen geredet und Videos geschaut und haben uns gegen halb sechs auf die Suche nach dem Ticketing&Boarding-Schalter gemacht. Ab da wurde es stressig. Ich wusste nicht, wo wir uns anstellen müssen, hab aber auch niemanden gefunden, den ich hätte fragen können, da der Flughafen ein wenig chaotisch ist. Michael hat sich dann angestellt, derweil ich zur Info bin. Dort musste ich eine Viertelstunde warten, dabei habe ich Michael aus der Schlange gewunken, weil er meiner Meinung nach falsch anstand und hab ihm gesagt, dass er versuchen soll, an diesen unfassbar gemeinen Ticketmaschinen unsere Tickets auszudrucken. Dass das nicht funktioniert hat, ist kaum erwähnenswert. Glücklicherweise hat die nette Dame an der Info uns gerettet, indem sie unsere Tickets ausgedruckt hat und uns gesagt hat, wo wir anstehen müssen. Inzwischen war es 18.00 Uhr und wir hatten nur noch 40 Minuten bis der Flug gehen sollte. Wir waren also leicht angespannt; im Endeffekt hat aber doch alles geklappt. Das Gate unserer Fluges wurde noch geändert und wir sind mit Verspätung los, da durch den Schneefall den Tag über alles drunter und drüber ging am Flughafen, aber dann saßen wir endlich im Flieger und es ging los Richtung Hiroshima. Den Großteil des Fluges habe ich mit Schlafen verbracht und das war auch gut so. Hinter uns saßen nämlich drei Amerikaner, die meinten, dass sehr laut reden und so laut gähnen, dass man es drei Reihen weiter vorne noch hört, angemessen ist. Einer von denen hat es tatsächlich geschafft, derart laut zu gähnen, dass ich davon AUFGEWACHT bin!! Ich war so genervt…

Wir kamen dann um kurz nach 21.00 Uhr in Hiroshima an (die Sicht vor der Landung war wahnsinnig schön) und dank einiger Hetzerei haben wir es geschafft, die Koffer zu holen, beide auf Toilette zu gehen (abwechselnd) und den Shuttle-Bus um 21.19 Uhr  zu bekommen. Über den Bus gab es auch noch einige Verwirrung, da Google Maps mir nicht genau gesagt hat, wie die Endhaltestelle heißt. Also haben wir einfach den genommen, in dem noch Platz war und kamen schließlich am Bus-Center in Hiroshima an. Einen Teil der Fahrt habe ich wieder verschlafen (was das angeht bin ich schon richtig japanisch geworden – schlafen überall), aber trotzdem haben wir schon einen Blick auf’s Hiroshima Castle werfen können. Vom Bus-Center sind wir zum Hotel gelaufen, da das nur ein knapper Kilometer war und haben gegen 22.45 Uhr dort eingecheckt. Wir haben das Zimmer bezogen und wie immer direkt ein Chaos veranstaltet, da zwei Koffer und drei Taschen sowie Kameratasche irgendwie viel Platz wegnehmen. Wir haben noch Videos geschaut, um ein bisschen zu entspannen und sind dann ins Bett.

Was wir in Hiroshima erlebt haben, werdet ihr im nächsten Eintrag erfahren, denn ich habe fest vor, über jede Stadt, die wir besichtigen, einen Eintrag zu schreiben.
Ich hoffe, dieser Beitrag war euch nicht zu lang und ihr hattet Spaß beim Lesen und Fotos schauen! Bis bald! <3

Freund-Abholung und Hakodate

Am 07.02. ging es los: ich habe ja schon erwähnt, dass ich mich auf eine Weltreise zum Narita Airport begeben habe, um meinen Freund abzuholen. Das ging damit los, dass ich von meiner “Heimat-Station” Eda nach Shibuya gefahren bin. Dort habe ich meinen 20-Kilo-Koffer drei Treppen hoch zur Yamanote-Line geschleppt und bin damit nach Nippori gefahren. Unglücklicherweise hat mein Koffer unterwegs ein Rad verloren, so dass Ziehen kaum noch drin war. In Nippori sollte ich in den Keisei Skyliner umsteigen, mit dem ich dann um 13.05 Uhr am Airport gewesen wäre. Leider habe ich diesen Zug verpasst, also habe ich mich dazu entschlossen, den normalen Keisei Zug zu nehmen. Damit wäre ich annähernd pünktlich gewesen, wäre da nicht eine Sache passiert. Ich bin an der Haltestelle Narita ausgestiegen. Laufe den Bahnsteig entlang, checke aus – und wundere mich, wo denn hier bitte der Flughafen sein soll! Auf Nachfrage hin habe ich dann erfahren, dass ich eine Station weiter gemusst hätte! Also nochmal 20 Minuten warten, Michael hatte dann inzwischen schon sein Gepäck und war eingereist und ich hab minimal die Nerven verloren. Anstatt zwei Stunden habe ich also nette drei Stunden zum Flighafen gebraucht und war nicht mal rechtzeitig da, um meinen Freund abzuholen…
Trotzem war die Freude natürlich groß, Michael wiederzusehen. Wir haben dann auch erstmal fünf Minuten Auszeit auf den Wartebänken genommen und anschließend Erkundigungen eingeholt, wo wir denn unsere Zugtickets für den Weg Hakodate-Sapporo kaufen könnten. Ich hatte woanders gefragt als Michael und als ich dann seinem Gespräch mit der netten Damen an der Info beigetreten bin, war sie sehr überrascht, dass ich etwas Japanisch spreche, hat mich gebeten, eine Umfrage auszufüllen und als Dank wurde mein Japanisch gelobt (“subarashii!!”) und uns gaaaanz viel Kartenmaterial von Japan gegeben. Wir haben anschließend unsere Tickets gekauft und ich habe uns anderthalb Stunden mit der Bahn zum Hotel in der Nähe des Haneda Airports gebracht.
Dort haben wir eingecheckt, den Raum bezogen (der Flur war in etwa so breit wie mein Koffer), waren Ramen bzw. Curry essen und haben dann auf dem Zimmer mit Sekt auf das Wiedersehen angestoßen.

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Dadurch wurde es leider etwas spät und da unser Flug nach Hakodate am nächsten Morgen um 6.50 Uhr ging, mussten wir schon um halb vier wieder raus. Die Fahrt zum Flughafen verlief recht gut, am Flughafen selbst habe ich dann etwas die Nerven verloren, weil ich nicht wusste, wo wir unsere Tickets herbekommen sollten. Das habe ich auf Nachfrage hin aber auch herausgefunden und wir habens pünktlich ins Flugzeug geschafft. Nach dem Start hatten wir einen wunderbaren Blick über ganz Tokyo – das Wetter hat auch super mitgespielt – und beim Landeanflug auf Hakodate hatten wir auch hier besten Ausblick. Wir waren um halb 9 schon vorm Flughafen und haben einen Bus in die Stadt genommen. Nach fünf Monaten Tokyo habe ich hier einen leichten Kulturschock erlebt: alles klein, still, wenige Autos, wenige Menschen, ruhig. Das war so ziemlich das Gegenteil meines Lebens der letzten Monate. Aber es hat mir gut gefallen.
Von der Zugstation sind wir dann zum Hotel gelaufen und dort gab es erstmal ein riesiges Missverständnis mit dem Rezeptionisten. Ich fragte, ob wir denn bis zum eigentlichen Check-in um 14.00 Uhr unser Gepäck da lassen könnten. Er hat das sehr entt bestätigt, hält mir einen Taschenrechner hin, auf dem die Zahl 8400 steht. Ich bin aus allen Wolken gefallen, wiel ich das für Gepäckaufbewahrung doch recht happig fand! Ich habe das also Michael erklärt, der das auch nicht so toll fand, also habe ich dem Mann erklärt, dass  wir gucken, wo wir das Gepäck lassen. Er nickt, lächelt sehr freundlich und fragt, ob wir dann später zahlen möchten. Ich betone nochmals, dass wir das Gepäck mitnehmen, er besteht weiterhin auf der Zahlung. Ich, völlig verwirrt, frage Michael, was das soll, bis der meint: Oh ja, warte mal, ich glaube, das Hotel ist noch gar nciht bezahlt! So war es dann auch. Also alles wieder zurück, wir haben bezahlt und das Gepäck da gelassen und uns die Stadt angeschaut.
Erst sind wir zurück Richtung Bahnhof und dann an die Docks. Dort haben wir uns das “Memorial Ship Mashu Maru” angeschaut. Als wir dann davor standen, war ich leicht enttäuscht, da ich romantische Vorstellungen von einem alten, restaurierten Segelschiff aus Bürgerkriegszeit gehabt hatte und jetzt vor einem Koloss aus Stahl und Eisen stand. Es war dann aber doch sehenswert, da es um die alte Fährverbindung zwischen Hakodaten (Hokkaido) und Aomori (Honshuu) ging. Bei einem Film über das Schiff sind wir dann glorreich auf den sehr bequemen Sitzen eingeschlafen…
Zurück im Hotel haben wir uns gut ausgeschlafen.

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Heute haben wir länger geschlafen als beabsichtigt und sind gegen Mittag los. Mit der Straßenbahn ging es zum Goryokaku-Park. Von der ehemaligen Festung steht leider nichts mehr, aber es gibt einen Aussichtsturm und man kann durch den Park laufen, wo früher die Festung gestanden hat. Das haben wir ausgiebig getan; dann ging es in die entgegengesetzte Richtung zu den “Red Brick Warehouses”. Da es die ganze Nacht geschneit hatte und den Tag über eher stärker wurde als schwächer, haben wir uns entschieden, den Warehouses mehr Aufmerksamkeit zu gönnen als dem Viertel draußen.

view on the Fort from Goryokaku Tower
view on the Fort from Goryokaku Tower

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15 little scenes explained the history of Hakodate
15 little scenes explaining the history of Hakodate

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inside of the tower
inside of the tower

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bridge over the moat
bridge over the moat

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inside of Kanemori Warehouse
inside of Kanemori Warehouse

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bridge to the Bay Bridge Warehouse
bridge to the Bay Bridge Warehouse

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Abends sind wir dann in einem gefühlten Schneesturm hochgelaufen zur Seilbahn, mit der wir auf dem Mount Hakodate fahren wollten. Am Ticketschalter hieß es dann, dass der Schnee die Aussicht blockiert, aber wir wollten trotzdem hoch. Im Endeffekt hatten wir sogar Glück, da sich irgendwann die Schneewolken gelichtet haben und man doch noch einen schönen Blick auf das nächtliche Hakodate hatte.

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arriving ropeway car
arriving ropeway car

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arriving at the ropeway station
arriving at the ropeway station

Zur Fahrt mit der Seilbahn gibt es noch eine lustige Anekdote: Das Schneegestöber draußen hat den Pelz meiner Kapuze nass gemacht und schließlich frieren lassen. Der Aufenthalt in der Tea Lounge des Observatory Towers auf dem Mount Hakodate hat das Ganze etwas antauen lassen, so dass es wieder nass war. Auf der Fahrt nach unten habe ich meine Stirn mit Kapuze gegen die Scheibe gelehnt und als ich ihn wegziehen wollte, habe ich einen seltsamen Widerstand gemerkt. Ich ziehe also nochmal, bis mir klar wurde, dass der Pelz meiner Kapuze an der Scheibe des Seilbahnwaggons festgeroren war!! Michael musste mich befreien, da ich selbst gar nichts mehr machen konnte…

Dann ging es zum Hotel, wo wir endlich (!) was essen wollten. Erst haben wir uns umgezogen und versucht, nasse Hosen zu trocknen sowie abgefrorene Oberschenkel aufzutauen. Frisch und gut gelaunt ging es dann in die Lobby, wo ich nach dem hoteleigenen Restaurant gefragt habe. Freundlich wie immer wurde mir dann erklärt, dass das Restaurant zu ist und wir außerhalb essen müssen. Er hat uns dann einiges erklärt und auf dem Stadtplan gezeigt und dann schlussendlich noch fürsorglich gemeint, dass es draußen doch etwas kalt ist (“chotto samui ne”) und wir uns doch Jacken anziehen sollten, wenn wir rausgehen. Ich war wirklich wütend, dass ich wieder rausmusste, da ich hungrig war wie ein Wolf und grade erst trocken und einigermaßen warm war. Da uns nichts anderes übrig blieb, sind wir dann los Richtung des Viertels, das uns empfohlen worden war. Das stellte sich als mehrere Gässchen heraus mit vielen kleinen Lokalen, die für Japan so typisch sind. In manche passen nicht mehr als fünf Menschen rein. Wir sind also dadurch geschlendert, bis eine Frau uns reingerufen hat. Wir wussten nicht, ob wir dem folgen sollten, aber da sie drinnen schon tatkräftig Leute umgesetzt hat, konnten wir nicht anders. Mit uns waren dann fünf Gäste in dem Lädchen. Wir haben Essen und Trinken bestellt und wurden ausgiebig bestaunt. Das Essen war sehr gut und währenddessen habe ich entweder den Unterhaltungen der anderen Gäste gelauscht oder Fragen über uns beantwortet, soweit mein Japanisch das zugelassen hat. Wir kamen aber doch erstaunlich weit. Abschließend sollten wir dann das Alter aller Anwesenden schätzen. Wir hatten zwei Volltreffer und zwei völlig daneben. Naja. So spielt das Leben. Nachdem wir noch auf einem Foto gelandet sind, haben wir uns freundlich verabschidet und uns für das wunderbare Essen bedankt. Im Schneesturm ging es dann zurück ins Hotel, wo ich geeilt bin, um euch auf den neuesten Urlaubsstand zu bringen. Der nächste Blog kommt wohl um den 13.2. herum, wenn wir in Hiroshima gelandet sind. Bis bald!

random small restaurant
random small restaurant

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Hakodate has an amzing street tram which really reminds of the Cable Car in San Francisco
Hakodate has an amzing street tram which really reminds of the Cable Car in San Francisco
little bear on our way
little bear on our way

Semesterende bis Urlaubsanfang

Der Urlaub hat eigentlich schon gestern angefangen, da ich aber in letzter Zeit zu faul war, Blog zu schreiben und das nicht in meinem ersten Urlaubseintrag nachholen möchte, jetzt eine kurze Darstellung meines Lebens in den letzten zwei Wochen:

Bis einschließlich des 28.1. habe ich noch an meiner letzten Hausarbeit geschrieben, die ich dann im Student Center eingereicht habe. Am gleichen Tag musste ich mich auch schon von einem Freund verabschieden, der kurz darauf das Reisen angefangen hat und nach Spanien fliegt, bevor ich wieder in Tokyo bin. Ein Glück ist er aber Deutscher und da wir eine Deutschen-Reunion planen, sollte ich ihn Ende des Jahres wiedersehen.
Nach der Abgabe der Hausarbeit war ich mit Miri Pancakes essen und – passend zu der schlechten Laune, die ich aus welchem Grund auch immer hatte – hatte ich die Plastiköffnungslasche einer Milchtüte in meinem Milchschaum auf dem Chai-Tee. Zusätzlich hatte ich mir die Zunge am Essen verbrannt, was meine Laune nicht verbessert hat. Entsprechend hate ich eigentlich keine Lust auf Shogo’s Geburtstagsfeier, die an dem Abend stattfinden sollte. Die ganze FujiQ-Gruppe hatte sich versammelt, um das angemessen zu zelebrieren. Natsumi, Yosuke, Miri und ich haben uns um 21.15 Uhr am Hachikou getroffen und sind zu einer mexikanischen Bar gegangen. Nate und Shogo kamen später, aber bis dahin hatten wir schon jeder einen Drink intus. Mri und ich hatten uns Erdbeermargeritas bestellt, aber Miri war ihrer zu stark, deswegen durfte ich den dann mittrinken. Nebenbei hatten wir noch eine lustige Begegnung mit einem Mexikaner: Der war schon vor uns in der Bar und hat dauernd herumgegrölt.  Natsumi hat irgendwann den Fehler begagngen, sich zu dem umzudrehen, was er als Anlass genommen hat, rüberzukommen und uns anzusprechen. Er hat sie auf Spanisch angesprochen, was sie natürlich nicht verstanden hat. Ich hab dann übersetzt und mich kurz mit dem Kerl unterhalten. Er fand es sehr beeindruckend, dass ich Spanisch speche und hat mich “Bonita” genannt. Ich habe ihn trotzdem nicht an unserem Tisch sitzen lassen… ;)
Als Nate und Shogo eingetroffen sind, haben wir noch gegessen und dann wurde plötzlich die Bar abgedunkelt und auf einem Teller wurde eine kleine Torte für Shogo reingebracht, in die eine Wunderkerze gesteckt war. Ich hab mich total gefreut und geklatscht und auf einmal kam noch ein zweiter Teller, der dann MIR überreicht wurde. Ich war etwas verwirrt, schließlich hatte ich ja keinen Geburtstag – das wurde dann aufgeklärt: Sie hatten mir eine Abschiedstorte bestellt! Das fand ich so süß… Wir haben Sombreros bekommen, einen Tequilashot getrunken, uns nebenbei mit Torte gefüttert und sind dann weitergezogen in eine Karaokebar.  Die haben wir für fünf Stunden gebucht und dann gings los. Kreuz und quer durch alle bekannten Songs – Abba, Linkin Park, Adele und japanische Lieder. Nate ist irgendwann in einer Ecke eingeschlafen und hat sich nicht davon stören lassen, dass drei betrunkene Japaner und zwei Deutsche aus vollem Hals Lieder gesungen  haben. Fand ich bewunderswert. Morgens um halb 6 sind wir dann nach Hause gefallen.

Sombrero- Übergabe!
Sombrero- Übergabe!
Gruppenfoto!
gute Laune :D
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Gruppenfoto!
nothing more to say
nothing more to say

Ich hab den ganzen nächsten Tag geschlafen, während Miri morgens Chatroom hatte und Klausur geschrieben hat. Sie hat mich um halb sechs abends geweckt und war ganz aufgedreht. Ich hab dann entdeckt, dass David mir eine Nachricht geschrieben hat mit der Frage, ob ich heute Abend gerne was trinken gehen würde. Ich hab mich zwar etwas geniert, bin dann aber doch mit. Also haben Alejandro, David und ich uns um 22.00 Uhr am Hachikou getroffen und sind los ins Hub. Dort haben wir dann einen netten Menschen aus Bangladesh kennengelernt, mit dem wir später noch in einem Club sind. Ich bin also wieder erst vormittags nach Hause gekommen und habe mich dann den Freitag erstmal ausgeruht.

Sonntag haben wir uns mit Nate und Natsumi getroffen und haben in der Wohnung von Natsumis Eltern in Yokohama gekocht. Es gab wunderbar leckere selbstgemachte Burger und wir haben zwei Filme geschaut. Der Tag war super schön und entspannt, wir hatten viel Spaß und Miri und ich haben die Aussicht aus der Wohnung genossen. Diese liegt im 45. Stock und man kann über ganz Yokohama und Tokyo schauen – gratis gibt’s dann auch noch den Fuji dazu. Wir waren völlig begeistert und hätten kaum was anderes als die Aussicht gebraucht. :D

mehr Bilder befinden sich leider nicht in meinem Besitz...
mehr Bilder befinden sich leider nicht in meinem Besitz…

Dienstag fand die von der Universität ausgerichtete Farewell-Party statt. Miri und ich hatten uns ein wenig schick gemacht, da wir dachten: naja, Abschlussfeier, warum nicht. Wir waren dann auch sehr froh drum, als wir herausgefunden haben, dass die Feier in einem äußerst schicken Komplex stattfinden würde, der irgendwie Eventhalle, Hotel und Brautmodenladen in einem ist.
Es gab mehrere Reden, Unmengen an leckerem Essen und dann haben Studenten der Uni verschiedene Sachen aufgeführt wie Tänze oder Gesang. Es wurde auch ein, von einem Studenten angefertigtes, Dankes-Video gezeigt mit vielen Bildern aus dem vergangengen Semester. Anschließend wurden die Austauschstudenten auf die Bühne gerufen, das Abschiedsgeschenk (ein Handtuch mit eingesticktem Aoyama Gakuin Logo) überreicht und dann die Tutoren geehrt. Das war dann auch schon die Veranstaltung und wir haben beschlossen, etwas Trinken zu gehen, da der Abend noch jung war. Also sind Miri, Alejandro, Daniel und ich losgezogen. Ich wollte uns eigentlich in die mexikanische Bar bringen, aber leider war die voll und wir hätten eine Stunde warten müssen. Das sahen wir dann doch nicht ein und sind weitergezogen. Es war definitiv ein lustiger Abend, nur das schlussendliche Verabschieden hat mir nicht gefallen – es ist wirklich schwer, Leute, mit denen man in den letzten Monaten Unmengen an Zeit verbracht hat, zum letzten Mal zu sehen.

Zumindest bei Alejandro war es dann doch nicht das letzte Mal, da David darauf bestanden hat, donnerstags was mit mir zu trinken (schließlich ist es das letzte Mal, dass ich ihn sehen kann – EVER! :D). Wir waren also in einer Bar, haben auch Bekannte wiedergtroffen, aber Miri und ich haben uns doch für den letzten Zug verabschiedet, da wir beide am nächsten Tag Packen mussten. Es hat bestimmt fünf Minuten gedauert, bis wir schließlich loskamen, da abwechselnd Alejandro, Brady und David umarmt wurden und die Leute, die uns begleitet hatten auch, aber schlussendlich haben wirs geschafft. Im Aufzug haben wir dann noch Ausländer getroffen, die uns ein nettes “take care” auf den Weg mitgegeben haben und dann gings heim. Dort habe ich noch mit Michael geskypt – das letzte Mal vor seinem Flug – und bin schlafen gegangen.
Das Packen freitags hat mich mehr deprimiert, als ich eigentlich zugeben wollte. Ich hab Koffer gepackt, noch ein Paket nach Hause losgeschickt, Missverständnisse mit dem Dorm Manager gehabt übers Bezahlen und und und. Samstagmorgen habe ich geduscht, gefrühstückt, gepackt und Miri verabschiedet, die sich zusammen mit Eliza auf den Weg nach Sapporo gemacht hat. Leider schaffen wir es nicht, uns dort zu treffen…
Gegen halb elf habe ich meinen Zimmerschlüssel zurückgegeben und mit dem Dorm Manager den Roomcheck gemacht. Wobei Roomcheck eigentlich übertrieben ist: Er hat nur in zwei Schränke geschaut und dann gesagt, dass alles in Ordnung ist. Da ich aber spät dran war und wusste, dass ich nichts vergessen hatte, war mir das auch recht.
Um 10.55 Uhr habe ich das Dorm verlassen und mich auf die Weltreise zum Narita Airport begeben. Was auf dem Weg alles passiert ist, erfahrt ihr aber erst im nächsten Eintrag, da ab jetzt der Urlaub angefangen hat! :)

Fuji-Q Highland

Eigentlich wollte ich diesen Beitrag schon gestern Abend verfasst haben, aber ich war nach drei kurzen Nächten und einem langen, anstrengenden und aufregenden Tag einfach zu erschlagen. Dass ich 15 Stunden geschlafen habe, sagt wohl so einiges aus… Dafür aber jetzt die extra lange und extra motivierte Version des Eintrags!

Gestern Morgen hab ich mich nach 4 Stunden Schlaf aus dem Bett gequält und habe zum Aufwachen erstmal eine Dusche genommen. Warum tut man so etwas? Weil man einen Freizeitpark besucht! Viele unter euch kennen das bestimmt: die Nacht war kurz, aber man freut sich so auf den Freizeitpark, dass einem das egal ist. Vor allem war das hier nicht irgendein Freizeitpark, das war Fuji Q! DER Amusement Park in Japan. Seine Achterbahnen hielten oder halten immer noch einige Rekorde: Die höchste Achterbahn mit 79m (wurde abgelöst), die schnellste mit 172 km/h (wurde abgelöst, aber immer noch schnellste Startgeschwindigkeit), die steilste (121° Gefälle) und der höchste und neueste 4th-Dimension Coaster. Ihr könnt euch also meine Aufregung vorstellen. Vorm Verlassen des Dorms habe ich noch eine Hausarbeit abgeschickt und dann ging es los.: um 5.36 Uhr die Bahn am Heimbahnhof nehmen, um 6.30 Uhr in Shibuya in die Yamanote-Line einsteigen und um 6.45 Uhr in Shinjuku ankommen. Dort mussten dann noch Tickets abgeholt werden und die restliche Truppe eingesammelt werden. Insgesamt waren wir 6 Leute: Miri, Nate, seine Freundin Natsumi, sein Arbeitskollege Shogo, ein anderer Freund namens Yosuke und ich. Pünktlich, wie immer hier in Japan, ging es um 7.10 Uhr mit dem Bus los Richtung Fujiyoshida. Eigentlich hatten wir geplant auf der Hinfahrt zu schlafen, allerdings hat das nicht ganz hingehauen. Der Blick war einfach zu schön. Und wie waren absolut begeistert, dass Schnee lag. Und dass die Berge so schön sind. Und dann waren wir da.
Nein, im Ernst: Mount Fuji ist der schönste und perfekteste Berg, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Er sieht aus, als hätte ihn jemand gemalt und dann in die Landschaft gesetzt. Unglaublich. Eines schönen Tages möchte ich ihn tatsächlich besteigen.

Wir kamen gegen 8.45 Uhr in Fujiyoshida an und haben dann ein schönes Frühstücksrestaurant gefunden. Dort wurde ausgiebig gefrühstückt (ich hatte Pizzatoast und hab mir Pommes mit Miri geteilt). Es war ziemlich günstig und die Getränkebar war super. Kaffee, Kakao, Tee, Wasser, Saft, sogar Suppe!
Gegen 9.45 uhr ging es dann zurück Richtung Park. Die ungefähr dritte Schneeballschlacht wurde ausgefochten und wir hatten alle unglaublich gute Laune. Nach dem Tickets ausdrucken ging es dann rein und wir mussten entscheiden, welche Achterbahn wir als erstes nehmen wollen. Dank kurzer Wartezeit ging es auf die Fujiyama – und die trägt ihren Namen nicht umsonst! Bei der Fahrt auf den höchsten Punkt (79m) hat man einen wunderbaren Ausblick auf den schneebedeckten Fuji. Bei der ersten Fahrt war ich zu nervös, um den Ausblick richtig zu genießen; etwas später bei der zweiten dafür um so mehr. Da es bei Achterbahnen aber ja grundsätzlich nicht (nur) um den Ausblick geht, hier das Erlebnis: Wahnsinn. Die längste Achterbahnfahrt meines Lebens und das meinte ich todernst. Die Fahrt dauert gefühlte 4 Minuten und macht unfassbaren Spaß. Nach der Fahrt in der ersten Reihe bei vielleicht 5° über Null hatte ich Tränen in den Augen, aber bei dem ganzen Adrenalin war mir das völlig egal. Das Foto hat mich wunderbar erwischt: mit weit aufgerissenem Mund am Schreien.

Das Wetter war zwar kalt und ein wenig windig, aber in der Sonne war es teilweise doch so warm, dass Miri und ich unsere Jacken aushatten. Das konnte man von den Japanern natürlich nicht erwarten; die haben alle heldenhaft gefroren. Die gute Laune haben wir aber den ganzen Tag über nicht verloren, nur Shogo war des öfteren etwas panisch. Er kommt mit Achterbahnen nicht so gut klar. Oder mit Höhen. Aber er war äußerst tapfer und hat alles mitgemacht! Ein Pluspunkt des “im Winter einen Freizeitpark besuchens”: es ist wenig los. Wir haben nie länger als 50 Minuten angestanden.

Die nächste Bahn sollte eigentlich Dodonpa sein, die Hochgeschwindigkeitsbahn. Wir standen etwa 20 Minuten an, als die Bahn Schwierigkeiten gemacht hat und kurzzeitig geschlossen wurde. Dafür bekamen wir aber einen FastPass, der es uns später erlauben würde, einfach durchzugehen ohne warten zu müssen.
Danach sind wir glaube ich auf die Takabisha; die Achterbahn mit dem steilsten Gefälle. Durch eine 90° Auffahrt und das Gefälle sieht sie aus wie ein riesiges R. Fairerweise muss man aber dazu sagen: das Gefälle ist nicht alles an der Bahn. Sie ist unglaublich gut gemacht! Das R ist auch nicht gleich zu Beginn, davor hat man erstmal eine Wahnsinnsfahrt, die am Anfang durchs Dunkle geht. Das war unglaublicher Spaß, bei der Auffahrt am R hab ich aber die Augen zugemacht, weil ich das auf dem Rücken liegen nicht so gut vertrage. Leider hab ich dann am Überhang die Augen nicht aufgemacht, was mich im Nachhinein ein wenig ärgert. Man hängt mit dem Wagen einige Sekunden auf der leichten Abfahrt des R und kann den Blick nach unten genießen, bevor es dann in das richtig steile Gefälle geht. Das Gefühl ist der Wahnsinn und der Blick… naja :D
Danach ging es glaube ich auf Eejanaika, den 4th-Dimension Coaster. Ihr wisst nicht, was das  ist? Nicht schlimm, wusste ich bis gestern auch nicht. 4th-Dimension bedeutet, dass der Achterbahnsitz in sich selbst nochmal drehbar ist, so dass der Blickwinkel verändert werden kann. Und das ist… wow. Verrückt. Und ehrlich gesagt nicht so mein Fall. Was allerdings auch an der Bahn liegen kann. Aber langsam.
Man muss seine Schuhe ausziehen, um auf die Bahn zu dürfen, was im Winter jetzt nicht so toll war. Was nimmt man aber nicht alles auf sich. Man steigt mit dem Rücken zur Fahrtrichtung in die Bahn ein und dann werden Unmengen an Sicherheitsgurten agelegt. Erst einer um Hüften, dann von beiden Seiten über die Schultern; das wird dann nochmal mit einem Gurt über die Brust gesichert. Dann wird von oben noch ein Sicherheitssystem runtergedrückt, so dass man sich nicht aus dem Sitz heben kann und DAS wird dann nochmal mit einem Gurt unten am Sitz befestigt. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber glaubt mir: ihr seid verdammt froh drum. So wie der Sitz gedreht wird, braucht man das Zeug. Es ging dann recht gemütlich los mit ein paar Drehung und einer Kippund des Sitzes nach vorne Richtung Schienen. Dann ging es rückwärts den Berg hoch. Lange. Und da man sich im Sitz nicht bewegen kann, kann man sich auch nicht umdrehen, um nachzuschauen. Oben ging es dann eine recht gemütliche Senkung runter zum nächsten Gipfel und ab da wurde es verdammt verrückt. 90° Gefälle, du schaust auf die Schienen und ab da weiss ich nicht mehr so richtig, was passiert ist. Ich hab mir die Seele aus dem Leib geschrieen, weil mit der Drehung des Sitzes die abartigsten Blickwinkel auf die Bahn möglich sind und dank der vielen Kurven, Drehungen, Inversionen und was weiss ich wurde ich ganz schön hin-und hergeschleudert. Das ist wohl auch der Grund, warum ich die Bahn nicht mag: ich finde sie unkomfortabel und rau. Definitiv ein Erlebnis, aber ich wollte sie kein zweites Mal fahren. Da war ich mir mit Natsumi sehr einig. Wir saßen nebeneinander und als die Fahrt vorbei war und wir abgebremst wurden, war es neben mir sehr leise. Viel zu leise. Da fiel mir auch auf, dass es während der Fahrt komplett still neben mir gewesen war – und aus eigener Erfahrung weiss ich, dass das kein gutes Zeichen ist. Also hab ich versucht, sie anzuschauen, hab die Hand rübergestreckt und sie gefragt, ob alles okay ist. Sie hatte während der Fahrt ziemliche Angst gehabt und konnte die Augen nicht aufmachen und es hat ihr nicht gefallen, kam dann heraus. Zuerst dachte ich, sie würde anfangen zu weinen, weil sie wirklich geschockt aussah, aber sie hat sich erstaunlich schnell gefangen. Da wir beide recht fertig waren, haben wir uns an den Händen gehalten, bis wir dann endlich raus konnten. Miri war absolut begeistert, Yosuke auch, Nate fand die Bahn auch ganz gut und Shogos Urteil gilt irgendwie nicht. Wir blieben aber bei unserem Urteil, dass wir kein zweites Mal fahren.

Der Tagesablauf ist mir nicht mehr so ganz im Kopf (zu viel Adrenalin), aber nach dieser Bahn sind wir Richtung Haunted House gelaufen. Auf dem Weg dorthin sind wir noch auf eine Wasserachterbahn, weil man dort nicht anstehen musste. Die Fahrt war nicht sehr spektakulär; das schönste ist, dass man in einem geschlossenen Boot sitzt und nicht nass werden kann. Man fährt einen Berg hinunter und am Ende dieses Berges taucht man so tief und fest in das Wasser ein, dass man im Boot ganz schön nach vorne geschleudert wird und eine Welle produziert wird, die in einem wunderhübschen Bogen 10 Meter weit bis auf den Betonplatz spritzt. Bei schönem Wetter werden dort sicherlich einige Leute sehr nass. :D
Wir waren ebenfalls noch auf einem Free Fall Tower – ich hasse und ich liebe die Dinger zur gleichen Zeit. Der hier war doch gut 40 Meter hoch und man hatte wunderbaren Ausblick. Sie haben einen auch ziemlich lange warten lassen, bis man gefallen ist. Aber sehr lustig.

Nun zum Haunted House: Es ist eines der gruseligsten der Welt und hat Platz in einem verlassenen Krankenhaus. Es gibt auch keine Bahn, die hindurch führt, sondern man läuft. Wir mussten fast eine Stunde warten, bis wir rein durften. Zu Beginn gab es eine Einführung von einer Krankenschwester im blutverschmierten Kittel, dann ging es in einen kleinen Raum, in dem uns ein kurzer Horrorfilm gezeigt wurde, wie das Krankenhaus zu einem von Zombies besetzten Ort wurde. Weiter ging es in eine kleine Kammer, in der Fotos gemacht wurden. Hier gab es den ersten, kleinen Schock, damit die Fotos besser werden. Dann wurden wir in das Krankenhaus entlassen. Es gab Pfeile, die den Weg wiesen und darum war ich auch ganz froh. Und dann habe ich fast den ersten Zombie verpasst. Ich hatte meine ganze Konzentration nach vorne gerichtet und auf einmal hab ich jemanden kreischen hören, irgendetwas oder irgendjemand hat sich schmerzhaft in meinen Arm gekrallt, Miri schießt an mir vorbei und als ich mich umdrehe, steht hinter mir ein Zombie. Zum Glück schon ein paar Meter weg, aber pfüh! Danach hatte ich panische Angst, letzte in der Gruppe zu sein und habe mich immer wieder umgeschaut.
Das Haunted House ist wahnsinnig gut hergerichtet: man schaut um eine Ecke, sieht einen Flur mit vielen Türen runter und denkt sich: das ist eine äußerst schlechte Idee. Man überlebt den Flur, kommt in Räume, die mit Vorhängen abgetrennt sind, macht sich beinahe in die Hose vor den Gestalten auf den Betten und dann, ja dann kommt man in einen engen, dunklen Flur, vollgestellt mit Wägen voller Zeugs. Auch das überlebt man, ohne vor Angst zu sterben und dann generiert Nate, der vorne geht, den schlimmsten Gruselmoment selbst, indem er gegen das von der Decke hängende Schild mit dem Pfeil läuft und hysterisch anfängt zu schreien, was die ganze Gruppe in helle Panik versetzt. Anschließend Lachen, aber erst Panik.
Die Runde durch das Krankenhaus dauert etwa 40 Minuten; es gibt Notausgänge, für die, die es nicht mehr aushalten. Die Akteure, alle wahnsinnig gut als Zombies verkleidet, sind sporadisch eingesetzt – die Deko nimmt schon viel Gruselarbeit ab! -, aber unglaublich gut. Was bedeutet, dass man sich bei jedem Akteur beinahe ins Hemd macht vor Angst. Vor allem, weil sie einem nachlaufen. Brrr. Beste Szene: du betrittst einen Raum, recht übersichtlich, du denkst dir: ach ja, geht ja. Dann bemerkst du, dass hinten, direkt vorm Ausgang, etwas auf einem Schaukelstuhl sitzt und schaukelt. Du hoffst, dass es eine Puppe ist, aber dir ist klar: damit kommst du nicht durch. Also gehst du langsam durch den Raum, krallst dich schon panisch an deiner Nachbarin fest. Du bist fast an der Türe, als der Zombie auf gruseligste Art und Weise aus seinem Schaukelstuhl aufspringt. Du schreist und begehst mit deiner Freundin einen großen Fehler: Anstatt vorwärts zu rennen, weichst du zurück. Zack bist du von der Gruppe getrennt und der Zombie hat sein Ziel erreicht. Da standen also Miri und ich, völlig panisch aneinander gekrallt. Und in diesem Moment beweist ausgerechnet Shogo den größten Mut: er kommt zu uns zurück. Am Zombie vorbei. Er holt uns und wir rennen schreiend am Zombie vorbei durch die Tür.
Es gab noch einige erwähnenswerte Szenen: Nate, der versucht Natsumi durch eine Tür zu tragen, während sie sich am Türrahmen festkrallt; ein Faden, der mir ins Gesicht schlägt, als wir durch einen Flur laufen (Schreianfall); eine Metallstange, die irgendwo dagegen schlägt und Nate so erschreckt, dass er zwei Meter nach links gegen die nächste Wand springt, während Natsumi schreiend auf den Boden fällt. Und so weiter.
Die Tour ist so riesig und so gut gemacht, dass ich immer noch keine Ahnung habe, wie viele Etagen das Krankenhaus eigentlich hat und wo wir überall lang sind. Nur eines steht fest: Treppen sind sicheres Gelände.

Nach dem Haunted House sind wir in eine weitere Attraktion, in der man in Zweier- oder Dreierteams Aufgaben lösen muss. Es gibt mehrere Level, die man alle durchstehen muss. Klingt ganz interessant, allerdings sind die Rätsel so schwer, dass wir alle direkt zu Anfang gescheitert sind. Dafür haben sich die 50 Minuten Anstehen leider nicht gelohnt.
Hiernach gab es Essen bei Mo’s Burger und wir sind endlich auf die Dodonpa gekommen. Nicht Anstehen müssen hat die Sache noch schöner gemacht. Ich saß mit Miri in der zweiten Reihe und los ging es. Erstmal gemütlich um eine Kurve gefahren und dann auf die gerade, übertunnelte Strecke, auf der man abgeschossen wird. Man verbringt einige bange Sekunden, bis der Countdown beginnt. Da ich schon Erfahrung mit der Blue Fire gemacht hab, hab ich bei eins eingeatmet, was die Sache wesentlich angenehmer macht. Miri wusste das nicht und hat absichtlich ausgeatmet. Problem: Wenn du in 1,8 Sekunden von 0 auf 172 km/h beschleunigt wirst, ist Atmen nicht drin. Die Fahrt ist super, sehr schnell (haha) und hat einige gute Kurven und Berge drin. Kurzer Schockmoment: ich hab die Arme hochgerissen und habe unglaublichen Spaß, als wir über einen Berg katapultiert wurden. Und in diesem Moment wurde ich dank Fliehkräften ein ganzes Stück aus meinem Sitz gehoben (kein Sicherheitssystem, das über die Schulter geht, sondern nur an den Hüften). Aus meinen Freudenschreien wurden kurzzeitig Panikschreie, aber ich habs überlebt. Ich glaube auch nicht, dass ich hätte rausfallen können, aber mit Festhalten ist man an dieser Stelle doch gut bedient. Aber das wäre ja langweilig.
An diesem Punkt des Tages waren wir schon alle ziemlich müde. Ich habe gemerkt, dass wegen der anstrengenderen und spannenderen Fahrten ich sehr viel fertiger bin, als das in deutschen Vergnügungsparks der Fall ist. Es war auch schon dunkel, damit sehr viel kälter und wir diskutierten also, was wir als nächstes tun sollten. Miri wollte nochmal auf eine große Fahrt, aber irgendwie waren wir alle recht entscheidungsunfreudig. Schließlich sind wir auf Pizza-la (ja, es heißt echt so). Da ist ein riesiger Ring, an dem man außen sitzt. Über-Schulter-Gurte versprachen Spaß – und den bekamen wir. Shogo war hier nicht dabei, weil er Nackenschmerzen hatte. Der Boden klappte nach innen ein, das Ras bewegte sich leicht zur Seite – und im nächsten Moment befanden wir uns schon gut 15 Meter über dem Boden. Das Rad ist wie eine riesige Schiffschaukel konzipiert,  nur dass es sich dabei noch dreht. Es geht auch gut über den 90° Winkel zum Boden hinaus, was noch viel mehr Spaß macht. Fazit: es war super, aber unfassbar kalt. Meine Hände waren abgefroren danch. Handschuhe mitzunehmen wäre ja auch zu viel Gepäck gewesen…
Wir haben also Shogo nochmal aufgesammelt, waren auf einem Karussel mit Pferden (ich habe keine Ahnung, wie man die nennt) und diesmal – ja liebster Freund, das ist an dich gerichtet! – hatte ich ein Pferd, das hoch und runter ging! So. :P
Anschließend wollten wir eigentlich Eis laufen gehen. Die Bahn war riesig und wunderschön angelegt mit beleuchteten Bäumen. Ein Augenschmaus. Leider war die Schlittschuhmiete aber sehr hoch, also haben wir das gelassen. Da es schon 10 Minuten vor Parkschluss waren, haben wir es “call it a day” genannt und Schluss gemacht. Wir haben den Park verlassen, Miri und ich haben uns noch einen Crepe geholt und wir sind durch “La ville de Gaspard et Lisa” gelaufen. Süß angelegt und außerdem gab ein zwei animierte Kurzfilme; einer hat ein wenig durch Paris geführt und der andere war einfach nur zuckersüß. Da wir zwischendurch einen angeschalteten Heizpilz gefunden haben, war uns sogar recht warm. Nach den Filmchen sind wir Richtung Busstation und dort ins Cafe. Wir haben noch Postkarten gekauft und dann einfach nur da gesessen und gewartet, bis der Bus kam. Auf dem Rückweg habe ich mit nur kurzen Unterbrechungen durchgeschlafen und als Miri mich in Shinjuku geweckt hat, sah ich aus wie der König der Zombies. Ringe unter den Augen und irgendwie zerknautscht. Zudem hatte ich noch Nackenschmerzen. Ein paar Schlucke kaltes Wasser haben mich wieder unter die Lebenden gebracht (Miris Kommentar: “Du hast ja Augen!”) und die Kälte beim Aussteigen sowieso. Zusammen sind wir dann in die Yamanote-Line eingestiegen und zurück nach Shibuya gefahren. Dort haben sich alle Wege getrennt, aber wir waren uns einig, dass der Tag super war. Miri und ich wollten eigentlich noch Brot kaufen, allerdings war uns nicht klar, dass kurz vor Ladenschluss das Angebot wohl nicht mehr sehr groß sein würde. Immerhin haben wir eins rausgefunden: Im Gegensatz zu vielen deutschen Bäckereien reduzieren japanische nicht das Essen vor Ladenschluss.
Wir haben den Local heimgenommen; die längere Fahrt war uns egal, wir wollten einfach nur sitzen. Zu Hause hab ich dann nur noch kurz Emails gecheckt, was Kleines gegessen und nach Abschminken und Zähne putzen war ich noch im Ohuro, dem heißen Bad. Nach dem langen, anstrengenden, kalten Tag einmal mit über 40° heißem Wasser komplett durchgewärmt zu werden, ist wundervoll. Und hilft beim Einschlafen! Um 23.00 Uhr war mein Tag also zu Ende, aber er hat sich absolut gelohnt!

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Minato Mirai

Eigentlich sollte ich ja zu Hause sein und brav an Hausarbeiten schreiben und Videos machen und und und… ABER: Jetzt, wo das Heimkommen in greifbare Nähe gerückt ist, habe ich einfach jegliche Motivation verloren, noch irgendetwas zu machen. Ich will, dass das Semester rum ist, dass mein Freund hier ist; ich will reisen, Japan erleben, mein Japanisch ausprobieren, Lukas und Lukas treffen, einen Abschiedsabend in Tokyo veranstalten, eine über 30-stündige Reise auf mich nehmen und dann endlich zu Hause sein!!! In weniger als 6 Wochen bin ich wieder zu Hause. Und von diesen 6 Wochen werden 3 Wochen Durchs-Land-Reiserei sein. Also ist es im Grunde genommen nicht mehr lange. Und trotzdem zieht es sich so unendlich… Die Lage im Dorm macht es nicht besser: verdreckte öffentliche Räume wie Duschen und Toiletten (die werden von Tag zu Tag schlimmer), nicht sonderlich gutes Essen und ständiger Straßenlärm. Ich bin froh, wenn ich ausziehen kann und trotzdem tut es mir irgendwie leid, dass ich nicht das neue Dorm in Ikebukuro (sehr viel zentraler und näher an der Uni sowie mit eigenem Bad und Küchenzeile) erleben kann.  Ich will keinesfalls sagen, dass mein Aufenthalt hier schlecht oder unbefriedigend war – im Gegenteil: wer meinen Blog gelesen hat, weiss, was ich hier Tolles, Unbeschreibliches, Verrücktes und Ungewohntes erlebt habe und dass ich es genossen habe. Aber zu Hause ist zu Hause und mit einem fixen Termin wird alles schlimmer…

Jetzt aber zum eigentlichen Sinn dieses Blogeintrages:
Statt zu Lernen war ich heute mit Miri in Minato Mirai. Das ist in Yokohama – und es ist wunderschön. Wir haben uns noch mit Marlin, einem Freund von Miri verabredet. Allerdings waren wir Mädels sehr viel früher da, also haben wir uns die wunderschöne Station angeschaut, in der wir angekommen sind. Japaner bauen desöfteren Malls über größere Zugstationen und das war hier definitiv der Fall. Eines der ersten Male, dass ich eine Station von innen fotografiert habe.

das rechts an der Wand ist übrigens ein Gedicht von Friedrich Schiller, das auf Deutsch und Japanisch niedergeschrieben ist
das rechts an der Wand ist übrigens ein Gedicht von Friedrich Schiller, das auf Deutsch und Japanisch niedergeschrieben ist

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riesige Rolltreppe!
riesige Rolltreppe!

Dann ging es raus – und meine Güte, war das kalt!!! Dazu muss man sagen, dass es hier in Tokyo Mitte Januar angenehme 9-12° sind, meistens sonnig und nicht allzu windig; also sehr gut auszuhalten. Wir haben in Mianto Mirai die Station verlassen und wurden erst einmal beinahe vom Wind umgepustet. Wow. Kalt. Sehr kalt. Ich habe mich über mich selbst geärgert, dass ich keine Handschuhe dabei gehabt habe, da mir beim Fotografieren beinahe die Hände abgefroren sind. Sogar Miri hatte kalt (das kann man fast als 8. Weltwunder deklarieren); im Gegensatz zu mir friert sie aber gerne. Uah.
Wir haben draußen Straßenkünstlern zugeschaut und sind dann rüber zu dem kleinen Vergnügungspark, der Minato Mirai 21 ausmacht. Dazu gehören kleinere Attraktionen und – ein Riesenrad!!

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das Riesenrad! Gleichzeitig auch Uhr^^
das Riesenrad! Gleichzeitig auch Uhr^^

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Fluss, der den Vergnügungspark und das Stadtviertel teilt
Fluss, der den Vergnügungspark und das Stadtviertel teilt
ein einsame Palme
ein einsame Palme

Marlin hatte uns aber gebeten, damit auf ihn zu warten. Da er sich zwischendurch ein wenig verlaufen hatte und damit länger gebraucht hatte, sind wir schon mal auf zwei Attraktionen gestiegen und hatten unglaublichen Spaß. Danach hatten wir kalt und wollten zwecks Bekämpfung besagter Kälte eine heiße Schokolade. Freudig haben wir also das Krispy Kreme Donuts geentert und festgestellt: die haben keinen Kakao! Das fanden wir unverschämt, also ließen wir die lecker aussehenden Donuts links liegen und haben uns auf die Suche nach dem Starbucks gemacht. Das war etwas schwieriger als erwartet, dabei haben wir aber eine sehr leckere Bäckerei gefunden, in der wir zwei süße Teilchen für jeden gekauft haben. Im Starbucks gabs dann noch einen heißen Kakao und dann war Marlin endlich da. Ich habe ihn heute erst kennengelernt (Schreiben im Gruppenchat auf Facebook und Line zählt nicht), aber er war mir sofort äußerst sympathisch, als er gesagt hat: “Wir kennen uns zwar nicht, aber ich umarme dich jetzt einfach trotzdem zur Begrüßung!” Tatsächlich ist er wirklich ein ganz toller Mensch. Wir haben über den Abend schon beschlossen, dass wir uns noch zum Sushi essen treffen wollen, bevor ich abreise.
Mit Marlin sind wir dann noch auf zwei weitere Attraktionen, bevor es dann endlich aufs Riesenrad ging. Wir haben mit Absicht gewartet, bis es dunkel wurde, weil die Stadt dann so schön beleuchtet ist. Ganz nebenbei war es das erste Mal, dass ich Riesenrad gefahren bin. Das Erste, was Marlin sagt, als wir einsteigen und uns setzen: “Wow, als ihr euch gesetzt habt, hat sich die Gondel aber ganz schön in eure Richtung bewegt!” Danke. Vielen Dank, Marlin. Zwei Personen sind halt schwerer als eine! Mensch.
Man hat vom Riesenrad wirklich einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Ich hab Fotos gemacht, aber auf keinem kommt die Atmosphäre so wirklich rüber. Leider… Irgendwann habe ich egoistischerweise beschlossen, es aufzugeben, Bilder machen zu wollen und habe einfach die Aussicht genossen.
Nach der Fahrt waren wir noch in einem großen (und warmen!!) Gebäude, das wie eine Arcade ist, in der man alle erdenklichen Spiele spielen kann. Wir haben versucht, einen Teddy zu angeln, aber als es beim dritten Versuch nicht geklappt hat, haben wir aufgegeben. Anschließend wollten wir eigentlich was Essen gehen. Ja, wir waren sogar schon auf dem Weg dorthin, als Miri und ich die Schnapsidee hatten, bei gefühlten 0° Außentemperatur Wasserachterbahn fahren zu wollen. Die sich natürlich im Freien befindet. Marlin hat das kategorisch abgelehnt und hat schon mal in der warmen Mall gewartet. Miri zund ich haben uns eiskalt (haha, Wortwitz…) Tickets gekauft und sind los. Hier eine Sache, die mich an japanischen Achterbahnfahrten UNFASSBAR stört: Man muss immer seinen Schal ausziehen. Leute, die mich gut kennen, wissen, wie heilig mir meine Schals sind (vor allem im Winter!). Die werden nur dann ausgezogen, wenn ICH will. Nicht, wenn Andere wollen. Mein Freund erinnert sich bestimmt an die Gelegenheit, bei der ich fünf Minuten mit dem Angestellten an einer Achterbahn diskutiert habe, bis er aufgegeben hat und ich meinen Schal anlassen durfte. Was soll schon passieren, wenn mein Schal hinter meinem Jackenkragen versteckt ist und nicht mal am Hals rausschaut?! Genau: rein gar nichts. In Japan geht das so leider nicht. Zum Ersten kann ich ihnen nicht erklären, dass ich nicht gewillt bin meinen Schal auszuziehen und dass schon nichts passieren wird und zum Zweiten wäre es ihnen wohl auch egal, selbst, wenn ich es ihnen in fließendem Japanisch erklären könnte. Ich mich also meinem Schicksal ergeben (allerdings nicht, ohne auf Deutsch rumzumeckern) und die Fahrten am Hals frierend genossen. Die Wasserachterbahn war super: zwei Berge, der letzte richtig steil. Wir sind Deutsche, also haben wir uns nicht drum gekümmert, wie laut wir schreien. Die am Rand stehenden Japaner fandens witzig. Ich saß vorne und bin nicht mal allzu nass geworden – was zum Erfolg der Fahrt beigetragen hat. Wir haben dann den ergeben wartenden Marlin gejoint und sind Ramen essen gegangen. Nach dem Ramen haben wir uns entschlossen, dekadent zu sein und Crêpe zu essen. Allerdings nicht puren Crêpe; das wäre ja zu einfach. Nein! Mein Crêpe war mit Sahne und Schokoeis gefüllt. Zu dem Schokoeis waren dann noch Schokosoße, Schokotropfen sowie Browniestücke hinzugefügt. Miri und Marlin hatten Vanilleeis mit Sahne,  Schokosoße und Bananenstückchen. Diabetes, here we go! War uns aber egal. Während dem Essen haben wir uns dann langsam Richtung Bahnhof bewegt, das es inzwischen schon halb neun war. Am Bahnhof gabs dann wieder eine Umarmung und wir haben uns auf den einstündigen Heimweg gemacht. Es war ein teurer Tag, aber er war es definitiv wert. Ich werde auch meinen Freund (ja, Warnung an dich!) nach Minato Mirai schleifen. Und wieder Riesenrad fahren! Jetzt greife ich aber schon mal vor und zeige euch einige Bilder. :)

abends ist das Riesenrad wunderschön beleuchtet!
abends ist das Riesenrad wunderschön beleuchtet!

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Eingang zu einem Teil des Vergnügungsparks
Eingang zu einem Teil des Vergnügungsparks

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leuchtendes Herz...
leuchtendes Herz…
... mit meiner Wenigkeit davor
… mit meiner Wenigkeit davor
nochmal das Riesenrad
nochmal das Riesenrad
auch die anderen Achterbahnen sind beleuchtet
auch die anderen Achterbahnen sind beleuchtet
wunderschön beleuchtete Bäume
wunderschön beleuchtete Bäume
Blick über Yokohama
Blick über Yokohama
Tokyo ist weitläufig...
Tokyo ist weitläufig…
einfach, weil es schön aussieht
einfach, weil es schön aussieht

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An dieser stelle ein großes Danke schön, an alle, die immer noch meinen Blog lesen. Ich freue mich, euch alle bald wiederzusehen!!! <3

Eulencafe

Ja, ihr habt richtig gelesen: Eulencafe. Davon gibt es mehrere in Tokyo. Manche sind als richtiges Cafe gestaltet, in dem man Essen und Trinken bekommt und die Vögel hinter Glas sind. Es gibt nur noch ein weiteres Cafe neben unserem, in dem es nur Eulen gibt und das den Besuch mehr als Erlebnis gestaltet.

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Ich habe Samstag eine Reservierungsemail losgeschickt und für Sonntag, 18.00-19.00 Uhr eine Bestätigung erhalten. Miri und ich sind heute gegen 16.00 Uhr aufgebrochen und nach Akihabara gefahren. Wir haben das Cafe recht gut gefunden und da wir noch Zeit hatten, bevor es losging, haben wir noch eine heiße Schokolade getrunken und uns etwas umgesehen. In der Email hieß es, dass man sich vor dem Cafe aufstellen und warten soll; mindestens fünf Minuten vor der reservierten Zeit. Wir sind Deutsche, also waren wir früher da. Wir wurden dann freundlich gebeten, noch zu warten. Einige Japaner sind dann noch zu uns gestoßen und dann ging es los: zuerst wurden Hefte ausgeteilt, in denen Regeln zum Umgang mit den Eulen standen. Zum Glück gab es die auf Englisch…. Während wir gewartet haben, kamen die Besucher vor uns raus und haben ihr Abschiedsgeschenk erhalten. Dann durften wir endlich rein. Bezahlen, Jacke ausziehen und Handtasche abstellen, Hände desinfizieren und ein Getränk aussuchen. Es gab nur Wasser in Flaschen, was daran liegt, dass die Eulen frei im Raum auf Stangen sitzen und alles andere hygienisch nicht zu verantworten ist.
Wir wurden also gebeten, uns zu setzen und es gab eine Einführung in Japanisch (von der ich ehrlich gesagt kein Wort verstanden habe). Dann durften wir aufstehen und uns umsehen. Man durfte alle Eulen streicheln und fotografieren; wenn man sie auf die Hand nehmen wollte, musste man sich an das Personal wenden. Ich habe mir erst alle Eulen angeschaut, ein paar gestreichelt und dabei viele Fotos gemacht. Dann habe ich die erste auf die Hand genommen – ich habe klein angefangen und das war auch glaube ich gut so. Ich hatte noch nie einen Vogel auf der Hand und es ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich zuerst gar nicht getraut, mich zu bewegen; das wurde dann aber besser. Und: Eulen sind unglaublich weich. Ihre Federn sind so zart, das ist unbeschreiblich!!
Ich hatte insgesamt drei Eulen auf dem Arm: eine kleine, eine etwas größere und dann eine mittelgroße. In Miri’s Liga (Uhu) habe ich mich aber nicht getraut…
Das Personal war super freundlich, hilfsbereit und obwohl wir mindestens 12 Leute waren, immer schnell da, wenn man sie gebraucht hat. Die Stunde war leider viel zu schnell rum…
Beim Rausgehen haben wir unser Foto bekommen, sogar laminiert, und ein Abschiedsgeschenk. Wir waren super euphorisch und haben einstimmig entschieden, dass die 1.500 Yen gut angelegt waren! Jetzt aber endlich Eulenfotos!

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Sitzgelegenheit und beleuchtete Bäume nahe des Bahnhofs
Sitzgelegenheit und beleuchtete Bäume nahe des Bahnhofs
zwei süße kleine Kerle; der rechts hatte gerade Pause, weswegen man ihn nicht hochnehmen konnte
zwei süße kleine Kerle; der rechts hatte gerade Pause, weswegen man ihn nicht hochnehmen konnte

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Yamashita san, ein unglaublich putziges und freches Kerlchen
Yamashita san, ein unglaublich putziges und freches Kerlchen
meine erste Eule
meine erste Eule

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müde Eule... ich dachte zuerst, sie wäre nicht echt und bin erschrocken, als sie sich bewegt hat :D
müde Eule… ich dachte zuerst, sie wäre nicht echt und bin erschrocken, als sie sich bewegt hat :D
Pause... schlafen...
Pause… schlafen…
Takoyaki, der Größte im ganzen Cafe
Takoyaki, der Größte im ganzen Cafe
Eulenübergabe
Eulenübergabe
etwas unsicher mit diesem großen Vogel auf dem Arm
etwas unsicher mit diesem großen Vogel auf dem Arm
schon etwas bessere Freunde...
schon ein wenig vertrauter…
hübscher Kerl!
hübscher Kerl!
HILFE!! Was tut er?!?!
HILFE!! Was tut er?!?!
wieder Freunde...?
wieder Freunde…?
Klar! Freunden gibt man Küsschen ;)
Klar! Freunden gibt man Küsschen  ;)
die beiden mochten sich (^_^)
die beiden mochten sich (^_^)
entspanntes Pärchen
entspanntes Pärchen
Miri und der zweite Uhu (ich habe seinen Namen vergessen)
Miri und der zweite Uhu (ich habe seinen Namen vergessen)
sie scheinen sich sehr gut zu verstehen, aber mir war das ne Nummer zu groß
sie scheinen sich sehr gut zu verstehen, aber mir war das ne Nummer zu groß
so bekommen die Eulen ihr Wasser zwischendurch
so bekommen die Eulen ihr Wasser zwischendurch
müde!
müde!
ihn hatte ich auch noch auf dem Arm; leider scheint das einhändige Foto machen aber nicht geklappt zu haben...
ihn hatte ich auch noch auf dem Arm; leider scheint das einhändige Foto machen aber nicht geklappt zu haben…

Das war nur eine Auswahl an Fotos (ich habe gut 130), aber ich habe versucht, alle Eulen zu zeigen und euch anhand von Bildern die lustige Geschichte von mir und der großen Eule zu erzählen. Miri hat sich tot gelacht über mich… Allerdings habe ich den Kerl auch einmal souverän wieder eingefange, als er losgeflogen ist. Das kann einen ganz schön erschrecken, vor allem, weil die Flügel viel länger sind, als man es erwartet, wenn man sie nur am Körper sieht… An dieser Stelle großen Dank an Miri, die all die Fotos von mir und meinem großen Eulenfreund gemacht hat. Sind wunderbare Schnappschüsse dabei, wie man sieht. Ich glaube, sie hatte großen Spaß beim Fotografieren :D
Wenn ihr mal die Gelegenheit dazu habt, lasst euch auf keinen Fall ein Eulencafe entgehen. Es lohnt sich…

Nachholen aus dem alten und neuen Jahr

Ihr Lieben,
ich habe mich wirklich schändlich lange nicht mehr gemeldet… Erst einmal möchte ich euch (wenn auch sehr verspätet) ein Frohes Neues Jahr wünschen! Ich hoffe, 2015 hat gut angefangen für euch.
Ich habe meine Weihnachtsferien sehr langweilig verbracht: ich war am 24. und 25. zu Hause, habe mit meiner Familie und meinem Freund geskypt und habe Weihnachtsplätzchen genascht. Am 26. war ich mit Miri in Shibuya shoppen und essen und das nächste Mal, dass ich das Haus für länger als zum Einkaufen verlassen habe, war an Silvester. Miri und ich hatten einen wundervollen Plan: Essen gehen, etwas Trinken gehen, in einen Club gehen und die Nacht durchfeiern. So weit, so gut.
Jetzt eine kurze Erklärung zu Weihnachten und Silvester in Japan: Es ist das genaue Gegenteil zu uns. An Weihnachten arbeitet man, trifft sich mit dem Partner oder Freunden und unternimmt etwas Kleines. Silvester hingegen ist Familiensache. Da trifft sich die ganze Verwandtschaft, man verbringt den Abend zusammen und geht oft auch in einen Tempel.
Das war Miri und mir auch klar. Wir hatten uns zwischenzeitlich auch schon Feuerwerk schauen aus dem Kopf geschlagen, weil das nächste am Tokyo Tower gewesen wäre und wir dann nicht mehr zum Club gekommen wären. Mit den weiteren Konsequenzen hatten wir dann aber nicht gerechnet. Wir kamen in Shibuya an und haben uns fast gefürchtet: alles dunkel und dort, wo sonst Tausende Menschen über die Straßen gehen – nichts. Wenn man einer Menschengruppe von 5 Leuten begegnet ist, dann war das viel. Natürlich hatten auch alle Restaurants zu. Statt italienisch gabs dann McDonald’s, denn Essen muss der Mensch. Besonders, wenn er vorhat, später noch etwas zu trinken. Nach unserem Festmahl sind wir dann zurück zu Hachiko und wollten von dort aus zu TGI Friday’s, um etwas zu trinken. Wir haben uns fürchterlich verlaufen und statt 10 Minuten 40 gebraucht. In der Bar haben wir Brady, einen weiteren Austauschstudenten, getroffen. Wir haben dann auch gemütlich bis etwa halb oder viertel vor elf zusammen gesessen und etwas getrunken. Brady wusste noch nicht, was er machen will und wir Mädels sind weitergefahren nach Mitsukoshimae und zum Club. Dort haben wir Mark getroffen, einen Freund, den ich über Alejandro kennengelernt habe, und der hat uns zu David (ein weiterer Austauschstudent, der mit Alejandro und Brady zusammen lebt) und ein paar japanischen Mädels geführt. Wir haben uns dann erstmal ein bisschen unterhalten, wenn auch schwierig, da die Musik gut, aber sehr laut war. Es gab Künstler, die aufgetreten sind. Naja, beschönigen wir es nicht: es waren Poledancer. Aber gute, sowohl weiblich als auch männlich. Lustige Anekdote: wir schauen ihnen zu, drei Männer tanzen gleichzeitig an und auf der Stange, als die auf einmal nicht umkippt, sondern ABKNICKT!!! Es hat sich keiner verletzt und die Tänzer haben dann ohne Stange weitergemacht, deshalb war es um so lustiger. Die angeknickte Stange war dann über die Nacht ein begehrtes Fotomotiv.
Miri und ich wollten uns eigentlich für 12 Uhr einen Sekt holen; es hat aber länger gedauert als erwartet und so waren wir zwei Minuten zu spät dran. Nichtsdestotrotz haben wir den Countdown mitgezählt und uns ein Frohes Neues gewünscht und einfach etwas später angestoßen. Danach hat es eine Stunde gedauert, bis wir Mark wiedergefunden haben – wir haben allerdings sehr begabten und zumeist gut aussehende Poledancern zuschauen dürfen. Mark hat uns dann in den VIP-Bereich gebracht, wo auch David war. Mark hatte allerdings den Fehler begangen, David mit einer Flasche Wodka alleine zu lassen und so war der etwas betrunken, als wir zu ihm gestoßen sind. Das hat zu äußerst amüsanten Gesprächen geführt. Und dazu, dass David, als er sich schräg über mich gebeugt hat, um mit Miri zu tuscheln, vom Sitz gefallen ist und auf meinem Schoß gelandet ist. Ich war recht belustigt. Miri und ich haben dann noch einige Zeit im VIP-Bereich verbracht, abwechselnd sind mal Mark, mal David, mal beide verschwunden, aber wiedergekommen sind sie immer. Gegen halb vier Uhr morgens haben wir den Club verlassen. David hat Miri noch LINE eines Kerls besorgt und hat sich dann beim Treppen runterlaufen auf unsere Schultern gelegt und jedes Mal, wenn wir etwas auf Deutsch gesagt haben, “German, German German!” gerufen. Das ist jetzt noch ein geflügeltes Wort bei uns… Davids Vorfahren sind übrigens halb deutsch, halb irisch, weswegen wir uns gezwungen gefühlt haben, ihm etwas Deutsch beizubringen. Zumal er der einzige Anwesende war, der kein Deutsch spricht/versteht, da Mark auch deutsche Vorfahren hat und als Kind viel Zeit in Stuttgart verbracht hat.
Wir haben den nächsten Zug nach Shibuya genommen und dort Tsukemen gegessen. Das ist etwas ähnliches wie Ramen, nur dass die Nudeln neben der Suppe sind, getunkt werden und die “Suppe” etwas dicker und sämiger ist. Es war ganz gut, allerdings werde ich es wohl bei einem Mal belassen.
Danach wollten David und Mark noch in einen weiteren Club bzw. eine Bar, aber Miri und ich haben dankend abgelehnt, da wir müde waren und es kalt war. Auf dem Heimweg hab ich eine Nachricht von David bekommen, dass in der Bar nur Männer sind und wir hier voll gute Aussichten hätten. Er hat das dann etwas später revidiert und festgestellt, dass die Veranstaltung für Schwule war. Ich hab mich halb tot gelacht und ihm prophezeit, dass er viele Freunde finden wird (David ist groß, schlank, blond und blauäugig – auf so etwas stehen die meisten Menschen in Japan). Miri und ich waren um viertel vor sieben zu Hause und sind auch ziemlich direkt schlafen gegangen.
Desweiteren ist nicht viel Spannendes mehr passiert, außer, dass ich am 05.01. keinen Unterricht hatte, da beide Montags-Kurse ausgefallen sind.
Diese Woche Mittwoch habe ich allerdings etwas geschafft, das mir bisher noch nicht passiert ist… Ich habe einmal eine Phase gehabt, in der ich ab und zu Kaydie auf Deutsch angesprochen habe, ohne es zu merken. Warum auch immer es ausgerechnet Kaydie war. Das hat sich aber gelegt und seitdem ist es mir nicht mehr passiert. Diesen Mittwoch sollten wir eine Gruppenarbeit machen; ich war Daniel (Brite) und Brady zugeteilt. Wir sollten uns gemeinsam ausdenken, wie man einen Satz zu Ende bringen könnte. Ich hatte eine, wie ich fand, recht gute Idee und habe die Daniel erläutert. Er antwortet irgendwas unbestimmtes wie “jaja” und ich erläutere das weiter. Er schaut mich an, grinst und sagt “German, German, German!”. Ich habe ihn völlig verdutzt angeschaut und geschlagene 15 Sekunden gebraucht, bis mir aufgefallen ist, dass ich Deutsch gesprochen habe. Aber nicht nur einmal. Nein, wenn dann macht man das richtig: man spricht Deutsch, der Andere antwortet auf Englisch, und man spricht weiter auf Deutsch (man versteht ja schließlich alles, was der Andere sagt problemlos, also ist das umgekehrt ja bestimmt genauso). Das es schon so weit mit mir gekommen ist, hat mich wirklich überrascht; allerdings hab ich mich noch nicht zwischen positiv und negativ entschieden. Alejandro hat sich kaputt gelacht, als wir ihm das freitags erzählt haben und mir diesen halb belustigten, halb resignierten Blick zugeworfen, der sagt “was du immer machst…”. Den kenne ich auch von Miri, wenn ich mal wieder aus Versehen Wörter durcheinander werfe (ihr kennt ja auch Telefonsitze, nicht wahr? An denen friert man im Winter immer fest und es ist super toll, dass die in Japan beheizt sind…)
Diese Woche ist nur eine weitere spannende Sache passiert, die ich euch aber im nächsten Eintrag mit Bildern anschaulich vorstellen werde. Erst einmal danke, dass ihr so viel Gelaber von mir ertragt! :)

Emperor’s Birthday

Noch ein Tag, dann ist Weihnachten! Ganz angekommen ist das bei mir immer noch nicht, trotz zweier Pakete aus der Heimat…
Ein Tag vor Weihnachten – das bedeutet auch, dass der Kaiser von Japan, der Tenno, Geburtstag hat. 1933 geboren ist er dieses Jahr 81 geworden. Und wie jedes Jahr an seinem Geburtstag hat er den Kaiserpalast in Tokyo besucht. Dort hat er drei öffentliche Auftritte gehabt mit einer kurzen Rede.
Da man nicht allzu oft die Gelegenheit dazu hat, einen Monarchen aus der Nähe zu sehen – abgesehen von dem Fakt, dass ich wahrscheinlich nicht allzu oft über seinen Geburtstag in Japan und in Tokyo sein werde -, wollte ich unbedingt hin. Auch die Aussicht auf den an diesem Tag geöffneten kaiserlichen Park hat mich sehr gelockt. Also hab ich mir Miri geschnappt und bin mit ihr hin.
Wir wollten versuchen, dem ersten Auftritt beizuwohnen und sind daher zu nachtschlafender Zeit aufgestanden (zumindest nach Studentenlebensrhythmus). Ich war um 5.10 Uhr auf den Beinen, habe aber auch noch mit Michael geskypt, da wir uns schon ewig nicht mehr gehört haben. Um 7 Uhr ging es dann los zum Bahnhof und etwa anderthalb Stunden später kamen wir an der Tokyo Station an. Nachdem wir einen netten Bahnhofsangestellten gefragt hatten, welchen Ausgang wir am besten nehmen sollten, kamen wir also aus dem Untergrund, Miri dreht sich um und flippt erstmal aus. Sie war zum ersten Mal an der Tokyo Station und die ist ja nun mal unfassbar schön. “Sind wir noch in Tokyo oder schon in London??” hat das Ganze sehr schön auf den Punkt gebracht.

Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab's schon in einem früheren Eintrag)
Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab’s schon in einem früheren Eintrag)
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!

Von der Station sind wir dann Richtung Palast gelaufen; auf dem Weg dahin haben wir noch einige schöne Bilder gemacht – ich habe euch ja letztes Mal schon die Ohren vollgeschwärmt, wie schön dieses Stadtviertel ist.

ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
schöne Eingangstür
schöne Eingangstür
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür...
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür…
Brücke über den Burggraben
Brücke über den Burggraben
Schwan
Schwan (hat uns ganz schön erschreckt, als er plötzlich die Schwingen ausgebreitet hat!)
wartende Menschen
wartende Menschen
Fahnen tragende Offizielle
Fahnen tragende Offizielle

Als wir uns dem Palast, besser gesagt, dem Platz, bevor man das Palastareal betreten kann, genähert haben, stand da schon eine riesige Menschenmenge und hat gewartet. Wir waren wohlgemerkt kurz vor neun Uhr da – die erste Ansprache sollte um 10.10 Uhr stattfinden. Wir waren erst etwas verwirrt, wo wir uns denn nun anstellen sollten, da wir auch die Ansprache der Ordnungsleute nicht verstanden haben, bis wir schließlich einfach der Menschenmenge gefolgt sind. Wir kamen in einer Schlange an, in der wir dann unsere Fähnchen zum Winken bekommen haben. Die haben sehr genau kontrolliert, dass auch wirklich jeder eine Fahne hat – anders hätte man wahrscheinlich nicht Richtung Sicherheitskontrolle gehen dürfen. Unsere Taschen wurden kontrolliert und uns wurde beigebracht, dass man drinnen keine Fotos machen darf. Wir haben das akzeptiert und mussten dann noch durch den Bodycheck. Die nette Dame hat mich etwas gefragt und ich war erst sehr verwirrt, weil ich sie nicht direkt verstanden habe, aber dann kam doch an, dass sie mich gefragt hat, ob ich etwas in meinen Taschen habe. Ich habe das also verneint und sie hat das bestätigen können, also durfte ich rein. Wir kamen dann in einer noch größeren und längeren Schlange an; neben uns waren noch drei gleichen Ausmaßes und von der anderen Seite des Platzes kamen ebenfalls Menschen. Unglaublich.
Nach etwa einer halben Stunde Warterei ging es dann endlich los – wir durften über die Brücke das Areal des kaiserlichen Palastes betreten. Wir wurden dann einen Weg langgelotst bis zu einem riesigen Platz vor dem eigentlich Palast. Und mit riesig meine ich verdammt riesig!
Der Palast alleine ist locker 200m lang mit komplett verglastem Balkon. Es gibt dann noch eine kleine “Loge”, die wahrscheinlich nochmal extra mit Sicherheitsglas verglast wurde. In der Loge standen zwei wunderschöne große Ikebana-Arrangements und ein Mikro. Die eigentlich Front des Palastes besteht aus verschiebbaren, hellen Holztüren.
Der Platz ist noch ein Stück länger als der eigentlich Palast und locker 40 Meter tief – da passt also einiges an Menschen drauf. Wir haben uns einen sehr guten Platz frontal vor der Loge sichern können; auch weit genug vorne, damit die Sicht nicht völlig von Menschen verdeckt wird. Hinter uns, am Ende des Platzes, standen unglaublich viele Journalisten mit unfassbar großen Kameras auf einer kleinen Erhöhung und haben genauso gewartet wie wir.
Auf dem Platz war es erstaunlich leise für so eine große Menschenmenge. Dann kam eine Ansage auf Japanisch, von der wir nur verstanden haben, dass es jetzt 10.10 Uhr ist und der Kaiser wohl gleich auftritt. Danach wieder kurz warten, noch eine Ansage und dann wurde es immer stiller. Jeder hat gespannt mit seinem Fähnchen in der Hand darauf gewaretet, dass sich die Holztüren hinter der Loge öffnen. Als das dann passiert ist, ist die Menge völlig ausgeflippt. “Tenno! Tenno!” Schreie, unverständliche Rufe und wildes Fähnchen-schwenken. Miri und ich waren kurz überfordert von dieser Situation und haben uns dazu entschieden, einfach fröhlich mitzuschwenken. Der Kaiser ist dann im schwarzen Anzug in die Loge getreten, hinter ihm seine Frau und seine beiden Töchter (zumindest gehe ich davon aus, dass es seine Töchter sind). Sie waren jedenfalls wunderschön festlich, majestätisch und elegant in beige und grün gekleidet – gleicher Schnitt und ein kleines Hütchen.
Alle haben sehr majestätisch zu uns runtergewunken. Dann wurde es totenstill auf dem Platz und Akihito hat seine Rede gehalten. Die ersten beiden Worte habe ich verstanden, danach wurde es vage. Nach der Rede, die nur etwa 3 Minuten ging, war noch kurz Stille und dann ging das Geschreie und Fähnchen-schwenken wieder los. Alle haben wieder nett gewunken, diesmal etwas länger, und haben sich dann wieder zurückgezogen.
Zieht man eine Zeitbilanz – 90 min Anreise, 30 min Fotos machen und zum Palast gehen und 80 min warten gegen 5 min kaiserliche Familie – klingt das ganz schön lächerlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass es doch recht kalt geworden ist hier (ich hatte trotz zwei Paar Socken kalte Füße). Aber man hat nicht oft die Gelegenheit, einem Monarchen so nahe zu kommen. Außerdem war es unbeschreiblich, Teil dieser absolut euphorischen Menge zu sein, die ihrem Tenno zujubelt, als gäbe es keinerlei Probleme in Japan. Faszinierend, die Ausstrahlung von Hoheiten auf die “gemeine” Menge.
Nach dem Verschwinden der kaiserlichen Familie wurde dann geordnet der Platz verlassen und man konnte entweder direkt heim oder in die East Imperial Gardens. Wir haben uns natürlich für den Garten entschieden und haben dort locker nochmal anderthalb Stunden mit Bilder machen und angucken verbracht. Deswegen auch jetzt eine Tonne an Bildern.
Ich war brav und habe keine Bilder vom Tenno gemacht; das müsst ihr euch von offiziellen Seiten besogen. Ich habe aber versucht, Bilder vom Palast zu machen. Das ist in einer gehenden Menschenmasse schwierig und außerdem ist der Palast einfach zu groß, um ihn auch nur annähernd so eindrucksvoll rüberzubringen, wie er eigentlich ist. Ich hoffe, es gibt euch trotzdem einen kleinen Eindruck davon.

Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Front des Palastes - bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Front des Palastes – bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Kunst (?) nahe des Platzes
Kunst (?) nahe des Platzes
Gebäude
Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
kleineres Gebäude
kleineres Gebäude
Blcik über einen Teil des Gartens
Blick über einen Teil des Gartens
Steinkeller
Steinkeller
künstlerisch wertvolles Bild: "Herbst"laub einen Tag vor Weihnachten
künstlerisch wertvolles Bild: “Herbst”laub einen Tag vor Weihnachten
Steinwall und Aussichtsplattform
Steinwall und Aussichtsplattform
Ausmaße des Platzes von der anderen Seite aus
Ausmaße des Gartens von der anderen Seite aus
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nciht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nicht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
Peace Japan!
Peace Japan!
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
weiteres Gebäude
weiteres Gebäude
toller Baum
toller Baum
Hauseingang
Hauseingang
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Burggraben
Burggraben

Auf dem Weg zurück zur Station sind wir an einem wunderschönen Platz vorbeigekommen. Ich hatte ihn bei meinem letzten Besuch aus der Ferne fotografiert; diesmal waren wir drauf und er ist noch viel schöner als gedacht. Davon also auch noch ein paar Fotos.

entlang der Straße
entlang der Straße
immer noch Bruggraben, soweit ich das beurteilen kann
immer noch Burggraben, soweit ich das beurteilen kann
schöne Gebäudefassade
schöne Gebäudefassade
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Muscheeeeel
Muscheeeeel
Ginko-Blatt mit Schatten - das wasser sieht man seltsamerweise nicht
Ginko-Blatt mit Schatten – das wasser sieht man seltsamerweise nicht
noch eine Wasseranlage
noch eine Wasseranlage
davon gibt es einige auf dem Platz
davon gibt es einige auf dem Platz
"Wasserfall"
“Wasserfall”
Platten zum Überqueren der Wassergräben
Platten zum Überqueren der Wassergräben

Nach der anstrengenden Tour haben wir uns ein gutes Ramen gegönnt!
Heute Abend habe ich dann endlich das zweite Päckchen – was heißt Päckchen, PAKET!! – abholen können! Ich hab mich halb zu Tode gefreut! Weihnachtsgeschenk (^_^)
Miri und ich haben dann heute Abend schon etwas genascht – absoluter Genuss. Man lernt erst zu schätzen, was man nicht hat. Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass wir langsam, aber sicher unsere Muttersprache verlernen. Dass wir englische Wörter oder Ausdrücke in unsere Sätze einbauen, ist ja schon schon ein alter Hut. Jetzt fangen wir an, Sprichwörter oder Ausdrücke zu vergessen. Es hat eine Minute gedauert, bis wir den Ausdruck “non-plus-ultra” zusammenhatten (“Ultimatum? Nee, aber so ähnlich!”). Ich habe heute auch voller Überzeugung “Tiefe Wasser sind still!” gesagt, bis mir nach kurzem Nachdenken aufgefallen ist, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und so was nach dreieinhalb Monaten! Schlimm. Macht euch auf etwas gefasst, wenn ich zurückkomme. :D

In diesem Sinne wünsche ich euch Frohe Weihnachten und schöne Feiertage mit euren Liebsten!!! Genießt das Fest mit eurer Familie!

meine Weihnachtsdeko :)
meine Weihnachtsdeko :)