Kategorie-Archiv: Ankunft/Studium

Semesterende bis Urlaubsanfang

Der Urlaub hat eigentlich schon gestern angefangen, da ich aber in letzter Zeit zu faul war, Blog zu schreiben und das nicht in meinem ersten Urlaubseintrag nachholen möchte, jetzt eine kurze Darstellung meines Lebens in den letzten zwei Wochen:

Bis einschließlich des 28.1. habe ich noch an meiner letzten Hausarbeit geschrieben, die ich dann im Student Center eingereicht habe. Am gleichen Tag musste ich mich auch schon von einem Freund verabschieden, der kurz darauf das Reisen angefangen hat und nach Spanien fliegt, bevor ich wieder in Tokyo bin. Ein Glück ist er aber Deutscher und da wir eine Deutschen-Reunion planen, sollte ich ihn Ende des Jahres wiedersehen.
Nach der Abgabe der Hausarbeit war ich mit Miri Pancakes essen und – passend zu der schlechten Laune, die ich aus welchem Grund auch immer hatte – hatte ich die Plastiköffnungslasche einer Milchtüte in meinem Milchschaum auf dem Chai-Tee. Zusätzlich hatte ich mir die Zunge am Essen verbrannt, was meine Laune nicht verbessert hat. Entsprechend hate ich eigentlich keine Lust auf Shogo’s Geburtstagsfeier, die an dem Abend stattfinden sollte. Die ganze FujiQ-Gruppe hatte sich versammelt, um das angemessen zu zelebrieren. Natsumi, Yosuke, Miri und ich haben uns um 21.15 Uhr am Hachikou getroffen und sind zu einer mexikanischen Bar gegangen. Nate und Shogo kamen später, aber bis dahin hatten wir schon jeder einen Drink intus. Mri und ich hatten uns Erdbeermargeritas bestellt, aber Miri war ihrer zu stark, deswegen durfte ich den dann mittrinken. Nebenbei hatten wir noch eine lustige Begegnung mit einem Mexikaner: Der war schon vor uns in der Bar und hat dauernd herumgegrölt.  Natsumi hat irgendwann den Fehler begagngen, sich zu dem umzudrehen, was er als Anlass genommen hat, rüberzukommen und uns anzusprechen. Er hat sie auf Spanisch angesprochen, was sie natürlich nicht verstanden hat. Ich hab dann übersetzt und mich kurz mit dem Kerl unterhalten. Er fand es sehr beeindruckend, dass ich Spanisch speche und hat mich “Bonita” genannt. Ich habe ihn trotzdem nicht an unserem Tisch sitzen lassen… ;)
Als Nate und Shogo eingetroffen sind, haben wir noch gegessen und dann wurde plötzlich die Bar abgedunkelt und auf einem Teller wurde eine kleine Torte für Shogo reingebracht, in die eine Wunderkerze gesteckt war. Ich hab mich total gefreut und geklatscht und auf einmal kam noch ein zweiter Teller, der dann MIR überreicht wurde. Ich war etwas verwirrt, schließlich hatte ich ja keinen Geburtstag – das wurde dann aufgeklärt: Sie hatten mir eine Abschiedstorte bestellt! Das fand ich so süß… Wir haben Sombreros bekommen, einen Tequilashot getrunken, uns nebenbei mit Torte gefüttert und sind dann weitergezogen in eine Karaokebar.  Die haben wir für fünf Stunden gebucht und dann gings los. Kreuz und quer durch alle bekannten Songs – Abba, Linkin Park, Adele und japanische Lieder. Nate ist irgendwann in einer Ecke eingeschlafen und hat sich nicht davon stören lassen, dass drei betrunkene Japaner und zwei Deutsche aus vollem Hals Lieder gesungen  haben. Fand ich bewunderswert. Morgens um halb 6 sind wir dann nach Hause gefallen.

Sombrero- Übergabe!
Sombrero- Übergabe!
Gruppenfoto!
gute Laune :D
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Gruppenfoto!
nothing more to say
nothing more to say

Ich hab den ganzen nächsten Tag geschlafen, während Miri morgens Chatroom hatte und Klausur geschrieben hat. Sie hat mich um halb sechs abends geweckt und war ganz aufgedreht. Ich hab dann entdeckt, dass David mir eine Nachricht geschrieben hat mit der Frage, ob ich heute Abend gerne was trinken gehen würde. Ich hab mich zwar etwas geniert, bin dann aber doch mit. Also haben Alejandro, David und ich uns um 22.00 Uhr am Hachikou getroffen und sind los ins Hub. Dort haben wir dann einen netten Menschen aus Bangladesh kennengelernt, mit dem wir später noch in einem Club sind. Ich bin also wieder erst vormittags nach Hause gekommen und habe mich dann den Freitag erstmal ausgeruht.

Sonntag haben wir uns mit Nate und Natsumi getroffen und haben in der Wohnung von Natsumis Eltern in Yokohama gekocht. Es gab wunderbar leckere selbstgemachte Burger und wir haben zwei Filme geschaut. Der Tag war super schön und entspannt, wir hatten viel Spaß und Miri und ich haben die Aussicht aus der Wohnung genossen. Diese liegt im 45. Stock und man kann über ganz Yokohama und Tokyo schauen – gratis gibt’s dann auch noch den Fuji dazu. Wir waren völlig begeistert und hätten kaum was anderes als die Aussicht gebraucht. :D

mehr Bilder befinden sich leider nicht in meinem Besitz...
mehr Bilder befinden sich leider nicht in meinem Besitz…

Dienstag fand die von der Universität ausgerichtete Farewell-Party statt. Miri und ich hatten uns ein wenig schick gemacht, da wir dachten: naja, Abschlussfeier, warum nicht. Wir waren dann auch sehr froh drum, als wir herausgefunden haben, dass die Feier in einem äußerst schicken Komplex stattfinden würde, der irgendwie Eventhalle, Hotel und Brautmodenladen in einem ist.
Es gab mehrere Reden, Unmengen an leckerem Essen und dann haben Studenten der Uni verschiedene Sachen aufgeführt wie Tänze oder Gesang. Es wurde auch ein, von einem Studenten angefertigtes, Dankes-Video gezeigt mit vielen Bildern aus dem vergangengen Semester. Anschließend wurden die Austauschstudenten auf die Bühne gerufen, das Abschiedsgeschenk (ein Handtuch mit eingesticktem Aoyama Gakuin Logo) überreicht und dann die Tutoren geehrt. Das war dann auch schon die Veranstaltung und wir haben beschlossen, etwas Trinken zu gehen, da der Abend noch jung war. Also sind Miri, Alejandro, Daniel und ich losgezogen. Ich wollte uns eigentlich in die mexikanische Bar bringen, aber leider war die voll und wir hätten eine Stunde warten müssen. Das sahen wir dann doch nicht ein und sind weitergezogen. Es war definitiv ein lustiger Abend, nur das schlussendliche Verabschieden hat mir nicht gefallen – es ist wirklich schwer, Leute, mit denen man in den letzten Monaten Unmengen an Zeit verbracht hat, zum letzten Mal zu sehen.

Zumindest bei Alejandro war es dann doch nicht das letzte Mal, da David darauf bestanden hat, donnerstags was mit mir zu trinken (schließlich ist es das letzte Mal, dass ich ihn sehen kann – EVER! :D). Wir waren also in einer Bar, haben auch Bekannte wiedergtroffen, aber Miri und ich haben uns doch für den letzten Zug verabschiedet, da wir beide am nächsten Tag Packen mussten. Es hat bestimmt fünf Minuten gedauert, bis wir schließlich loskamen, da abwechselnd Alejandro, Brady und David umarmt wurden und die Leute, die uns begleitet hatten auch, aber schlussendlich haben wirs geschafft. Im Aufzug haben wir dann noch Ausländer getroffen, die uns ein nettes “take care” auf den Weg mitgegeben haben und dann gings heim. Dort habe ich noch mit Michael geskypt – das letzte Mal vor seinem Flug – und bin schlafen gegangen.
Das Packen freitags hat mich mehr deprimiert, als ich eigentlich zugeben wollte. Ich hab Koffer gepackt, noch ein Paket nach Hause losgeschickt, Missverständnisse mit dem Dorm Manager gehabt übers Bezahlen und und und. Samstagmorgen habe ich geduscht, gefrühstückt, gepackt und Miri verabschiedet, die sich zusammen mit Eliza auf den Weg nach Sapporo gemacht hat. Leider schaffen wir es nicht, uns dort zu treffen…
Gegen halb elf habe ich meinen Zimmerschlüssel zurückgegeben und mit dem Dorm Manager den Roomcheck gemacht. Wobei Roomcheck eigentlich übertrieben ist: Er hat nur in zwei Schränke geschaut und dann gesagt, dass alles in Ordnung ist. Da ich aber spät dran war und wusste, dass ich nichts vergessen hatte, war mir das auch recht.
Um 10.55 Uhr habe ich das Dorm verlassen und mich auf die Weltreise zum Narita Airport begeben. Was auf dem Weg alles passiert ist, erfahrt ihr aber erst im nächsten Eintrag, da ab jetzt der Urlaub angefangen hat! :)

Nachholen aus dem alten und neuen Jahr

Ihr Lieben,
ich habe mich wirklich schändlich lange nicht mehr gemeldet… Erst einmal möchte ich euch (wenn auch sehr verspätet) ein Frohes Neues Jahr wünschen! Ich hoffe, 2015 hat gut angefangen für euch.
Ich habe meine Weihnachtsferien sehr langweilig verbracht: ich war am 24. und 25. zu Hause, habe mit meiner Familie und meinem Freund geskypt und habe Weihnachtsplätzchen genascht. Am 26. war ich mit Miri in Shibuya shoppen und essen und das nächste Mal, dass ich das Haus für länger als zum Einkaufen verlassen habe, war an Silvester. Miri und ich hatten einen wundervollen Plan: Essen gehen, etwas Trinken gehen, in einen Club gehen und die Nacht durchfeiern. So weit, so gut.
Jetzt eine kurze Erklärung zu Weihnachten und Silvester in Japan: Es ist das genaue Gegenteil zu uns. An Weihnachten arbeitet man, trifft sich mit dem Partner oder Freunden und unternimmt etwas Kleines. Silvester hingegen ist Familiensache. Da trifft sich die ganze Verwandtschaft, man verbringt den Abend zusammen und geht oft auch in einen Tempel.
Das war Miri und mir auch klar. Wir hatten uns zwischenzeitlich auch schon Feuerwerk schauen aus dem Kopf geschlagen, weil das nächste am Tokyo Tower gewesen wäre und wir dann nicht mehr zum Club gekommen wären. Mit den weiteren Konsequenzen hatten wir dann aber nicht gerechnet. Wir kamen in Shibuya an und haben uns fast gefürchtet: alles dunkel und dort, wo sonst Tausende Menschen über die Straßen gehen – nichts. Wenn man einer Menschengruppe von 5 Leuten begegnet ist, dann war das viel. Natürlich hatten auch alle Restaurants zu. Statt italienisch gabs dann McDonald’s, denn Essen muss der Mensch. Besonders, wenn er vorhat, später noch etwas zu trinken. Nach unserem Festmahl sind wir dann zurück zu Hachiko und wollten von dort aus zu TGI Friday’s, um etwas zu trinken. Wir haben uns fürchterlich verlaufen und statt 10 Minuten 40 gebraucht. In der Bar haben wir Brady, einen weiteren Austauschstudenten, getroffen. Wir haben dann auch gemütlich bis etwa halb oder viertel vor elf zusammen gesessen und etwas getrunken. Brady wusste noch nicht, was er machen will und wir Mädels sind weitergefahren nach Mitsukoshimae und zum Club. Dort haben wir Mark getroffen, einen Freund, den ich über Alejandro kennengelernt habe, und der hat uns zu David (ein weiterer Austauschstudent, der mit Alejandro und Brady zusammen lebt) und ein paar japanischen Mädels geführt. Wir haben uns dann erstmal ein bisschen unterhalten, wenn auch schwierig, da die Musik gut, aber sehr laut war. Es gab Künstler, die aufgetreten sind. Naja, beschönigen wir es nicht: es waren Poledancer. Aber gute, sowohl weiblich als auch männlich. Lustige Anekdote: wir schauen ihnen zu, drei Männer tanzen gleichzeitig an und auf der Stange, als die auf einmal nicht umkippt, sondern ABKNICKT!!! Es hat sich keiner verletzt und die Tänzer haben dann ohne Stange weitergemacht, deshalb war es um so lustiger. Die angeknickte Stange war dann über die Nacht ein begehrtes Fotomotiv.
Miri und ich wollten uns eigentlich für 12 Uhr einen Sekt holen; es hat aber länger gedauert als erwartet und so waren wir zwei Minuten zu spät dran. Nichtsdestotrotz haben wir den Countdown mitgezählt und uns ein Frohes Neues gewünscht und einfach etwas später angestoßen. Danach hat es eine Stunde gedauert, bis wir Mark wiedergefunden haben – wir haben allerdings sehr begabten und zumeist gut aussehende Poledancern zuschauen dürfen. Mark hat uns dann in den VIP-Bereich gebracht, wo auch David war. Mark hatte allerdings den Fehler begangen, David mit einer Flasche Wodka alleine zu lassen und so war der etwas betrunken, als wir zu ihm gestoßen sind. Das hat zu äußerst amüsanten Gesprächen geführt. Und dazu, dass David, als er sich schräg über mich gebeugt hat, um mit Miri zu tuscheln, vom Sitz gefallen ist und auf meinem Schoß gelandet ist. Ich war recht belustigt. Miri und ich haben dann noch einige Zeit im VIP-Bereich verbracht, abwechselnd sind mal Mark, mal David, mal beide verschwunden, aber wiedergekommen sind sie immer. Gegen halb vier Uhr morgens haben wir den Club verlassen. David hat Miri noch LINE eines Kerls besorgt und hat sich dann beim Treppen runterlaufen auf unsere Schultern gelegt und jedes Mal, wenn wir etwas auf Deutsch gesagt haben, “German, German German!” gerufen. Das ist jetzt noch ein geflügeltes Wort bei uns… Davids Vorfahren sind übrigens halb deutsch, halb irisch, weswegen wir uns gezwungen gefühlt haben, ihm etwas Deutsch beizubringen. Zumal er der einzige Anwesende war, der kein Deutsch spricht/versteht, da Mark auch deutsche Vorfahren hat und als Kind viel Zeit in Stuttgart verbracht hat.
Wir haben den nächsten Zug nach Shibuya genommen und dort Tsukemen gegessen. Das ist etwas ähnliches wie Ramen, nur dass die Nudeln neben der Suppe sind, getunkt werden und die “Suppe” etwas dicker und sämiger ist. Es war ganz gut, allerdings werde ich es wohl bei einem Mal belassen.
Danach wollten David und Mark noch in einen weiteren Club bzw. eine Bar, aber Miri und ich haben dankend abgelehnt, da wir müde waren und es kalt war. Auf dem Heimweg hab ich eine Nachricht von David bekommen, dass in der Bar nur Männer sind und wir hier voll gute Aussichten hätten. Er hat das dann etwas später revidiert und festgestellt, dass die Veranstaltung für Schwule war. Ich hab mich halb tot gelacht und ihm prophezeit, dass er viele Freunde finden wird (David ist groß, schlank, blond und blauäugig – auf so etwas stehen die meisten Menschen in Japan). Miri und ich waren um viertel vor sieben zu Hause und sind auch ziemlich direkt schlafen gegangen.
Desweiteren ist nicht viel Spannendes mehr passiert, außer, dass ich am 05.01. keinen Unterricht hatte, da beide Montags-Kurse ausgefallen sind.
Diese Woche Mittwoch habe ich allerdings etwas geschafft, das mir bisher noch nicht passiert ist… Ich habe einmal eine Phase gehabt, in der ich ab und zu Kaydie auf Deutsch angesprochen habe, ohne es zu merken. Warum auch immer es ausgerechnet Kaydie war. Das hat sich aber gelegt und seitdem ist es mir nicht mehr passiert. Diesen Mittwoch sollten wir eine Gruppenarbeit machen; ich war Daniel (Brite) und Brady zugeteilt. Wir sollten uns gemeinsam ausdenken, wie man einen Satz zu Ende bringen könnte. Ich hatte eine, wie ich fand, recht gute Idee und habe die Daniel erläutert. Er antwortet irgendwas unbestimmtes wie “jaja” und ich erläutere das weiter. Er schaut mich an, grinst und sagt “German, German, German!”. Ich habe ihn völlig verdutzt angeschaut und geschlagene 15 Sekunden gebraucht, bis mir aufgefallen ist, dass ich Deutsch gesprochen habe. Aber nicht nur einmal. Nein, wenn dann macht man das richtig: man spricht Deutsch, der Andere antwortet auf Englisch, und man spricht weiter auf Deutsch (man versteht ja schließlich alles, was der Andere sagt problemlos, also ist das umgekehrt ja bestimmt genauso). Das es schon so weit mit mir gekommen ist, hat mich wirklich überrascht; allerdings hab ich mich noch nicht zwischen positiv und negativ entschieden. Alejandro hat sich kaputt gelacht, als wir ihm das freitags erzählt haben und mir diesen halb belustigten, halb resignierten Blick zugeworfen, der sagt “was du immer machst…”. Den kenne ich auch von Miri, wenn ich mal wieder aus Versehen Wörter durcheinander werfe (ihr kennt ja auch Telefonsitze, nicht wahr? An denen friert man im Winter immer fest und es ist super toll, dass die in Japan beheizt sind…)
Diese Woche ist nur eine weitere spannende Sache passiert, die ich euch aber im nächsten Eintrag mit Bildern anschaulich vorstellen werde. Erst einmal danke, dass ihr so viel Gelaber von mir ertragt! :)

Advent, Advent – kein Lichtlein brennt

Mein letzter Blogeintrag ist wirklich schändlich lange her, aber es ist zugegebenermaßen auch nicht allzu viel interessantes geschehen (aus meiner Sicht).
Samstag, den 29.11., hatten wir eine Doppelstunde Global Business mit zwei Gastsprechern, die beide äußerst interessant waren. Einer von ihnen, Makoto Okubo, reist für die OECD um die Welt und besucht Konferenzen. Er hat uns seine internationalen Erfahrungen mitgeteilt und die unterschiedlichen Kommunikationsarten verschiedener Nationen auf sehr interessante und humorvolle Weise dargestellt. Der nächste Gastsprecher kam von der AP Bank und ist eigentlich Manager einer erfolgreichen japanischen Musikgruppe. Mit dem Geld, das diese Gruppe verdient, haben sie die Bank eröffnet und stellen sich tagtäglichen Problemen entgegen: sie verleihen Kredite an Leute, die nicht bei einer großen Firma angestellt sind (in Japan bekommen diese Leute normalerweise keinen Kredit), sie führen eine eigene Farm, die auch mehrere firmeneigene Restaurants beliefert, sie leisten Hilfe in Fukushima und einiges mehr. Beide Vorträge waren äußerst kurzweilig und haben einiges Wissenswerte fürs Leben mitgegeben. Abends habe ich dann mehr Leben genossen als mich weiterzubilden und bin ausgegegangen.
Den nächsten Samstag hatten wir auch wieder einen Gastsprecher, diesmal ein Deutscher namens Jesper Koll. Er ist vor 20 Jahren in Japan gestrandet und arbeitet jetzt bei JP Morgan und ist ein angesehener Ökonom. Er sagt der japanischen Wirtschaft eine durchaus rosige Zukunft voraus, während unser Dozent den Teufel an die Wand malt. Um so spannender (und für uns lustiger) war natürlich die Diskussion der beiden nach dem Vortrag: unser Dozent wurde richtig emotional und aufgeregt, während Jesper total cool geblieben ist, den Studenten Grimassen geschnitten hat und immer gute Gegenargumente hatte (überzeugt hat er mich trotzdem nicht ganz). Am meisten bewundert habe ich ihn allerdings dafür, wie er unserem Dozenten die Stirn geboten hat: es ist wirklich schwer gegen ihn eine Diskussion zu gewinnen – geschweige denn zu Wort zu kommen -, besonders, wenn man kein Englischmuttersprachler ist. Jesper hat das ganz souverän gemacht, hat ihn auch mal unterbrochen und sich nie aus dem Konzept bringen lassen. Nach dem Kurs standen wir noch draußen mit ihm und haben uns unterhalten; er ist – zumindest nach dieser kurzen Zeit zu urteilen – ein Mensch, der enormes Wissen und Erfahrung besitzt und auch gerne mal Tipps gibt, wie man im Leben voran kommt.
Ab dem Mittwoch letzter Woche habe ich intensiv an einer Hausarbeit gearbeitet, die – man glaubt es kaum – ein sehr interessantes Thema hatte: Peacekeeping Operations der UN während dem Bosnienkrieg. Ich bin jetzt um einiges schlauer, was Peacekeeping überhaupt und den Bosnienkrieg im Speziellen angeht und ich war überrascht und schockiert, wie Bürokratie und der Streit um Prinzipien zur nicht-Verhinderung eines Genozids geführt haben. Diese Hausarbeit war mittwochs fällig; nebenbei habe ich diesen Montag dann noch eine zweite, kürzere Hausarbeit für Dienstag fertig gestellt. Mittwoch und Donnerstag war ich dann schändlich faul und erst heute habe ich mit Miri nach unseren Kursen einen kleinen Ausflug nach Futako-Tamagawa gemacht. Dort haben wir ein wenig entspannt und ich habe Fotos gemacht (weiter unten).
Außerdem habe ich letzten Donnertag Lukas verabschiedet, der früher nach Hause geflogen ist. Tränen und ein langer Abschied wurden verhindert, aber ich fühle mich durchaus ein wenig verlassen – und absolut neidisch, weil er jetzt auf Weihnachtsmärkten Glühwein trinken kann!!
Apropos Weihnachtsmarkt und Glühwein… Der eigentliche Zweck dieses Eintrags ist es, Weihnachten in Japan ein wenig zu beschreiben. Zuallerst: ich fühle mich absolut nicht weihnachtlich. Ist auch schwierig bei 10° und strahlendem Sonnenschein. Ich laufe immer noch in dünnen Pullis rum und trage meine Stiefel höchstens mal zu einem Rock…
Weitere Gründe, warum ich mich nicht weihnachtlich fühle: es gibt keine Adventskränze (und ich habe keinen Adventskalender).  Ich musste grade auf dem Kalender nachschauen, um herauszufinden, welcher Advent denn am Sonntag ist. Das sollte einiges aussagen darüber, wie weihnachtlich es hier ist. Das ist andererseits aber auch verständlich, da in Japan das Christentum nicht allzu weit verbreitet ist. Es ist zwar überall schön weihnachtlich dekoriert, es laufen Weihnachtslieder in den Supermärkten, aber ansonsten hat sich nichts wesentlich verändert: es sind so viele Menschen in den Geschäften wie immer und sie sehen nicht weniger und nicht mehr gestresst aus als sonst.
Miri, die Chatleader an der Aogaku ist, hat mir erzählt, dass sie während einer Session die Teilnehmer gefragt hat, was sie denn so an Weihnachten vorhaben. Pärchen gehen aus und der Rest arbeitet. Das fanden wir ebenfalls äußerst deprimierend, wenn man bedenkt, wie wir es gewohnt sind, Weihnachten zu verbringen. Andere Länder, andere Sitten…
Miri und ich werden an Weihnachten wohl gemeinsam Essen gehen und für die Ferien haben wir uns schon einiges vorgenommen, so dass uns im Dorm nicht völlig die Decke auf den Kopf fällt. Ansonsten werde ich die freie Zeit wohl mit Hausarbeiten schreiben verbringen. Außer an Silvester. Da werde ich ausgehen und Feuerwerk schauen und das Nachtleben hier in Tokyo genießen. Darauf freue ich mich auch schon richtig.
So ganz nebenbei habe ich Ferien auch langsam dringend nötig. Zu Hause fängt das Semester schließlich ganze vier Wochen später an und ich habe weniger zu tun. Man fühlt sich wie in der langen Schulzeit zwischen Oster – und Sommerferien: man geht jeden Tag hin, weil man muss, aber man zählt die Tage, bis man endlich frei hat. Nächste Woche haben wir allerdings einen ganz interessant Fieldtrip ins Life Security Center: dort werden Erdbeben, Taifune und Tsunamis simuliert und man lernt, wie man sich in welcher Situation richtig verhält. Das hätte ich zu Beginn meines Aufenthalts sinnvoller gefunden, aber so wird es bestimmt auch lustig und lehrreich. Schließlich ist man von Deutschland derlei Naturereignisse ja nicht gewohnt.
Jetzt aber einige Bilder vom weihnachtlichen Japan und der nächste Beitrag wird nicht so lange auf sich warten lassen, versprochen…

Kapelle auf dem Campus
Kapelle auf dem Campus
campuseigener Wihnachtsbaum
campuseigener Wihnachtsbaum
Weihnachtsbaum in einem Schaufenster
Weihnachtsbaum in einem Schaufenster
Weihnachtsbaum in Futakotamagwa Station
Weihnachtsbaum in Futakotamagawa Station
kleines Wihnachtsbaum-Schlitten-Panorama
kleines Wihnachtsbaum-Schlitten-Panorama
wunderschön geschmückte kleine Bäumchen
wunderschön geschmückte kleine Bäumchen
... von der anderen Seite
… von der anderen Seite
geschmückte Fassaden in Futakotamagawa
geschmückte Fassaden in Futakotamagawa

Zwei-Wochen-Rückblick

Die letzten beiden Wochen war ich zwar eine gute Studenten, aber eine äußerst schlechte Blog-Schreiberin. Das möchte ich heute ändern – und außerdem gibt es auch einiges zu erzählen.

Die Uni läuft wie gewohnt; ich habe mein erstes Assignment geschrieben und abgegeben, das nächste kommt auf mich zu und ich habe meine zweite Präsentation auf Japanisch gehalten. Sie war weit weniger schlimm als die erste, was ich als ziemlich positiv bewerte.
Letzten Samstag hatten wir in unserer Global Business Class eine äußerst heiße Diskussion darüber, ob man Gambling in Japan erlauben sollte oder nicht (wir können natürlich nichts daran ändern) und ich war mal wieder überrascht von der unglaublich überzeugenden Art unseres Professors, zu sprechen. Abgesehen davon, dass er wirklich Ahnung von dem hat, worüber er redet, würde man sich auch von ihm überzeugen lassen, ohne dass er valide Argumente hätte. Einfach, weil er so eine charismatische Vortragsweise hat.

Vorvorletzten Montag, das war schon der 27.10., waren wir mit unserem gesamten Japanischkurs auf der Ramenshow in Tokyo, präziser: im Olypmischen Park in Komazawa. Ramenshow bedeutet, dass dort über einen Zeitraum von zwei Wochen verschiedene Ramen angeboten werden. Verschiedene Brühen, verschiedene Nudeln, verschiedene Zutaten. Wir sollten uns im Voraus anschauen, was es geben würde und unser Ramen dann holen, essen und bewerten. Wir alle haben als “Eintritt” 850 Yen bezahlt, damit hat man dann aber auch sein Ramen bekommen. Und ich muss sagen: das Geld hat sich gelohnt! Es war das beste Ramen, das ich je gegessen habe.

Vorletzten Montag, dem 03.11., war hier nationaler Feiertag und ich habe die Gelgenheit genutzt, um das Deutschlandfest in Roppongi zu besuchen. Eigentlich wollte ich mit einem Freund hin; der war allerdings katastrophal zu spät und ich bin alleine drüber geschlendert. Es war ganz interessant, was an deutscher Kultur ausgestellt wurde. Es waren einige große Firmen vertreten, aber auch einige, die man jetzt wirklich nicht erwartet hätte. Ich habe ein deutsches Brot gekauft – es war genauso gut, wie es aussah -, habe mit einem netten Thüringer gesprochen, der in Lederhosen Brezeln verkaufen musste und bin von einem Japaner angesprochen worden, der es ganz toll fand, dass ich Deutsche bin und mir direkt Florena Handcreme für 650 Yen verkaufen wollte. Das habe ich dann doch abgelehnt…
Es gab natürlich auch Essen und Getränke. Hauptsächlich gab es (völlig überteuerte) Würstchen und Bier. Wer wollte, konnte allerdings auch Rotkäppchensekt trinken.
Nach dem Fest – als besagter Freund endlich angekommen war – waren wir dann noch Ramen essen. Ramen geht immer.

Diesen Montag (anscheinend passieren wirklich alle interessanten Dinge an Montagen) haben wir in unserer Japanese Culture&Society Class einen Taiko-Lehrer da gehabt (Taiko sind japanische Trommeln). Wow, einfach nur wow. Abgesehen davon, dass dieser Mann absolut sympathisch war, haben wir ihn auch den Großteil der Zeit verstanden, obwohl er Japanisch gesprochen hat. Ein echtes Erfolgserlebnis! Er hat uns dann erzählt, was er in seinem Leben alles so gemacht hat und dass er sich seit einigen Jahren nur noch Taiko widmet. Er hatte fünf Trommeln dabei, vier große und eine kleine, und die teuerste war dann doch ganze 20.000$ wert. Und die sollten wir spielen. Ich war absolut entsetzt, weil ich mich und meine Ungeschicklichkeit kenne und Angst hatte, dass ich seine Trommel zerstöre, aber dieser Mann war absolut gelassen. Davor habe ich riesigen Respekt; wären das meine Trommeln, würde ich da keine “Gaijins” – sowieso niemanden! – dran lassen.
Es hat aber unfassbaren Spaß gemacht. Er hat uns verschiedene Arten gezeigt, die Taiko zu spielen und dann durften wir selbst ran. Er hat uns dann die Basic- Spielweise beigebracht und verschiedene Tricks mit dem Drumsticks. Die sehen übrigens nicht aus wie normale Drumsticks, sondern sind kürzer und etwa dreimal so dick. Später ging es dann auf Rhythmus und das war manchmal schon hart, da mitzuhalten. Aber er hat das alles mit viiiel Humor und Witz genommen. Er ist auch ziemlich berühmt und hat momentan so an die hundert Schüler; ich glaube, da lernt man einiges an Gelassenheit…

Im Übrigen war ich inzwischen dann auch in Japan shoppen. Das zweite Mal war sehr viel zufrieden stellender als das erste. Ich habe mich bisher nur ins H&M und ins Forever21 getraut; alles Japanische ist mir suspekt. Vor allem, da ich in oben genannten Läden schon eine Nummer größer kaufen muss; zumindest was Röcke angeht. Schuhe habe ich mich noch nicht getraut, da ich mit Größe 39 hier zu den Leuten mit Riesenlatschen gehöre…

Lukas und ich wollten am Dienstag eigentlich einen Taiyaki-Laden in Shibuya suchen und auf unserem Weg dorthin sind wir über ein paar Straßenstände gefallen, die sonst nicht dort stehen. Und was es dort für leckeres Zeug gab! Takoyaki (mit Oktopus gefüllte Teigbällchen), Kartoffelpfannkuchen mit Gemüsefüllung, Bacon und Würstchen am Spieß, Schokobananen… Man hätte alles kaufen können! Wir haben dann einen Kartoffelpfannkuchen und eine Schokobanane geteilt; der Taiyaki-Laden ist ausgefallen…

Da es jetzt langsam, aber sicher auf Weihnachten zugeht, fragen Miri und ich uns, ob es in Japan auch Adventskalender gibt. Wenn wir genaueres darüber herausgefunden haben, werde ich euch informieren. Miri hat übrigens einen Laden gefunden, in dem es gutes Brot gibt (es schmeckt deutsch!). Das bedeutet, dass wir in Zukunft wahrscheinlich einmal die Woche eine Brotorgie feiern werden… :D

Bevor ich jetzt zu den Bildern übergehe, möchte ich noch eine Sache erwähnen: Miri, die auch Deutsche ist und mit mir im Dorm lebt, schreibt auch einen Blog, auch auf Deutsch. Dort findet ihr noch einiges mehr an Bildern und könnt nachlesen, was sie so treibt und wie ihre Sicht auf Dinge ist, die wir gemeinsam erleben:

http://kokoro-no-kuni.blogspot.jp/

das ist übrigens Miri!
das ist übrigens Miri!

Außerdem habe ich meine Meinung (und einen Beitrag) geändert. Im DisneyLand Beitrag findet ihr jetzt doch ein paar Bilder :)

Eingang zum Platz
Eingang zum Platz
Schlaaaand! :D
Schlaaaand! :D
vertretene Firmen
vertretene Firmen
große Märklin-Eisenbahn
große Märklin-Eisenbahn
Die Sendung mit der Maus!!
Die Sendung mit der Maus!!
Taiko
Taiko
Hannah und Stephanie voll dabei
Hannah und Stephanie voll dabei

 

Wieder ein Wochenende vorbei…

Es ist Sonntagabend und mein Wochenende ist mal wieder vorbei – viel zu schnell natürlich. Zugegebenermaßen habe ich auch heute einiges vom Tag verschlafen, weil ich erst um 7 Uhr zu Hause war…

Diese Woche war relativ unspektakulär, Uni halt. Einer unserer Professoren hat uns allerdings verkündet, dass er in zwei Wochen gerne ein 5-seitiges Assignment von uns hätte; es kommt also langsam wirklich Arbeit auf mich zu.
Donnerstag war ich mit “meinen” beiden deutschen Jungs in Harajuku essen. Leider muss ich gestehen, dass Okonomiyaki nicht mein Fall ist. Man bekommt eine Schüssel, in der Gemüse, je nach dem auch Fleisch, und Ei ist. Das Ganze vermischt man dann und brät es auf einer heißen Platte, die in den Tisch eingelassen ist. Es schmeckt nicht sonderlich stark, es sei denn, man benutzt die spezielle Okonomiyaki-Sauce (die ich allerdings nicht mag) und viel Mayo (mag ich auch nicht).
Freitag habe ich auf unerwartete Art und Weise jemand Neues kennengelernt. Ich habe mit Miriam, eine der Deutschen, die mit mir im Dorm wohnt, auf dem Campus gesessen und geredet. Sie musste dann los und ich war grade am überlegen, was ich mit meiner einen Stunde, die ich noch bis zum unterricht hatte, anfangen sollte,  als mich jemand angesprochen hat. Sie hatte gesehen, dass ich mich mit Miriam unterhalten hatte und dachte, sie setzt sich zu mir, als die gegeangen ist. Fand ich sehr spontan und sehr nett und wir haben uns auch wirklich gut unterhalten. Sie hat mir erzählt, dass sie Russisch lernt und das, was sie mir da erzählt hat, klingt schon ziemlich professionell, dafür, dass sie erst ein halbes Jahr lernt! Sie würde gerne mal nach Deutschland, vielleicht auch für ihr Auslandssemester, und ich hab ihr dann einiges über unser schönes Land erzählt.

Die Halloween-Party Freitagabend habe ich ausfallen lassen (ich wollte schon geskippt schreiben, Englisch und Deutsch vermischen sich bei mir auch imemr mehr…), weil ich für den Unterricht am Samstag eine Präsentation vorbereiten musste. Die Präsentation war auch ganz gut, obwohl ich länger gebraucht habe, als ich wollte.
Nach dem Kurs war ich mit Lukas etwas essen und bin dann shoppen gegangen. Das erste Mal, seit ich hier bin. Und teilweise war es durchaus frustrierend. Ich kann hier nichts kaufen, das kleiner als Größe L ist und viele Kleider sind mir dank meiner Größe einfach zu kurz. Gott sei Dank habe ich dann doch etwas gefunden, allerdings war ich viiiel zu spät dran.
Nasti (die andere Deutsche im Dorm) und ich wollten um 19.00 Uhr los, weil wir um 19.50 Uhr Tala am Hachiko treffen wollten. Da ich erst um 18.40 Uhr nach Hause kam und noch duschen, umziehen und Make up machen musste, konnte das natürlich nicht passen. Wir haben allerdings 20.00 Uhr pünktlich geschafft und uns mit unserer Gruppe getroffen. Wir waren zu fünft – Nasti, ihre Tutorin Moeko, Tala, ihr Tutor Yoshiki und ich. Tala musste noch Schminke kaufen und derweil wurde Nasti auf Japanisch fürs Fernsehen interviewt, das kann einem in Shibuya durchaus mal passieren. Wir haben uns auf dem Weg zur Bar gemacht und gerade als wir dort ankamne, hat Alejandro mir geschrieben, dass er und noch drei Freunde grade in Shibuya angekommen sind. Sie würden gerne noch mitkommen, was trinken, bevor es losgeht in den Club und ich sollte sie doch bitte abholen. Yoshiki hat mich Gott sei Dank begleitet, weil ich nicht sicher war, ob ich den Weg zurück gefunden hätte. Als wir dann endlich um 21.00 Uhr in der Bar ankamen, wollten wir zwei Stunden Nomihodai buchen, als Alejandro plötzlich meinte, dass er nicht so viel Zeit hat, weil er ziemlich direkt nach Einlassbeginn in den Club wollte – und das war um 21.30 Uhr. Ich war ziemlich wütend; er und seine Kollegen sind dann gegangen, während wir zu fünft noch zwei lustige Stunden in der Bar verbracht haben.

Die beiden Tutoren sind leider nicht mit in dem Club und wir kamen dann zu dritt gegen 0.00 Uhr in Nihonbashi an. Den Bass der Musik hat man schon zwei Stockwerke unter dem eigentlichen Stockwerk gehört, aber wen stört das schon.
Wir kamen also rein, ich hab noch mit Alejandro gemeckert und dann haben wir unseren ersten Drink geholt.  Die Musik war ziemlich gut und es war auch recht voll. Man hat die verrücktesten Kostüme gesehen; am besten gefallen hat mir aber ein echt lebenstreuer Ironman. Geschockt hat mich ein Kerl, der nur mit einer Art Handtuch bedeckt war, aber solange er was drunter hat, für den Fall, dass er es verliert, ist das seine Sache.
Was mich wirklich umgehauen, war die Bondage-Show, die sie gezeigt haben. Alejandro, David und ich hatten grade Glück, dass wir Richtung Ausgang standen, sonst hätten wir es verpasst. Leider habe ich wegen der Menschenmasse nicht alles mitbekommen, aber es war durchaus faszinierend. Die müssen schon sehr genau wissen, was sie da machen…

Gegen halb drei haben wir den Club verlassen und haben nach ewigerei Lauferei ein Restaurant gefunden, in dem wir gegessen haben. Danach sind wir in eine Karaokebar gegangen; das ist echt immer lustig. Besonders in einer großen Gruppe kommen dann die unterschiedlichsten Lieder zusammen und es macht super viel Spaß mizusingen – auch wenn man mal grade kein Mikro in der Hand hat. Gegen 5.15 Uhr haben wir die Karaokebar verlassen und sind Richtung Bahnhof. Dort gab es dann einige Verwirrung, wer wo lang muss und welche Linie wir nehmen, damit wir nicht so ewig unterwegs sind. Wir haben uns dann auf Ginza geeinigt und sind runter zum Bahnsteig. Princess musste dann noch ihre Karte aufladen – natürlich kam gerade da der Zug. Die Gruppe hat sich dann gespalten, weil Tala, Nasti und Kevin den Zug genommen haben und Alejandro und ich auf Princess gewartet haben. Ein Glück kam der nächste Zug schon 5min später.  Princess ist in Omote-sando ausgstiegen und Alejandro und ich haben dann eine Station später in Shibuya den Rest wiedergetroffen, der auf uns gewartet hat. Jeder hat dann seine Linie Richtung nach Hause genommen und wir drei Mädels kamen dann gegen 7 Uhr im Dorm an. Ich habe noch kurz aufgeräumt und bin dann schlafen…

Heute Abend habe ich also endlich mal wieder Beiträge geschrieben und werde gleich ein braver Student sein und den Unterricht morgen vorbereiten.

Alltägliches

Irgendwann in den letzten zwei oder zweieinhalb Wochen hat sich meine Zeitwahrnehmung völlig umgekehrt. In den ersten vier Wochen hatte ich das Gefühl, dass die Zeit unglaublich langsam vergeht – ich fühlte mich, als wäre ich seit Monaten hier und es waren nur einige Wochen. Und gestern habe ich auf den Kalender geschaut – und es waren schon sechs Wochen! Momentan empfinde ich die Zeit sehr viel kürzer, als sie eigentlich ist. Es fliegt alles an mir vorbei und ich habe das Gefühl, nicht genügend Zeit hier zu haben. Was hoffentlich nicht stimmt.
Ich finde immer mehr Freunde – sowohl Austauschstudenten als auch Japaner – und auch wenn Japanisch sprechen immer noch frustrierend ist, fühle ich mich momentan äußerst wohl hier. Ich verbessere sowohl mein Japanisch als auch mein Englisch und meine Kurse sind größtenteils auch recht interessant. Manchmal hab ich das Gefühl, zu wenig zu unternehmen; trotzdem nimmt man jeden Tag viel Neues auf.
Diesen Sonntag werde ich mit einigen Freunden ins Disneyland fahren; nächste Woche Freitag ist eine Halloween-Party, die von einer Studentenvereinigung ausgerichtet wird und ich suche noch ein Kostüm dafür. Ich sollte davon wohl Fotos machen, bevor ich auf die Party gehe… Für den Tag danach hab ich von einem Freund eine Freikarte für einen Club bekommen – ich sehe mich jetzt schon den letzten Zug verpassen. Sonntag werde ich dann wohl von den Tagen davor ausruhen. Aber das berichte ich, wenn das Wochenende vorbei ist.

Letzten Samstag war ich hier das erste Mal richtig aus; erst auf einer internationalen Party in einem Café in Ikebukuro, dann in einigen Bars in Shinjuku. Ich habe morgens um halb fünf Sushi gegessen, bin danach Karaoke singen gegangen und habe dann zwei angetrunkene Jungs zum Bahnhof gelotst. Es war eine absolut verrückte und lustige Nacht – und das quasi ohne Alkohol (zumindest für mich; die Jungs waren da sehr viel besser dabei). Ich bin morgens um 8.40 Uhr im Dormitory angekommen und war bester Laune. Absolut erfolgreicher Samstagabend.

Heute war ich auswärts essen – und zwar Kebab! Letzten Samstag habe ich im Café einen Japaner kennengelernt, der mir dann erzählt hat, dass er einen Kebabladen in Harajuku besitzt. Ich war absolut begeistert, denn europäisches Essen fehlt mir doch immer noch sehr. Also habe ich mich mit Alejandro und Nasti verabredet und wir wollten heute Essen gehen. Ich habe mich schon seit Dienstag drauf gefreut! Alejandro hat leider kurzfristig absagen müssen, aber dafür sind Tala und ihr Tutor Yoshiki mitgegangen. Wir sind also von Shibuya nach Harajuku gelaufen und haben den Laden auch tatsächlich gefunden. Er ist in einer Art Mall, in der auch gleichzeitig ein Konzert stattgefunden hat – dort scheinen jede Woche lokale Bands zu spielen. Der Besitzer hat uns eigenhändig unseren Kebab-Wrap zubereitet und uns extra den mit pürierten Kartoffeln empfohlen. Ich war erst etwas skeptisch, aber es hat göttlich geschmeckt! Unglaublich, wie glücklich Essen machen kann…
Wir haben aber doch festgestellt, dass der Döner hier sehr viel kleiner ist als der in Deutschland. Deswegen der Wrap.
Nach dem Essen sind wir noch ein bisschen durch Harajuku gelaufen, waren noch in einem Starbucks und haben in einem Dachgarten auf einer Mall gesessen. Da hat man doch glatt die Großstadt um sich rum vergessen.
Danach gings dann zurück nach Shibuya und heim – und hier habe ich also endlich wieder was zum Lesen für euch verfasst. Jetzt also die Bilder.

Dachgarten (leider etwas dunkel)
Dachgarten (leider etwas dunkel)
happy^^
happy^^

Kebab all

ich musste es hochladen - es gehört einem Freund und versüßt mir jeden Tag :D
ich musste es hochladen – es gehört einem Freund und versüßt mir jeden Tag :D

Ein Monat in Japan

Ich bin ja ehrlich gesagt ein bisschen zu spät dran, denn gestern war der Tag, an dem ich genau einen Monat hier war. Aber man kann nicht immer alles auf den Tag schaffen, schließlich hab ich hier auch noch anderes zu tun als mich um diesen wundervollen Blog zu kümmern.
Ja, was gibt es also zu berichten. Aus meiner Sicht nicht allzu viel Spannendes. Das Uni-Leben hat mich vollends eingefangen und ich mag meinen Alltag hier sehr gerne. Demnächst werde ich auch mal Fotos vom Campus posten…
Ich lerne immer noch jeden Tag neue Leute kennen, inzwischen auch mehr Japaner (alle Austauschstudenten, die man kennen will, kennt man inzwischen). Trotzdem will ich noch etwas mehr an Gruppenveranstaltungen teilnehmen und Leute kennenlernen; schließlich bin ich hier um Japanisch zu lernen und das geht am besten, wenn man mit Japanern unterwegs ist.
Es gibt hier einen Studentenvereinigung namens Lingwave, die des öfteren Partys oder Sprachaustauschabende veranstaltet; da wollte ich etwas mehr teilnehmen. Außerdem bietet das International Exchange Center (IEC) Café-Abende an und eine Halloween-Party. An Gelegenheiten wird es mir also nicht mangeln.
Ende diesen Monats steht auch unsere erste Exkursion an: es wird zu den Kegon-Wasserfällen und an einen See gehen (Ende Oktober färben sich hier die Blätter, es wird also wahrscheinlich unglaublich schön sein). Mittags besuchen wir dann noch einen Tempel und pflücken Äpfel. Ich habe ja die Hoffnung, dass ich welche mitnehmen darf, weil Obst hier unfassbar teuer ist… Von diesem Tag wird es hoffentlich viele tolle Bilder geben, die ich mit euch teilen kann! :)

Nun zu meinem Uni-Leben:
Seit dieser Woche steht mein Stundenplan fest, nachdem er letzte Woche beinahe nochmal sehr ungünstig ungeschmissen worden wäre. Um das näher zu erläutern, muss ich etwas ausholen…
Morgen geht die dritte volle Vorlesungswoche zu Ende. Wir haben ja freitags angefangen (warum auch immer) und die erste volle Woche war die sogenannte Orientierungswoche, in der man sich alle Kurse angucken konnte, die man gewählt hat. Je nach Lust und Laune konnte man sie dann behalten oder nicht, da die Registrierung für die Kurse erst eine Woche später vom 29.9. bis zum 01.10. war. Dummerweise war in dieser ersten Woche der Dienstag ein Feiertag, so dass man sich eben nicht alle Kurse anschauen konnte. Das hat mich nicht sonderlich gestört, da ich mir recht sicher war, was ich behalten wollte und was nicht. Ich hab mich also Dienstagmorgen mit meiner Tutorin getroffen und die Kurse online registriert.
Mein erster Kurs dienstags ist ein Pflichtkurs und er hat mich an diesem Tag zwar furchtbar aufgeregt, aber dagegen machen kann ich halt nichts. Diese Woche war er auch um einiges interessanter. Der Kurs nach der Mittagspause war ein Business-Kurs über Market Design und ich war echt gespannt. Die Professorin kam rein und hat dann nach einer kurzen Vorstellung angefangen, die Inhaltspunkte des Kurses an die Tafel zu schreiben. Klang auch ganz interessant. Sie hat sich ein bisschen an dem Thema “kidney exchange” aufgehängt und ein paar Minuten was darüber gemurmelt und plötzlich hat sie gar nichts mehr gesagt und nur noch verstört von der Wand zur Tafel zu uns zur Wand usw. geschaut. Wir waren erst ein bisschen verwirrt und nach vier oder fünf Minuten hat einer von uns gefragt, ob wir irgendwie eine Arbeitsanweisung verpasst hätten. Darauf hat sie nicht geantwortet, obwohl er auf Englisch und Japanisch gefragt hat. Ein japanischer Student ist dann nach vorne und hat mit ihr geredet und ein weiterer hat Leute vom Studierendensekretariat informiert. Die haben versucht mit ihr zu reden, aber sie war offensichtlich ziemlich verwirrt, ist nicht auf die Fragen eingegangen und hat auch nur Englisch geredet. An dem Punkt waren wir schon alle ziemlich besorgt, was sie wohl haben könnte. Schließlich kam der Dekan und hat sich mit ihr unterhalten und dann eine Ansage an uns auf Japanisch gemacht. Die Professorin hat dann übersetzt und gesagt: “Er sagt, dass der Kurs mit einem anderen Professor weiterlaufen wird.” Der Dekan hat noch etwas gesagt und sie hat weiter übersetzt: “Er hat gesagt, dass er mich feuern und umbringen wird!” Dabei hat sich sich mit der Hand über den Hals gefahren, als würde sie sich die Kehle durchscneiden. Spätestens da war uns dann allen klar, dass das nicht stimmen konnte; der Dekan hat uns auch dreimal versichert, dass das, was sie sagt, nicht stimmt und wir haben uns alle dafür entschieden, fluchtartig den Raum zu verlassen, weil das Ganze doch ziemlich beängstigend war. Während wir noch draußen standen, ist die Professorin dann aus dem Raum gerannt und hat offenbar auch den Campus verlassen. Wir hatten durchaus Angst, dass sie sich oder anderen etwas antut…
Nach dieser Aktion bekamen wir dann eine Email, dass noch nicht sicher ist, ob und wie der Kurs weitergeführt wird und dass “der Gesundheitszustand der Professorin noch untersucht wird”. Wir sollten uns sicherheitshalber mal noch für einen anderen Kurs registrieren. Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich gestört, weil ich meinen Stundenplan extra so gelegt habe, dass ich den Donnerstag frei habe, weil ich dafür samstags an die Uni gehe (richtig gelesen! Samstags! Gehe ich später noch drauf ein.). Ich konnte aber keinen passenden Kurs auf die restlichen Wochentage legen und hätte dann einen auf Donnerstag legen müssen. Das wäre nicht nur blöd gewesen, weil ich dann 6 Tage die Woche zur Uni gemusst hätte, sondern auch, weil ich an drei Tagen jeweils nur einen Kurs gehabt hätte. Und dreimal lohnt sich der weite Weg dann wirklich nicht… Außerdem hatte ich mich auch noch für den falschen Kurs registriert.
Um es kurz machen: diese Woche kam die Professorin wieder und wir hatten ganz normalen Unterricht. Gott sei Dank.

Zum Samstagskurs: Ich wollte mir den probehalber mal ansehen, weil die Bewertungen des Kurses sehr gut waren. Ich bin also hin und der Raum war auch recht voll. Der Professor kam mir schon recht sympathisch vor und als er dann angefangen hat zu reden, hat man im ganzen Raum keinen Mucks mehr gehört. Er ist nicht nur ein brillanter Redner, sondern hat auch absolut Ahnung und verschont einen nicht vor unangenehmen Wahrheiten; besonders was Japan angeht. Und über dieses Land gibt es einige unangenehme Dinge zu erfahren: eine der höchsten Selbstmordraten der Welt, eine unglaublich schnell alternde Bevölkerung, lange Arbeitszeiten, Mobbing im Kindergarten (!), in der Schule und am Arbeitsplatz und eine extrem hohe Verschuldung sind nur einige Probleme. Wir werden in diesem Kurs sicher einige sehr interessante Dinge ansprechen und ich habe jetzt schon die rosa-rote Japanbrille verloren.
Ich möchte an dieser Stelle auf den Film zur Selbstmordprävention hinweisen, den unser Professor gedreht hat. Nicht nur, weil er sehr informativ und berührend ist, sondern auch, weil Selbstmord natürlich nicht nur in Japan geschieht. Schaut euch diesen Film an, wenn ihr die Zeit dafür findet; es lohnt sich auf jeden Fall. Und auch wenn ihr nicht die Zeit dafür findet – manchmal kann man Menschen unglaublich helfen, indem man ihnen einfach nur zuhört und ihnen Zeit schenkt.
Hier der Film:

Mit diesem Thema möchte ich dann auch meinen heutigen Beitrag beenden.

Dritte Woche, etwas blabla

Ich muss es mir immer wieder vor Augen führen: ich bin erst 16 Tage hier. Es kommt mir eher vor wie fünf Wochen. Und ich muss sagen: ich freue mich auf zu Hause. Das heißt nicht, dass ich mir hier nicht einlebe, im Gegenteil, mit jedem Tag Uni wird es besser, aber mir fehlen doch einige Dinge.
Ich hab gelernt, dass man nicht nur “home-sick” sondern auch “food-sick” werden kann. Und das bin ich momentan. Mir fehlt deutsches Essen. Japanisches Essen ist super lecker, keine Frage. Aber ich möchte deutsches Brot zum Frühstück. Ab und zu mal ne tolle Pasta (momentan träume ich von Lasagne). Kartoffeln! Und Dessert. Wo wir aber grade bei Essen sind: Ich habe gestern Mittag mit Lukas das beste Ramen meines (und ziemlich sicher auch seines) Lebens gegessen. In einem kleinen Restaurant im Basement eines Gebäudes in Shibuya. Dazu gabs den obligatorischen Reis, Gyoza (saftige, gefüllte Teigtaschen) und wie immer kostenlosen Tee zum Essen. Mal keinen Genmaicha, dafür leckeren Schwarztee. Wir sind die Treppe zur Straße kaum mehr hochgekommen, so vollgefressen waren wir. Ich hatte auch bis heute Vormittag keinen Hunger mehr.

Die Uni ist bei uns ja letzten Freitag losgegangen. Uni ist hier anders als in Deutschland: man sucht sich am Anfang des Semesters die Kurse aus, die man gerne besuchen möchte. Dann schaut man sich die einmal oder zweimal an und ca. 10 Tage nach Semesterbeginn ist dann Einschreibungsphase, in der man festlegt, was man wirklich besucht. Ich hab meinen Stundenplan heute festgeschrieben, auch wenn ich wegen Feiertag und Kursausfall zwei Kurse noch nicht gesehen hab. Ich hoffe einfach, dass sie gut sind.
Langsam kommt auch bei mir an, dass ich dieses Semester wirklich arbeiten muss und nicht zum Spaß da bin. Bis vor zwei Tagen hatte ich das noch nicht realisiert. Es ist aber auch wieder sehr angenehm, weil man jetzt weiss, was man zu tun hat und nicht jeden Tag aufs Neue selbst planen muss und damit nicht so recht fertig wird. Ich freue mich also richtig aufs Semester, was mich positiv stimmt.

Wie einige von euch bereits wissen, habe ich auch letzte Woche Donnerstag mein erstes Erdbeben erlebt. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass in Tokyo schon 25 Beben waren seit ich angekommen bin. Davon hat man aber nichts mitbekommen. Das am Donnerstag war dann aber ein “richtiges”.
Wir haben grade in der letzte Session der Orientation Week gesessen, im achten Stock eines Unigebäudes. Auf einmal hat der Boden  sich bewegt, die Tische sind ein wenig über den Boden gerollt und irgendwie war das seltsam. Ich hab zum Fenster gesehen und da hat sich das Rollo von selbst nach vorne und zurück bewegt. Da hab ich dann mal gecheckt, dass das wirklich ein Erdbeben ist. Sämtliche Austauschstudenten aus Außer-Japan waren ziemlich verwirrt und wussten nicht, ob sie jetzt panisch werden sollten oder nicht. Unter dem Tisch verstecken wäre die nächste Alternative gewesen, schließlich hatten wir gerade gelernt, dass man das im Falle eines Erdbebens tun sollte. Da sich aber keine der Japanerinnen gerührt hat, haben wir alle unser Pokerface aufgesetzt und so getan, als wäre das etwas ganz alltägliches (obwohl diese Stärke auch in Japan nicht ganz alltäglich zu sein scheint). Fakt ist, die Erde unter mir hat sich eine gute Minute lang bewegt und das war ein recht unangenehmes Gefühl. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes keinen sicheren Boden mehr unter den Füßen. War eine etwas erschreckende, aber auch interessante Erfahrung.

Sonstiger Zustand in Japan ist warm. Unfassbar warm. Der Himmel ist bedeckt und in Deutschland sind es dann normalerweise etwa 15-17 Grad; also nimmt man Jacke und Schal mit. Wenn es hier so aussieht, sind es immer noch 23-27 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Woche wars noch recht angenehm, manchmal sonnig, kein Regen. Bis auf heute. Es hatte die ganze Nacht geregnet und der Himmel war dunkelgrau. Meine Reaktion: Juhu, endlich kühler! Vielleicht kann ich heute mal ein 1/2-Arm-Shirt anziehen. Da ich aber dazu gelernt habe, habe ich das Wetter auf dem Balkon vorgetestet. Und bin gegen eine Wand gelaufen. Gefühlte 31 Grad bei 150% Luftfeuchtigkeit. Es war Wahnsinn. Ich bin nach fünf Minuten zu Fuß gehen am Bahnhof angekommen und war nass geschwitzt. Ich habe mich zum etwa fünfzigsten Mal verflucht dafür, dass ich kein Sommerkleid mitgenommen hab. Als etwas Wind aufkam, war ich schon erleichtert – aber nein: der Wind hat sich angefühlt wie ein Heißluftföhn! Zum Glück war wenigstens der Zug klimatisiert. Genauso wie die Räume an der Uni. Aber sobald man rauskam, wars vorbei. Zurück im Dorm hab ich alles von mir geschmissen und die Klimaanlage angemacht…

Wochenende!

Gestern (Samstag) war der erste Tag, an dem wir komplett frei hatten. Keine Treffen, keine Touren, gar nichts. Sehr entspannend. Natürlich habe ich dann erstmal ausgeschlafen und um 14.00 Uhr bin ich mit Tala, Oyunchimeg und Yoshika essen gegangen in einem kleinen Restaurant am Bahnhof. Das Essen war sehr lecker, aber so scharf, dass es alles geschlagen hat, was ich an scharfem Essen kenne. Tala und ich sind danach nach Shibuya gefahren und durch die Gegend gelaufen. Faszinierend, wie schnell man in Tokyo von den großen Straßen und den Menschenmassen wegkommt und dann annähernd allein in einer Gasse steht. Wir haben alles mögliche erkundet, kleine Bars und Cafés gefunden und natürlich auch die Ecke, in der sich die ganzen Lovehotels befinden und Sexsachen verkauft werden. Als wir aus dieser Ecke herauskamen, hatten wir uns verlaufen und mussten uns den Weg zur Shibuya Station erfragen. Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir einige Schreine gesehen, es war offenbar matsuri, eine Art Schreinfest. Darauf lege ich mich jetzt aber nicht fest.
Wieder bei uns angekommen, haben wir noch ein wenig unser Viertel erkundet (eigentlich haben wir den 100Yen-Store gesucht) und sind dann mit einigen Einkäufen wieder nach Hause. Später haben wir noch zu dritt zusamm gesessen und geredet. Um 2 Uhr ist Oyunchimeg ins Bett und Tala und ich haben noch bis 5 Uhr zusammen gesessen und über die Situation in der Ukraine geredet – und über unwichtiges Zeug wie Freunde ;)
Dementsprechend lang hab ich heute geschlafen. Mein verspätetes Frühstück hat um halb vier stattgefunden. Dann hab ich ein bisschen auf- und umgeräumt und war mit Tala und Oyunchimeg im 100Yen-Store und in einem Departmentstore um ein paar nützliche Dinge zu kaufen. Wir haben gekocht, gegessen, ich hab mein Zimmer endlich so wie ich es haben wollte und vielleicht gehen wir später runter ins japanische Bad.

Bilder von gestern kommen leider erst später, weil eine SD-Karte nicht richtig funktioniert und ich noch ein USB-Kabel kaufen muss, um sie auf den PC zu bringen. Was ihr allerdings bekommt, ist ein kleiner Eindruck davon, wie ich momentan wohne.

kleiner Süßigkeitentisch Spiegel/Kühlschrank Schreibtischchaos

Zweiter Tag der Orientation Week

Heute ging es erst um 13.00 Uhr los, deswegen habe ich mich wunderbar ausgeschlafen (und zum zweiten Mal das Frühstück weggelassen). Um 12.00 Uhr ging es mit einer halben Stunde Verspätung los Richtung Shibuya und Uni. Auf dem Programm stand ein genereller Vortrag über unser Uni-Leben. Sehr informativ, jetzt weiss ich auch, was ich bei einem Erdbeben zu tun habe (Tür öffnen und unter dem Tisch verstecken, NICHT rausrennen). Der Vortrag ging etwa anderthalb Stunden, danach hatten wir zwei Stunden frei bis um 16.30 Uhr die Welcome Party losging.  Talla, Eliza und ich haben eine weitere Stunde Shibuya erkundet. Wir waren in einer Art PetStore, in dem sieganz viele Baby-Welpen und Baby-Kätzchen hatten. Absolut süß! Ich wollte am liebsten alles streicheln und knuddeln (ja, vermisse unseren Hund und unsere Katze)! Wir haben außerdem einige Restaurants und einen Kimono-Laden gesehen und viele Menschen und insgesamt ist Shibuya einfach überwältigend! So groß, so bunt, so laut, so voll! Erstaunlicherweise gibt es aber abseits der Hauptstraße viele kleine Sträßchen, die ziemlich ruhig sind, in denen kaum Autos fahren und in denen die Leute, meistens Männer, rauchen. Als wir zurück in der Uni waren, haben wir uns sehr nett mit einer anderen Studentin der Aoyama unterhalten. Ihr Englisch war sehr gut und sie war unglaublich fröhlich und neugierig und hat uns über uns ausgefragt. Überhaupt sind alle hier absolut zuvorkommend und freundlich und interessiert an einem. Ich bin mir sehr sicher, dass ich hier gut klar komme. Bisher war mein schlimmster Tag der erste…

Die Welcome Party war sehr lustig. Es gab Essen und japanische Süßigkeiten (ich liebe diesen Baumkuchen!!) und dann haben wir Personen-Bingo gespielt. Freiweillige haben sich vorgestellt, meistens auf japanisch, und erzählt, wer sie sind und was sie so machen und haben dann eine Nummer genannt. Die ersten zehn Bingos haben kleine Preise gewonnen – die waren zum Glück vergeben, bevor ich in die peinliche Lage kam, mich freiwillig melden zu müssen. Danach haben wir sowas wie Bäumchen-wechsel-dich gespielt; wenn ein Glöckchen geklingelt hat, mussten wir unseren Tisch wechseln und uns zu neuen Leuten setzen. Sehr interessant und wenn man es richtig macht, lernt man viele neue Leute kennen (was natürlich Sinn des Ganzen ist). Ich habe mich eine Weile mit Nate unterhalten; außerdem waren an meinem Tisch noch zwei Amerikaner, ein Deutscher und eine Thailänderin. Der erste Tisch war sehr nett, bei der zweiten Runde habe ich mich zu Lukas gesetzt, mich dann aber doch fast nur mit einem japanischen Tutor unterhalten. Mit dem kam ich sehr gut klar; sein Englisch war nicht so gut wie meins, aber wir haben uns verstanden. Nebenbei haben wir etwas japanisch geredet und uns über Gott und die Welt unterhalten. In der dritten Runde saß ich bei Talla und die Runde war auch sehr nett. Dann war aber leider schon alles vorbei und ich bin mit Talla und zwei weiteren Freundinnen noch etwas durch Shibuya geschlendert und dann haben wir in einem Soba-Restaurant zu Abend gegessen. Soba sind dünne, graue Nudeln, die abgesehen von ihrer Farbe genauso aussehen wie Spaghetti. Ich habe sie in einer Brühe zusammen mit Karotten und Lotoswurzel bestellt und es war köstlich. Ab heute habe ich auch verstanden, warum man Soba-Nudeln schlürfen darf: tut man es nicht, verbrennt man sich gewaltig die Zunge…

Wir waren etwa um 22.00 Uhr zu Hause und seitdem habe ich nichts spannendes gemacht, außerdem Blog auf Vordermann zu bringen (ich hatte wirklich keine Zeit; abends bin ich immer so erschlagen) und zu skypen. Jetzt ist es zwei Uhr und ich gehe mal ins Bett. Morgen ist Samstag und außerdem ist am Montag Feiertag, was bedeutet, dass wir ein langes Wochenende haben. Talla und ich wollen Shibuya noch weiter erkunden und am Montag treffe ich mich mit Misato und Lukas. Ich bin gespannt und werde euch weiter berichten!