Kategorie-Archiv: Phänomene

Eulencafe

Ja, ihr habt richtig gelesen: Eulencafe. Davon gibt es mehrere in Tokyo. Manche sind als richtiges Cafe gestaltet, in dem man Essen und Trinken bekommt und die Vögel hinter Glas sind. Es gibt nur noch ein weiteres Cafe neben unserem, in dem es nur Eulen gibt und das den Besuch mehr als Erlebnis gestaltet.

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Ich habe Samstag eine Reservierungsemail losgeschickt und für Sonntag, 18.00-19.00 Uhr eine Bestätigung erhalten. Miri und ich sind heute gegen 16.00 Uhr aufgebrochen und nach Akihabara gefahren. Wir haben das Cafe recht gut gefunden und da wir noch Zeit hatten, bevor es losging, haben wir noch eine heiße Schokolade getrunken und uns etwas umgesehen. In der Email hieß es, dass man sich vor dem Cafe aufstellen und warten soll; mindestens fünf Minuten vor der reservierten Zeit. Wir sind Deutsche, also waren wir früher da. Wir wurden dann freundlich gebeten, noch zu warten. Einige Japaner sind dann noch zu uns gestoßen und dann ging es los: zuerst wurden Hefte ausgeteilt, in denen Regeln zum Umgang mit den Eulen standen. Zum Glück gab es die auf Englisch…. Während wir gewartet haben, kamen die Besucher vor uns raus und haben ihr Abschiedsgeschenk erhalten. Dann durften wir endlich rein. Bezahlen, Jacke ausziehen und Handtasche abstellen, Hände desinfizieren und ein Getränk aussuchen. Es gab nur Wasser in Flaschen, was daran liegt, dass die Eulen frei im Raum auf Stangen sitzen und alles andere hygienisch nicht zu verantworten ist.
Wir wurden also gebeten, uns zu setzen und es gab eine Einführung in Japanisch (von der ich ehrlich gesagt kein Wort verstanden habe). Dann durften wir aufstehen und uns umsehen. Man durfte alle Eulen streicheln und fotografieren; wenn man sie auf die Hand nehmen wollte, musste man sich an das Personal wenden. Ich habe mir erst alle Eulen angeschaut, ein paar gestreichelt und dabei viele Fotos gemacht. Dann habe ich die erste auf die Hand genommen – ich habe klein angefangen und das war auch glaube ich gut so. Ich hatte noch nie einen Vogel auf der Hand und es ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe mich zuerst gar nicht getraut, mich zu bewegen; das wurde dann aber besser. Und: Eulen sind unglaublich weich. Ihre Federn sind so zart, das ist unbeschreiblich!!
Ich hatte insgesamt drei Eulen auf dem Arm: eine kleine, eine etwas größere und dann eine mittelgroße. In Miri’s Liga (Uhu) habe ich mich aber nicht getraut…
Das Personal war super freundlich, hilfsbereit und obwohl wir mindestens 12 Leute waren, immer schnell da, wenn man sie gebraucht hat. Die Stunde war leider viel zu schnell rum…
Beim Rausgehen haben wir unser Foto bekommen, sogar laminiert, und ein Abschiedsgeschenk. Wir waren super euphorisch und haben einstimmig entschieden, dass die 1.500 Yen gut angelegt waren! Jetzt aber endlich Eulenfotos!

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Sitzgelegenheit und beleuchtete Bäume nahe des Bahnhofs
Sitzgelegenheit und beleuchtete Bäume nahe des Bahnhofs
zwei süße kleine Kerle; der rechts hatte gerade Pause, weswegen man ihn nicht hochnehmen konnte
zwei süße kleine Kerle; der rechts hatte gerade Pause, weswegen man ihn nicht hochnehmen konnte

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Yamashita san, ein unglaublich putziges und freches Kerlchen
Yamashita san, ein unglaublich putziges und freches Kerlchen
meine erste Eule
meine erste Eule

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müde Eule... ich dachte zuerst, sie wäre nicht echt und bin erschrocken, als sie sich bewegt hat :D
müde Eule… ich dachte zuerst, sie wäre nicht echt und bin erschrocken, als sie sich bewegt hat :D
Pause... schlafen...
Pause… schlafen…
Takoyaki, der Größte im ganzen Cafe
Takoyaki, der Größte im ganzen Cafe
Eulenübergabe
Eulenübergabe
etwas unsicher mit diesem großen Vogel auf dem Arm
etwas unsicher mit diesem großen Vogel auf dem Arm
schon etwas bessere Freunde...
schon ein wenig vertrauter…
hübscher Kerl!
hübscher Kerl!
HILFE!! Was tut er?!?!
HILFE!! Was tut er?!?!
wieder Freunde...?
wieder Freunde…?
Klar! Freunden gibt man Küsschen ;)
Klar! Freunden gibt man Küsschen  ;)
die beiden mochten sich (^_^)
die beiden mochten sich (^_^)
entspanntes Pärchen
entspanntes Pärchen
Miri und der zweite Uhu (ich habe seinen Namen vergessen)
Miri und der zweite Uhu (ich habe seinen Namen vergessen)
sie scheinen sich sehr gut zu verstehen, aber mir war das ne Nummer zu groß
sie scheinen sich sehr gut zu verstehen, aber mir war das ne Nummer zu groß
so bekommen die Eulen ihr Wasser zwischendurch
so bekommen die Eulen ihr Wasser zwischendurch
müde!
müde!
ihn hatte ich auch noch auf dem Arm; leider scheint das einhändige Foto machen aber nicht geklappt zu haben...
ihn hatte ich auch noch auf dem Arm; leider scheint das einhändige Foto machen aber nicht geklappt zu haben…

Das war nur eine Auswahl an Fotos (ich habe gut 130), aber ich habe versucht, alle Eulen zu zeigen und euch anhand von Bildern die lustige Geschichte von mir und der großen Eule zu erzählen. Miri hat sich tot gelacht über mich… Allerdings habe ich den Kerl auch einmal souverän wieder eingefange, als er losgeflogen ist. Das kann einen ganz schön erschrecken, vor allem, weil die Flügel viel länger sind, als man es erwartet, wenn man sie nur am Körper sieht… An dieser Stelle großen Dank an Miri, die all die Fotos von mir und meinem großen Eulenfreund gemacht hat. Sind wunderbare Schnappschüsse dabei, wie man sieht. Ich glaube, sie hatte großen Spaß beim Fotografieren :D
Wenn ihr mal die Gelegenheit dazu habt, lasst euch auf keinen Fall ein Eulencafe entgehen. Es lohnt sich…

Emperor’s Birthday

Noch ein Tag, dann ist Weihnachten! Ganz angekommen ist das bei mir immer noch nicht, trotz zweier Pakete aus der Heimat…
Ein Tag vor Weihnachten – das bedeutet auch, dass der Kaiser von Japan, der Tenno, Geburtstag hat. 1933 geboren ist er dieses Jahr 81 geworden. Und wie jedes Jahr an seinem Geburtstag hat er den Kaiserpalast in Tokyo besucht. Dort hat er drei öffentliche Auftritte gehabt mit einer kurzen Rede.
Da man nicht allzu oft die Gelegenheit dazu hat, einen Monarchen aus der Nähe zu sehen – abgesehen von dem Fakt, dass ich wahrscheinlich nicht allzu oft über seinen Geburtstag in Japan und in Tokyo sein werde -, wollte ich unbedingt hin. Auch die Aussicht auf den an diesem Tag geöffneten kaiserlichen Park hat mich sehr gelockt. Also hab ich mir Miri geschnappt und bin mit ihr hin.
Wir wollten versuchen, dem ersten Auftritt beizuwohnen und sind daher zu nachtschlafender Zeit aufgestanden (zumindest nach Studentenlebensrhythmus). Ich war um 5.10 Uhr auf den Beinen, habe aber auch noch mit Michael geskypt, da wir uns schon ewig nicht mehr gehört haben. Um 7 Uhr ging es dann los zum Bahnhof und etwa anderthalb Stunden später kamen wir an der Tokyo Station an. Nachdem wir einen netten Bahnhofsangestellten gefragt hatten, welchen Ausgang wir am besten nehmen sollten, kamen wir also aus dem Untergrund, Miri dreht sich um und flippt erstmal aus. Sie war zum ersten Mal an der Tokyo Station und die ist ja nun mal unfassbar schön. “Sind wir noch in Tokyo oder schon in London??” hat das Ganze sehr schön auf den Punkt gebracht.

Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab's schon in einem früheren Eintrag)
Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab’s schon in einem früheren Eintrag)
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!

Von der Station sind wir dann Richtung Palast gelaufen; auf dem Weg dahin haben wir noch einige schöne Bilder gemacht – ich habe euch ja letztes Mal schon die Ohren vollgeschwärmt, wie schön dieses Stadtviertel ist.

ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
schöne Eingangstür
schöne Eingangstür
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür...
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür…
Brücke über den Burggraben
Brücke über den Burggraben
Schwan
Schwan (hat uns ganz schön erschreckt, als er plötzlich die Schwingen ausgebreitet hat!)
wartende Menschen
wartende Menschen
Fahnen tragende Offizielle
Fahnen tragende Offizielle

Als wir uns dem Palast, besser gesagt, dem Platz, bevor man das Palastareal betreten kann, genähert haben, stand da schon eine riesige Menschenmenge und hat gewartet. Wir waren wohlgemerkt kurz vor neun Uhr da – die erste Ansprache sollte um 10.10 Uhr stattfinden. Wir waren erst etwas verwirrt, wo wir uns denn nun anstellen sollten, da wir auch die Ansprache der Ordnungsleute nicht verstanden haben, bis wir schließlich einfach der Menschenmenge gefolgt sind. Wir kamen in einer Schlange an, in der wir dann unsere Fähnchen zum Winken bekommen haben. Die haben sehr genau kontrolliert, dass auch wirklich jeder eine Fahne hat – anders hätte man wahrscheinlich nicht Richtung Sicherheitskontrolle gehen dürfen. Unsere Taschen wurden kontrolliert und uns wurde beigebracht, dass man drinnen keine Fotos machen darf. Wir haben das akzeptiert und mussten dann noch durch den Bodycheck. Die nette Dame hat mich etwas gefragt und ich war erst sehr verwirrt, weil ich sie nicht direkt verstanden habe, aber dann kam doch an, dass sie mich gefragt hat, ob ich etwas in meinen Taschen habe. Ich habe das also verneint und sie hat das bestätigen können, also durfte ich rein. Wir kamen dann in einer noch größeren und längeren Schlange an; neben uns waren noch drei gleichen Ausmaßes und von der anderen Seite des Platzes kamen ebenfalls Menschen. Unglaublich.
Nach etwa einer halben Stunde Warterei ging es dann endlich los – wir durften über die Brücke das Areal des kaiserlichen Palastes betreten. Wir wurden dann einen Weg langgelotst bis zu einem riesigen Platz vor dem eigentlich Palast. Und mit riesig meine ich verdammt riesig!
Der Palast alleine ist locker 200m lang mit komplett verglastem Balkon. Es gibt dann noch eine kleine “Loge”, die wahrscheinlich nochmal extra mit Sicherheitsglas verglast wurde. In der Loge standen zwei wunderschöne große Ikebana-Arrangements und ein Mikro. Die eigentlich Front des Palastes besteht aus verschiebbaren, hellen Holztüren.
Der Platz ist noch ein Stück länger als der eigentlich Palast und locker 40 Meter tief – da passt also einiges an Menschen drauf. Wir haben uns einen sehr guten Platz frontal vor der Loge sichern können; auch weit genug vorne, damit die Sicht nicht völlig von Menschen verdeckt wird. Hinter uns, am Ende des Platzes, standen unglaublich viele Journalisten mit unfassbar großen Kameras auf einer kleinen Erhöhung und haben genauso gewartet wie wir.
Auf dem Platz war es erstaunlich leise für so eine große Menschenmenge. Dann kam eine Ansage auf Japanisch, von der wir nur verstanden haben, dass es jetzt 10.10 Uhr ist und der Kaiser wohl gleich auftritt. Danach wieder kurz warten, noch eine Ansage und dann wurde es immer stiller. Jeder hat gespannt mit seinem Fähnchen in der Hand darauf gewaretet, dass sich die Holztüren hinter der Loge öffnen. Als das dann passiert ist, ist die Menge völlig ausgeflippt. “Tenno! Tenno!” Schreie, unverständliche Rufe und wildes Fähnchen-schwenken. Miri und ich waren kurz überfordert von dieser Situation und haben uns dazu entschieden, einfach fröhlich mitzuschwenken. Der Kaiser ist dann im schwarzen Anzug in die Loge getreten, hinter ihm seine Frau und seine beiden Töchter (zumindest gehe ich davon aus, dass es seine Töchter sind). Sie waren jedenfalls wunderschön festlich, majestätisch und elegant in beige und grün gekleidet – gleicher Schnitt und ein kleines Hütchen.
Alle haben sehr majestätisch zu uns runtergewunken. Dann wurde es totenstill auf dem Platz und Akihito hat seine Rede gehalten. Die ersten beiden Worte habe ich verstanden, danach wurde es vage. Nach der Rede, die nur etwa 3 Minuten ging, war noch kurz Stille und dann ging das Geschreie und Fähnchen-schwenken wieder los. Alle haben wieder nett gewunken, diesmal etwas länger, und haben sich dann wieder zurückgezogen.
Zieht man eine Zeitbilanz – 90 min Anreise, 30 min Fotos machen und zum Palast gehen und 80 min warten gegen 5 min kaiserliche Familie – klingt das ganz schön lächerlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass es doch recht kalt geworden ist hier (ich hatte trotz zwei Paar Socken kalte Füße). Aber man hat nicht oft die Gelegenheit, einem Monarchen so nahe zu kommen. Außerdem war es unbeschreiblich, Teil dieser absolut euphorischen Menge zu sein, die ihrem Tenno zujubelt, als gäbe es keinerlei Probleme in Japan. Faszinierend, die Ausstrahlung von Hoheiten auf die “gemeine” Menge.
Nach dem Verschwinden der kaiserlichen Familie wurde dann geordnet der Platz verlassen und man konnte entweder direkt heim oder in die East Imperial Gardens. Wir haben uns natürlich für den Garten entschieden und haben dort locker nochmal anderthalb Stunden mit Bilder machen und angucken verbracht. Deswegen auch jetzt eine Tonne an Bildern.
Ich war brav und habe keine Bilder vom Tenno gemacht; das müsst ihr euch von offiziellen Seiten besogen. Ich habe aber versucht, Bilder vom Palast zu machen. Das ist in einer gehenden Menschenmasse schwierig und außerdem ist der Palast einfach zu groß, um ihn auch nur annähernd so eindrucksvoll rüberzubringen, wie er eigentlich ist. Ich hoffe, es gibt euch trotzdem einen kleinen Eindruck davon.

Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Front des Palastes - bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Front des Palastes – bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Kunst (?) nahe des Platzes
Kunst (?) nahe des Platzes
Gebäude
Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
kleineres Gebäude
kleineres Gebäude
Blcik über einen Teil des Gartens
Blick über einen Teil des Gartens
Steinkeller
Steinkeller
künstlerisch wertvolles Bild: "Herbst"laub einen Tag vor Weihnachten
künstlerisch wertvolles Bild: “Herbst”laub einen Tag vor Weihnachten
Steinwall und Aussichtsplattform
Steinwall und Aussichtsplattform
Ausmaße des Platzes von der anderen Seite aus
Ausmaße des Gartens von der anderen Seite aus
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nciht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nicht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
Peace Japan!
Peace Japan!
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
weiteres Gebäude
weiteres Gebäude
toller Baum
toller Baum
Hauseingang
Hauseingang
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Burggraben
Burggraben

Auf dem Weg zurück zur Station sind wir an einem wunderschönen Platz vorbeigekommen. Ich hatte ihn bei meinem letzten Besuch aus der Ferne fotografiert; diesmal waren wir drauf und er ist noch viel schöner als gedacht. Davon also auch noch ein paar Fotos.

entlang der Straße
entlang der Straße
immer noch Bruggraben, soweit ich das beurteilen kann
immer noch Burggraben, soweit ich das beurteilen kann
schöne Gebäudefassade
schöne Gebäudefassade
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Muscheeeeel
Muscheeeeel
Ginko-Blatt mit Schatten - das wasser sieht man seltsamerweise nicht
Ginko-Blatt mit Schatten – das wasser sieht man seltsamerweise nicht
noch eine Wasseranlage
noch eine Wasseranlage
davon gibt es einige auf dem Platz
davon gibt es einige auf dem Platz
"Wasserfall"
“Wasserfall”
Platten zum Überqueren der Wassergräben
Platten zum Überqueren der Wassergräben

Nach der anstrengenden Tour haben wir uns ein gutes Ramen gegönnt!
Heute Abend habe ich dann endlich das zweite Päckchen – was heißt Päckchen, PAKET!! – abholen können! Ich hab mich halb zu Tode gefreut! Weihnachtsgeschenk (^_^)
Miri und ich haben dann heute Abend schon etwas genascht – absoluter Genuss. Man lernt erst zu schätzen, was man nicht hat. Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass wir langsam, aber sicher unsere Muttersprache verlernen. Dass wir englische Wörter oder Ausdrücke in unsere Sätze einbauen, ist ja schon schon ein alter Hut. Jetzt fangen wir an, Sprichwörter oder Ausdrücke zu vergessen. Es hat eine Minute gedauert, bis wir den Ausdruck “non-plus-ultra” zusammenhatten (“Ultimatum? Nee, aber so ähnlich!”). Ich habe heute auch voller Überzeugung “Tiefe Wasser sind still!” gesagt, bis mir nach kurzem Nachdenken aufgefallen ist, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und so was nach dreieinhalb Monaten! Schlimm. Macht euch auf etwas gefasst, wenn ich zurückkomme. :D

In diesem Sinne wünsche ich euch Frohe Weihnachten und schöne Feiertage mit euren Liebsten!!! Genießt das Fest mit eurer Familie!

meine Weihnachtsdeko :)
meine Weihnachtsdeko :)

Bahn fahren in Tokyo

Ihr denkt euch vielleicht: ein Beitrag übers Bahn fahren? Ist ja langweilig, hab ich selbst schon tausendmal gemacht. Das stimmt, aber Bahn fahren in Tokyo ist etwas ganz anderes als Bahn fahren in Saarbrücken. Oder in Deutschland.

Zunächst einmal ist es recht günstig, wenn man es mit der Saarbahn vergleicht. Zumindest dann, wenn man einen Zugpass besitzt, so wie wir. In Tokyo kauft man keine Bereiche oder Waben oder sonst was, sondern eine bestimmte Strecke. In meinem Fall von Eda Station (江田駅) nach Shibuya Station (渋谷駅). Das hat für drei Monate etwa 11.000 Yen gekostet, also etwa 95€. Wenn man abseits dieser Strecke fährt, muss man bezahlen. Mit Zugkarte ist das aber recht einfach: man läd eine bestimmte Summe Geld auf die Karte und wenn man woanders fährt, muss man nicht jedes Mal ein Zugticket kaufen, sondern das Geld wird beim “auschecken” automatisch von der Karte abgezogen. Spart viel Zeit und Stress.

Im Bahn- und U-Bahn-Netz in Tokyo gibt es drei Zugtypen: Local Train, Semi-Express und Express.
Von mir aus kann ich nur den Local nehmen und wenn ich zum Express wechseln will, muss ich eine oder vier Stationen später umsteigen. Das Problem mit dem Express ist: er ist voll. Ich habe glaube ich noch nie in einem Express einen Sitzplatz bekommen. Dafür ist er etwa 20 Minuten schneller als der Local. Man muss also immer spontan entscheiden, worauf man Lust hat: schnell und voll oder langsam und höhere Sitzplatzwahrscheinlichkeit.
Von mir aus nach Shibuya nehme ich eigentlich immer den Local, weil ich zum Umsteigen zu faul bin und noch nie derartigen Stress hatte, dass ich den Express unbedingt gebraucht hätte. Von Shibuya zurück nehme ich immer das, was als nächstes kommt. Hier mag ich den Express aber, weil ich gerne schnell zu Hause bin.
Diesen Montagmorgen musste ich zum ersten Mal zur Rush Hour zur Uni (Unterrichtsbeginn 9.00 Uhr). Ich hab extra 90 Minuten statt der üblichen 70 eingeplant, weil ich nicht wusste, wie viel los ist. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, morgens den Express zu nehmen, weil ich dann nicht so früh aufstehen müsste, aber die Entscheidung fiel mir leicht: früher aufstehen. Der nächste Paragraph wird euch meine Entscheidung ein wenig erklären.

In Japan sind die Sitzbänke quer zur Fahrtrichtung angebracht auf beiden Seiten des Zuges. Die werden immer alle säuberlich belegt. Die nachkommenden Leute stellen sich mit dem Gesicht zum Fenster vor die Sitzenden. Auch hier wird jeder Platz belegt. Wenn man eine Lücke lässt, wird man umgerannt oder geschubst von jemandem, der den Stehplatz unbedingt haben will. Höflichkeit gibt’s beim Zug fahren nicht. In der Mitte ist jetzt immer noch ein Gang, durch den Leute passen. Wenns voll wird. wird dieser Gang auch zugestellt. Wenn der zu ist, wirds interessant. Dann ballt sich alles vor den Türen. Und just dann, wenn du denkst: der Zug ist jetzt voll, kommen drei Japaner angerannt. Zwei quetschen sich noch irgendwie rein und du denkst: Hmm, der arme Dritte. Von wegen! Der Dritte guckt sich das kurz an, stellt sich dann mit dem Rücken zu den Leuten und drückt sich am Türrahmen ab, um noch reinzukommen. Die Türen schließen und derjenige steht dann wirklich press davor. Wow. Ich würde auf den nächsten Zug warten (nur fraglich, ob der so viel besser ist…). Schön ist, wenn man beobachten darf, wie so ein vollgestopfter Zug in den Bahnhof einfährt: sobald die Türen aufgehen, quellen da Menschenmassen heraus, dass man sich fragt, wie die Türen jemals zugehen konnten…

Am Montagmorgen konnte ich oben erklärtes Phänomen im Local Train beobachten und habe mich dazu entschieden, gar nicht erst wissen zu wollen, wie es im Express aussieht. In Shibuya habe ich nämlich einmal beobachtet, wie die Bahnsteigarbeiter (ich weiss den Namen für das, was sie da machen, leider wirklich nicht) Menschen mit beiden Händen in den Zug gedrückt haben. Und ich habe beschlossen, dass mir das nicht passieren wird.

Noch eine Anmerkung, die nichts mit Zug fahren zu tun hat:
Dafür, dass Tokyo eine derart riesige Stadt ist, gehen die Leute sehr langsam. Ich erinnere mich lebhaft an New York, wo man umgerannt wird, wenn man schlendert. Hier schlendern 70% der Leute und ich werde hinten dran wahnsinnig, weil ich es hasse, so rumbummeln zu müssen. Dann denke ich aber immer daran, was für Absätze viele Japanerinnen tragen und kann das Tempo irgendwie verstehen. Ich weiss, warum ich flache Schuhe bevorzuge…