Kamakura/Enoshima

Lukas und ich haben heute einen Sonntagsausflug unternommen. Um halb zehn gings in Shibuya los nach Kamakura, wo wir eine Stunde später angekommen sind. Von dort aus ging es mit einem alten quietschenden Bummelzug weiter nach Enoshima. Diese zwanzig Minuten Fahrt haben sich so gelohnt!
Das Wetter heute war super, also waren wir mittags noch kurz am Strand. Wahnsinn. Eine wunderschöne Bucht mit gutem Wellengang (entsprechend viele Surfer waren draußen); ich musste natürlich einmal ans Wasser und bin auch ziemlich nass geworden, aber das war nicht schlimm. Das Wasser war warm und der Sand dunkelgrau und unglaublich fein. Wäre es nicht so weit, würde ich jedes Wochenende zum Baden hinfahren…

Aber erst einmal haben wir uns Kultur angetan. Wir sind zu einer Insel rübergelaufen und haben uns dort so ziemlich alles angesehen, was es gibt (die Insel ist zwar nicht sehr groß, aber dafür sehr schön). Wir sind noch auf einen Aussichtsturm gestiegen und das hat sich echt gelohnt. Man sieht von Enoshima auch Fuji-san, aber leider hing heute eine Nebelwand vor der Bergkette, so dass man den Berg auf den Fotos leider nicht sieht.
Nachdem wir uns die ganze Insel angesehen haben (das hat schon seine Zeit gedauert), sind wir erst Essen gegangen und dann in das Aquarium, das ganz in der Nähe ist. Es war umwerfend. Ich habe schon einige Aquarien gesehen, aber das hier hat echt alles getoppt. Es gab viele kleine Aquarien mit Quallen, fischen etc., aber auch ein riesiges. Und es war wirklich riesig. Darin geschwommen sind die größten Rochen, die ich je gesehen habe (der größte hat eine Spannweite von geschätzten zwei Metern), unfassbar viele große und kleine Fische und am beeidruckendsten: ein riesiger Fischschwarm, der sich ständig synchron bewegt hat. Sowas hab ich bisher nur in Filmen gesehen, aber in echt ist das einfach unbeschreiblich. Wir haben auch noch eine Seehund-Vorführung angeschaut, die dann nahtlos in eine Delfinvorstellung überging. Wow, einfach nur wow, was diese Tiere alles können.

Nach dem Aquarium waren wir kurz am Strand und sind dann nach Hase. Dort steht eine riesige Buddha-Statue und die mussten wir natürlich gesehen haben. In Hase haben wir uns auch noch ein paar Schreine angeschaut, dann ging es zurück nach Kamakura. Dort wollten wir uns auch noch ein paar Tempel anschauen, aber leider schließen die großen Anlagen mit Gärten um 17.00 Uhr und wir kamen nicht mehr rein. Ist aber auch glaube ich nicht so schlimm, da wir in Kyoto wahrscheinlich mehr als genug Tempel sehen werden. Um 18.00 Uhr ging es dann zurück nach Shibuya, wo wir noch einen Happen essen waren. Jetzt sitze ich ziemlich müde hier und werde euch endlich nicht länger mit Worten langweilen, sondern ein paar Bilder folgen lassen.

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Aussicht
Aussicht

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es war einiges los heute...
es war einiges los heute…
rotes Tor, dahinter geht's hoch zum Aussichtsturm
rotes Tor, dahinter geht’s hoch zum Aussichtsturm

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in Japan muss man schnell sein beim Fotos machen - ich war zu langsam...
in Japan muss man schnell sein beim Fotos machen – ich war zu langsam…

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riesiger Buddha
riesiger Buddha

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Bahn fahren in Tokyo

Ihr denkt euch vielleicht: ein Beitrag übers Bahn fahren? Ist ja langweilig, hab ich selbst schon tausendmal gemacht. Das stimmt, aber Bahn fahren in Tokyo ist etwas ganz anderes als Bahn fahren in Saarbrücken. Oder in Deutschland.

Zunächst einmal ist es recht günstig, wenn man es mit der Saarbahn vergleicht. Zumindest dann, wenn man einen Zugpass besitzt, so wie wir. In Tokyo kauft man keine Bereiche oder Waben oder sonst was, sondern eine bestimmte Strecke. In meinem Fall von Eda Station (江田駅) nach Shibuya Station (渋谷駅). Das hat für drei Monate etwa 11.000 Yen gekostet, also etwa 95€. Wenn man abseits dieser Strecke fährt, muss man bezahlen. Mit Zugkarte ist das aber recht einfach: man läd eine bestimmte Summe Geld auf die Karte und wenn man woanders fährt, muss man nicht jedes Mal ein Zugticket kaufen, sondern das Geld wird beim “auschecken” automatisch von der Karte abgezogen. Spart viel Zeit und Stress.

Im Bahn- und U-Bahn-Netz in Tokyo gibt es drei Zugtypen: Local Train, Semi-Express und Express.
Von mir aus kann ich nur den Local nehmen und wenn ich zum Express wechseln will, muss ich eine oder vier Stationen später umsteigen. Das Problem mit dem Express ist: er ist voll. Ich habe glaube ich noch nie in einem Express einen Sitzplatz bekommen. Dafür ist er etwa 20 Minuten schneller als der Local. Man muss also immer spontan entscheiden, worauf man Lust hat: schnell und voll oder langsam und höhere Sitzplatzwahrscheinlichkeit.
Von mir aus nach Shibuya nehme ich eigentlich immer den Local, weil ich zum Umsteigen zu faul bin und noch nie derartigen Stress hatte, dass ich den Express unbedingt gebraucht hätte. Von Shibuya zurück nehme ich immer das, was als nächstes kommt. Hier mag ich den Express aber, weil ich gerne schnell zu Hause bin.
Diesen Montagmorgen musste ich zum ersten Mal zur Rush Hour zur Uni (Unterrichtsbeginn 9.00 Uhr). Ich hab extra 90 Minuten statt der üblichen 70 eingeplant, weil ich nicht wusste, wie viel los ist. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, morgens den Express zu nehmen, weil ich dann nicht so früh aufstehen müsste, aber die Entscheidung fiel mir leicht: früher aufstehen. Der nächste Paragraph wird euch meine Entscheidung ein wenig erklären.

In Japan sind die Sitzbänke quer zur Fahrtrichtung angebracht auf beiden Seiten des Zuges. Die werden immer alle säuberlich belegt. Die nachkommenden Leute stellen sich mit dem Gesicht zum Fenster vor die Sitzenden. Auch hier wird jeder Platz belegt. Wenn man eine Lücke lässt, wird man umgerannt oder geschubst von jemandem, der den Stehplatz unbedingt haben will. Höflichkeit gibt’s beim Zug fahren nicht. In der Mitte ist jetzt immer noch ein Gang, durch den Leute passen. Wenns voll wird. wird dieser Gang auch zugestellt. Wenn der zu ist, wirds interessant. Dann ballt sich alles vor den Türen. Und just dann, wenn du denkst: der Zug ist jetzt voll, kommen drei Japaner angerannt. Zwei quetschen sich noch irgendwie rein und du denkst: Hmm, der arme Dritte. Von wegen! Der Dritte guckt sich das kurz an, stellt sich dann mit dem Rücken zu den Leuten und drückt sich am Türrahmen ab, um noch reinzukommen. Die Türen schließen und derjenige steht dann wirklich press davor. Wow. Ich würde auf den nächsten Zug warten (nur fraglich, ob der so viel besser ist…). Schön ist, wenn man beobachten darf, wie so ein vollgestopfter Zug in den Bahnhof einfährt: sobald die Türen aufgehen, quellen da Menschenmassen heraus, dass man sich fragt, wie die Türen jemals zugehen konnten…

Am Montagmorgen konnte ich oben erklärtes Phänomen im Local Train beobachten und habe mich dazu entschieden, gar nicht erst wissen zu wollen, wie es im Express aussieht. In Shibuya habe ich nämlich einmal beobachtet, wie die Bahnsteigarbeiter (ich weiss den Namen für das, was sie da machen, leider wirklich nicht) Menschen mit beiden Händen in den Zug gedrückt haben. Und ich habe beschlossen, dass mir das nicht passieren wird.

Noch eine Anmerkung, die nichts mit Zug fahren zu tun hat:
Dafür, dass Tokyo eine derart riesige Stadt ist, gehen die Leute sehr langsam. Ich erinnere mich lebhaft an New York, wo man umgerannt wird, wenn man schlendert. Hier schlendern 70% der Leute und ich werde hinten dran wahnsinnig, weil ich es hasse, so rumbummeln zu müssen. Dann denke ich aber immer daran, was für Absätze viele Japanerinnen tragen und kann das Tempo irgendwie verstehen. Ich weiss, warum ich flache Schuhe bevorzuge…

Roppongi

Diesem Stadtviertel möchte ich einen eigenen Beitrag widmen, obwohl ich erst einmal dort war.

Am Montagabend nach der Uni haben Lukas und ich uns mit Arisa (einer japanischen Studentin, die ein Jahr im Saarland war und in Tokyo wohnt) in Roppongi getroffen. Wir sind in eine supertolle Bar gegangen – Friday’s. Ich kannte die noch nicht, aber es soll sie auch in Deutschland geben. Da wir grade zu Beginn der Happy Hour kamen, haben wir sofort Cocktails bestellt und dann etwas zu Essen. Ich habe Chicken Caesar Salad gegessen und war unfassbar glücklich darüber. Vor allem hab ich zur Abwechslung auch mal wieder mit Messer und Gabel essen dürfen – wobei mein Umgang mit Essstäbchen immer besser wird. Wir haben während der Happy Hour jeder drei Cocktails getrunken, von denen jeder Einzelne göttlich war. Deswegen schreibe ich aber nicht diesen Beitrag.

Nach der Bar sind wir zu einer der beiden Sehenswürdigkeiten in Roppongi gelaufen: Roppongi Hills. In Japan wird es sehr früh dunkel – momentan etwa um 17.30 Uhr, deswegen sah das Ganze noch beeindruckender aus. Roppongi Hills ist architektonisch sehr schön angelegt (O-Ton Lukas: “Die erste Architektur in Japan, in der mich auf Anhieb zurecht finde und die mir durchdacht vorkommt.”). Von dieser Anlage aus sieht man auch den Tokyo Tower und da ich ausnahmsweise mal zum richtigen Zeitpunkt eine Kamera dabei hatte, möchte ich ein paar Bilder hochladen. Die sind nämlich der eigentlich Grund für diesen Beitrag.

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Mori Building bei Tag
Mori Building bei Tag
Mori Building bei Nacht
Mori Building bei Nacht
Riesige Spinnen gibt's in Japan
Riesige Spinnen gibt’s in Japan

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Tokyo Tower
Tokyo Tower

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Dritte Woche, etwas blabla

Ich muss es mir immer wieder vor Augen führen: ich bin erst 16 Tage hier. Es kommt mir eher vor wie fünf Wochen. Und ich muss sagen: ich freue mich auf zu Hause. Das heißt nicht, dass ich mir hier nicht einlebe, im Gegenteil, mit jedem Tag Uni wird es besser, aber mir fehlen doch einige Dinge.
Ich hab gelernt, dass man nicht nur “home-sick” sondern auch “food-sick” werden kann. Und das bin ich momentan. Mir fehlt deutsches Essen. Japanisches Essen ist super lecker, keine Frage. Aber ich möchte deutsches Brot zum Frühstück. Ab und zu mal ne tolle Pasta (momentan träume ich von Lasagne). Kartoffeln! Und Dessert. Wo wir aber grade bei Essen sind: Ich habe gestern Mittag mit Lukas das beste Ramen meines (und ziemlich sicher auch seines) Lebens gegessen. In einem kleinen Restaurant im Basement eines Gebäudes in Shibuya. Dazu gabs den obligatorischen Reis, Gyoza (saftige, gefüllte Teigtaschen) und wie immer kostenlosen Tee zum Essen. Mal keinen Genmaicha, dafür leckeren Schwarztee. Wir sind die Treppe zur Straße kaum mehr hochgekommen, so vollgefressen waren wir. Ich hatte auch bis heute Vormittag keinen Hunger mehr.

Die Uni ist bei uns ja letzten Freitag losgegangen. Uni ist hier anders als in Deutschland: man sucht sich am Anfang des Semesters die Kurse aus, die man gerne besuchen möchte. Dann schaut man sich die einmal oder zweimal an und ca. 10 Tage nach Semesterbeginn ist dann Einschreibungsphase, in der man festlegt, was man wirklich besucht. Ich hab meinen Stundenplan heute festgeschrieben, auch wenn ich wegen Feiertag und Kursausfall zwei Kurse noch nicht gesehen hab. Ich hoffe einfach, dass sie gut sind.
Langsam kommt auch bei mir an, dass ich dieses Semester wirklich arbeiten muss und nicht zum Spaß da bin. Bis vor zwei Tagen hatte ich das noch nicht realisiert. Es ist aber auch wieder sehr angenehm, weil man jetzt weiss, was man zu tun hat und nicht jeden Tag aufs Neue selbst planen muss und damit nicht so recht fertig wird. Ich freue mich also richtig aufs Semester, was mich positiv stimmt.

Wie einige von euch bereits wissen, habe ich auch letzte Woche Donnerstag mein erstes Erdbeben erlebt. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass in Tokyo schon 25 Beben waren seit ich angekommen bin. Davon hat man aber nichts mitbekommen. Das am Donnerstag war dann aber ein “richtiges”.
Wir haben grade in der letzte Session der Orientation Week gesessen, im achten Stock eines Unigebäudes. Auf einmal hat der Boden  sich bewegt, die Tische sind ein wenig über den Boden gerollt und irgendwie war das seltsam. Ich hab zum Fenster gesehen und da hat sich das Rollo von selbst nach vorne und zurück bewegt. Da hab ich dann mal gecheckt, dass das wirklich ein Erdbeben ist. Sämtliche Austauschstudenten aus Außer-Japan waren ziemlich verwirrt und wussten nicht, ob sie jetzt panisch werden sollten oder nicht. Unter dem Tisch verstecken wäre die nächste Alternative gewesen, schließlich hatten wir gerade gelernt, dass man das im Falle eines Erdbebens tun sollte. Da sich aber keine der Japanerinnen gerührt hat, haben wir alle unser Pokerface aufgesetzt und so getan, als wäre das etwas ganz alltägliches (obwohl diese Stärke auch in Japan nicht ganz alltäglich zu sein scheint). Fakt ist, die Erde unter mir hat sich eine gute Minute lang bewegt und das war ein recht unangenehmes Gefühl. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes keinen sicheren Boden mehr unter den Füßen. War eine etwas erschreckende, aber auch interessante Erfahrung.

Sonstiger Zustand in Japan ist warm. Unfassbar warm. Der Himmel ist bedeckt und in Deutschland sind es dann normalerweise etwa 15-17 Grad; also nimmt man Jacke und Schal mit. Wenn es hier so aussieht, sind es immer noch 23-27 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Woche wars noch recht angenehm, manchmal sonnig, kein Regen. Bis auf heute. Es hatte die ganze Nacht geregnet und der Himmel war dunkelgrau. Meine Reaktion: Juhu, endlich kühler! Vielleicht kann ich heute mal ein 1/2-Arm-Shirt anziehen. Da ich aber dazu gelernt habe, habe ich das Wetter auf dem Balkon vorgetestet. Und bin gegen eine Wand gelaufen. Gefühlte 31 Grad bei 150% Luftfeuchtigkeit. Es war Wahnsinn. Ich bin nach fünf Minuten zu Fuß gehen am Bahnhof angekommen und war nass geschwitzt. Ich habe mich zum etwa fünfzigsten Mal verflucht dafür, dass ich kein Sommerkleid mitgenommen hab. Als etwas Wind aufkam, war ich schon erleichtert – aber nein: der Wind hat sich angefühlt wie ein Heißluftföhn! Zum Glück war wenigstens der Zug klimatisiert. Genauso wie die Räume an der Uni. Aber sobald man rauskam, wars vorbei. Zurück im Dorm hab ich alles von mir geschmissen und die Klimaanlage angemacht…

Wochenende!

Gestern (Samstag) war der erste Tag, an dem wir komplett frei hatten. Keine Treffen, keine Touren, gar nichts. Sehr entspannend. Natürlich habe ich dann erstmal ausgeschlafen und um 14.00 Uhr bin ich mit Tala, Oyunchimeg und Yoshika essen gegangen in einem kleinen Restaurant am Bahnhof. Das Essen war sehr lecker, aber so scharf, dass es alles geschlagen hat, was ich an scharfem Essen kenne. Tala und ich sind danach nach Shibuya gefahren und durch die Gegend gelaufen. Faszinierend, wie schnell man in Tokyo von den großen Straßen und den Menschenmassen wegkommt und dann annähernd allein in einer Gasse steht. Wir haben alles mögliche erkundet, kleine Bars und Cafés gefunden und natürlich auch die Ecke, in der sich die ganzen Lovehotels befinden und Sexsachen verkauft werden. Als wir aus dieser Ecke herauskamen, hatten wir uns verlaufen und mussten uns den Weg zur Shibuya Station erfragen. Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir einige Schreine gesehen, es war offenbar matsuri, eine Art Schreinfest. Darauf lege ich mich jetzt aber nicht fest.
Wieder bei uns angekommen, haben wir noch ein wenig unser Viertel erkundet (eigentlich haben wir den 100Yen-Store gesucht) und sind dann mit einigen Einkäufen wieder nach Hause. Später haben wir noch zu dritt zusamm gesessen und geredet. Um 2 Uhr ist Oyunchimeg ins Bett und Tala und ich haben noch bis 5 Uhr zusammen gesessen und über die Situation in der Ukraine geredet – und über unwichtiges Zeug wie Freunde ;)
Dementsprechend lang hab ich heute geschlafen. Mein verspätetes Frühstück hat um halb vier stattgefunden. Dann hab ich ein bisschen auf- und umgeräumt und war mit Tala und Oyunchimeg im 100Yen-Store und in einem Departmentstore um ein paar nützliche Dinge zu kaufen. Wir haben gekocht, gegessen, ich hab mein Zimmer endlich so wie ich es haben wollte und vielleicht gehen wir später runter ins japanische Bad.

Bilder von gestern kommen leider erst später, weil eine SD-Karte nicht richtig funktioniert und ich noch ein USB-Kabel kaufen muss, um sie auf den PC zu bringen. Was ihr allerdings bekommt, ist ein kleiner Eindruck davon, wie ich momentan wohne.

kleiner Süßigkeitentisch Spiegel/Kühlschrank Schreibtischchaos

Zweiter Tag der Orientation Week

Heute ging es erst um 13.00 Uhr los, deswegen habe ich mich wunderbar ausgeschlafen (und zum zweiten Mal das Frühstück weggelassen). Um 12.00 Uhr ging es mit einer halben Stunde Verspätung los Richtung Shibuya und Uni. Auf dem Programm stand ein genereller Vortrag über unser Uni-Leben. Sehr informativ, jetzt weiss ich auch, was ich bei einem Erdbeben zu tun habe (Tür öffnen und unter dem Tisch verstecken, NICHT rausrennen). Der Vortrag ging etwa anderthalb Stunden, danach hatten wir zwei Stunden frei bis um 16.30 Uhr die Welcome Party losging.  Talla, Eliza und ich haben eine weitere Stunde Shibuya erkundet. Wir waren in einer Art PetStore, in dem sieganz viele Baby-Welpen und Baby-Kätzchen hatten. Absolut süß! Ich wollte am liebsten alles streicheln und knuddeln (ja, vermisse unseren Hund und unsere Katze)! Wir haben außerdem einige Restaurants und einen Kimono-Laden gesehen und viele Menschen und insgesamt ist Shibuya einfach überwältigend! So groß, so bunt, so laut, so voll! Erstaunlicherweise gibt es aber abseits der Hauptstraße viele kleine Sträßchen, die ziemlich ruhig sind, in denen kaum Autos fahren und in denen die Leute, meistens Männer, rauchen. Als wir zurück in der Uni waren, haben wir uns sehr nett mit einer anderen Studentin der Aoyama unterhalten. Ihr Englisch war sehr gut und sie war unglaublich fröhlich und neugierig und hat uns über uns ausgefragt. Überhaupt sind alle hier absolut zuvorkommend und freundlich und interessiert an einem. Ich bin mir sehr sicher, dass ich hier gut klar komme. Bisher war mein schlimmster Tag der erste…

Die Welcome Party war sehr lustig. Es gab Essen und japanische Süßigkeiten (ich liebe diesen Baumkuchen!!) und dann haben wir Personen-Bingo gespielt. Freiweillige haben sich vorgestellt, meistens auf japanisch, und erzählt, wer sie sind und was sie so machen und haben dann eine Nummer genannt. Die ersten zehn Bingos haben kleine Preise gewonnen – die waren zum Glück vergeben, bevor ich in die peinliche Lage kam, mich freiwillig melden zu müssen. Danach haben wir sowas wie Bäumchen-wechsel-dich gespielt; wenn ein Glöckchen geklingelt hat, mussten wir unseren Tisch wechseln und uns zu neuen Leuten setzen. Sehr interessant und wenn man es richtig macht, lernt man viele neue Leute kennen (was natürlich Sinn des Ganzen ist). Ich habe mich eine Weile mit Nate unterhalten; außerdem waren an meinem Tisch noch zwei Amerikaner, ein Deutscher und eine Thailänderin. Der erste Tisch war sehr nett, bei der zweiten Runde habe ich mich zu Lukas gesetzt, mich dann aber doch fast nur mit einem japanischen Tutor unterhalten. Mit dem kam ich sehr gut klar; sein Englisch war nicht so gut wie meins, aber wir haben uns verstanden. Nebenbei haben wir etwas japanisch geredet und uns über Gott und die Welt unterhalten. In der dritten Runde saß ich bei Talla und die Runde war auch sehr nett. Dann war aber leider schon alles vorbei und ich bin mit Talla und zwei weiteren Freundinnen noch etwas durch Shibuya geschlendert und dann haben wir in einem Soba-Restaurant zu Abend gegessen. Soba sind dünne, graue Nudeln, die abgesehen von ihrer Farbe genauso aussehen wie Spaghetti. Ich habe sie in einer Brühe zusammen mit Karotten und Lotoswurzel bestellt und es war köstlich. Ab heute habe ich auch verstanden, warum man Soba-Nudeln schlürfen darf: tut man es nicht, verbrennt man sich gewaltig die Zunge…

Wir waren etwa um 22.00 Uhr zu Hause und seitdem habe ich nichts spannendes gemacht, außerdem Blog auf Vordermann zu bringen (ich hatte wirklich keine Zeit; abends bin ich immer so erschlagen) und zu skypen. Jetzt ist es zwei Uhr und ich gehe mal ins Bett. Morgen ist Samstag und außerdem ist am Montag Feiertag, was bedeutet, dass wir ein langes Wochenende haben. Talla und ich wollen Shibuya noch weiter erkunden und am Montag treffe ich mich mit Misato und Lukas. Ich bin gespannt und werde euch weiter berichten!

Zweiter Tag in Japan/ Beginn der Orientation Week

Um 7.00 Uhr war ich doch noch recht müde, bin aber schnell duschen gegangen und habe gefrühstückt. Das Frühstück ist, wie jedes Essen im Dorm, sehr gut und man kann zwischen japanisch und westlich aussuchen. Ich habe westlich genommen, weil ich keine Lust auf Misosuppe und Reis hatte. Um 9.00 Uhr ging es dann los zur Eda Station, von wo aus wir den Zug Richtung Shibuya genommen haben. Von Shibuya Station aus sind es noch knapp 10 Minuten zu Fuß bis zur Uni. Die Uni ist groß und modern und gefällt mir bisher sehr gut. Um 10.30 Uhr gab es einen allgemeinen Vortrag, in dem alle Leute sich vorgestellt habe, die für uns verantwortlich sind, und in dem der Ablauf des heutigen Tages geklärt wurde. Gegen 11.30 Uhr haben wir dann unsere Tutoren getroffen. Das war echt klasse. Lukas und ich haben die gleiche Tutorin, sie heißt Misato und ist super süß und total nett. Außerdem betreut sie noch einen Amerikaner names Jeremiah, der sehr viel besser Japanisch spricht als Lukas und ich zusammen. Misato hat uns ein bisschen über den Campus geführt, wir haben ein paar offizielle Dinge gemacht und dann zusammen Mittag gegessen. Wir haben Misatos besten Freund kennen gelernt, ein Amerikaner namens Nate, mussten aber leider unseren gemeinsamen Lunch verkürzen, weil um 13.00 Uhr der Japanisch-Einstufungstest  stattgefunden hat. Der Test war schrecklich, meine letzten beiden Seiten waren fast leer, aber ich hab das recht locker genommen, weil ich wusste, dass das nicht gut werden kann. Danach haben wir ein bisschen warten müssen, weil der Vortrag über Handys und Vertrag erst etwas später war, aber derweil haben wir uns sehr gut mit Misato unterhalten. Der Vortrag der japanischen Telefongesellschaft au war aus deutscher Sicht etwas reißerisch, hat aber mir die Einsicht gebracht, dass ich in Japan kein Handy kaufen werde. Lege mir stattdessen bald eine SIM-Karte zu.
Nach diesem Votrag war der erste Tag der Orientation Week offiziell vorbei und ich habe mit Eliza und Stefanie noch ein wenig Shibuya erkundet. Dabei hatte ich das Erfolgserlebnis, dass ich in einem Elektrogeschäft (fast) das bekommen habe, was ich wollte. Es war im Endeffekt etwas anderes, läd meinen Laptpop aber auch und somit bin ich zufrieden gestellt. Der Verkäufer, dessen Englisch nicht sonderlich gut war, tat mir aber sehr leid. Wir waren außerdem in der Shopping Mall “Shibuya 109″ – verrückt, aber tolle Sachen. Die Mode hier ist sowieso ganz anders als in Deutschland. Die Frauen tragen mehr Röcke, sind oft stärker geschminkt und tragen in offenen Schuhen meistens Spitzenstrümpfe. Das ist etwas, was mich immer wieder überrascht, da das in Deutschland absolut unüblich ist.
Um etwa 17.30 Uhr haben wir uns auf den Rückweg gemacht, dann haben wir um 18.30 Uhr im Dorm gegessen und ich hab mich noch in meinem Zimmer mit Eliza unterhalten. Müde wie ich war, hab ich danach annähernd sofort geschlafen.

Erster Tag

Nach 11 Stunden Schlaf bin ich morgens doch sehr fit aufgewacht und habe mich gut genug gefühlt, meinen ersten Tag in Japan in Angriff zu nehmen. Um 12.00 Uhr haben wir uns alle im Essenssaal getroffen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Im Dorm gibt es kein Mittagessen, deswegen haben wir Lunchboxen bestellt; man nennt sie Bentou in Japan. Während dem Essen sollte sich jeder vorstellen, also Name, Alter, Herkunftsland und was man an Japan am liebsten mag. Es war eine Katastrophe und hat mir das Essen vermiest: Jeder hat das auf Japanisch hinbekommen, die meisten sehr gut, manche weniger, aber ich nicht. Meine Laune war dementsprechend ziemlich schlecht und außerdem hat das Reis essen mit Stäbchen gar nicht geklappt. Das war das erste Mal, dass ich mich heim gewünscht habe.
Nach dem Mittagessen haben wir einiges an Formularen für die Adressänderung und den Subway-Ausweis ausgefüllt und hatten dann eine Führung durch das Dorm mit dem Dorm-Manager. Positiv: ich habe neue, nette Leute kennengelernt (viele Amerikanerinnen, eine Ukrainerin, eine Mongolin usw.). Negativ: der Dorm-Manager hat nur Japanisch gesprochen (sehr undeutlich) und dazu noch gelispelt und Silben verschluckt, so dass ich nichts verstanden habe. Da nur das Wichtigste von unseren japanischen Dorm-Helferinnen Rika und Miyuki übersetzt wurde, weiss ich immer noch nicht, welcher Müll wie getrennt wird und wohin kommt und was genau er über japanisches Toilettenpapier gesagt hat.
Nach dieser etwas deprimierenden Tour sollte es einen Rundgang durch die nahegelegenen Geschäfte (wie 7/11, Konbini, FamilyMart usw.) geben. Hier kommt eine Anekdote für die Mädels: Als ich meine Schuhe holen wollte (man darf im Dorm nur bestimmte Slipper tragen und keine “Draußen”-Schuhe), hab ich eine Spinne über mein Kopfkissen laufen sehen. Ich war schockiert und hab Rose gerufen, die eigentlich Stefanie heißt und draußen auf mich gewartet hat. Die hat die Balkontür aufgemacht und ich wollte diese hübsche Spinne raustragen, als die auf einmal von meinem Kopfkissen gesprungen ist! Wir haben beide angefangen zu schreien und Rose wollte sie mit meinem Schuh erschlagen, aber immer ist sie weggesprungen und wollte die Wand hochlaufen. Von unserem Geschrei angezogen, kam dann auch Miyuki und wir wollten dann zu dritt diese Spinne töten. Allerdings weiss ich bis heute nicht, ob sie wirklich tot ist oder sich nur versteckt…

Der Trip durch die ganzen Geschäfte war anstrengend, aber interessant. Ich hab ein paar nützliche Dinge gekauft wie Mülleimer und Kleiderbügel und außerdem gleich wieder vergessen, wo welches Geschäft ist. Eigentlich war ich nach dieser Tour müde, aber als Talla, die Ukrainerin, mich gefragt hat, ob ich mit nach Shinjuku komme (dort gibt es Elektrogeschäfte mit Adaptern und Routern etc.), bin ich doch mit, weil mein Laptop-Akku leer war und das Tablet auch und mein Handy fast. Es war eine Stunde Fahrt bis nach Shinjuku und wir waren eeewig in diesem Elektrofachgeschäft. Ich hab meinen Adapter bekommen und wir sind um halb zehn noch essen gegangen. Geendet sind wir in einem Unagi-Laden (unagi heißt Aal). Das Problem ist: ich mag keinen Aal. Nächster kleiner Tiefpunkt: ich kann die Speisekarte nicht lesen, weiss also folglich nicht, was es gibt. Der Ratschlag, auf die Bilder zu schauen, war wenig hilfreich, weil die mir schlichtweg nichts sagen. Also hat Talla mir das erklärt und ich habe Reis mit Ei und Huhn bestellt. Klingt etwas seltsam, schmeckt aber ganz gut. Nächster großer Tiefpunkt: in der “Reis-mit-Stäbchen-essen”-Challenge habe ich mich noch dümmer angestellt als mittags. Deshalb haben sie mir schlussendlich einen Löffel bestellt. Ich habe mich so frustriert und gedemütigt gefühlt, dass ich im Restaurant am liebsten geheult hätte. Nächste Situation, in der ich mich nach Hause gewünscht habe.
Irgendwie sind wir zurück ins Dorm gekommen und da hat sich herausgestellt, dass der Adapter mit allem passt, außer mit meinem Laptopstecker. Da es im Zimmer nur LAN gibt, war das sehr doof. Ich war ziemlich wütend, hab mich aber abgeregt, als ich nachher mit Talla und Onchiko in Tallas Zimmer geredet und ein japanisches Bier getrunken habe. ich bin erst um drei ins Bett gefallen, mit dem Wissen, um 7.00 Uhr wieder aufstehen zu müssen, weil es dann weiter zur Uni ging.

Das Abenteuer beginnt

Am 09.09.14 sind Lukas und ich in Japan angekommen – nach einem schier endlosen Flug. Gestartet sind wir am 08.09. in München. Von dort aus ging es in einem sechsstündigen Flug nach Abu Dhabi, wo wir eine Zwischenlandung und einen kurzen Aufenthalt hatten. Obwohl es schon 21.00 Uhr war, als wir angekommen sind, waren es immer noch 40° Außentemperatur und man konnte kaum atmen auf dem Rollfeld.  Mit einer recht kurzen Wartezeit ging es dann weiter: Jetzt kam der Zehn-Stunden-Flug nach Tokyo. Ich war unglaublich müde und wollte den Großteil des Fluges verschlafen, weil ich in der Nacht vor dem Abflug kaum geschlafen hatte, aber es sollte nicht sein. Also war ich die meiste Zeit wach und habe die Japaner bewundert, die in den unmöglichsten Haltungen tief und fest den ganzen Flug bis auf das Essen verschlafen haben. Wirklich beneidenswert.
Um 13.10 Uhr Ortszeit Tokyo sind wir dann endlich gelandet. Wir hatten vom Flugzeug aus schon den berühmten Fuji bestaunen können und waren jetzt wirklich gespannt, was dieses Land uns bringen würde. Zunächst: die Einreiseprozedur. Brav in Reih und Glied haben wir gewartet, bis wir an den Schalter gerufen wurden. Alle Dokumente gecheckt und okay, Foto gemacht und die Residential Card (eine Art Personalausweis auf Zeit) ausgehändigt bekommen. Nervös wie ich war, bin ich dem guten Mann dann schon weggelaufen, bis er mich zurückgerufen hat – er hatte ja noch meinen Reispass…
Nachdem wir das sowie die Gepäckabholung hinter uns gebracht haben durften wir raus. Da wir den Shuttle Bus zu unseren Wohnheimen in Anspruch nehmen wollten, haben wir den Treffpunkt gesucht und waren ein wenig verzweifelt, weil niemand da war. Im Endeffekt waren wir nur ein bisschen zu früh und haben dann doch alle Leute gut gefunden. Nachdem wir draußen schon beinahe in den falschen Bus eingestiegen wären, ging es dann endlich los Richtung Tokyo. Es war wieder eine lange Fahrt, aber wir haben einiges von Bus aus gesehen und mir war sofort klar, dass man Toyko mit keiner anderen europäischen oder amerikanischen Großstadt vergleichen kann. Nach zweieinhalb Stunden kamen wir dann endlich an meinem Dorm an; die Schlüssel für die Zimmer wurden ausgeteilt und wir bekamen einige erste Regeln erklärt. Von Anfang an war klar, dass ich kein Wort von dem verstehe, was die Japaner auf japanisch sagen. Frustrierend, aber ich war so müde, dass es mir egal war.
Die Zimmer sind schön und geräumig; jeder hat eine etwas andere Ausstattung und ich gehöre zu den Glücklichen mit einem Kühlschrank! Wir haben alle zusammen zu Abend gegessen und ich bin um 0.00 Uhr ins Bett gegangen und habe sofort geschlafen trotz Straßenlärm.