Emperor’s Birthday

Noch ein Tag, dann ist Weihnachten! Ganz angekommen ist das bei mir immer noch nicht, trotz zweier Pakete aus der Heimat…
Ein Tag vor Weihnachten – das bedeutet auch, dass der Kaiser von Japan, der Tenno, Geburtstag hat. 1933 geboren ist er dieses Jahr 81 geworden. Und wie jedes Jahr an seinem Geburtstag hat er den Kaiserpalast in Tokyo besucht. Dort hat er drei öffentliche Auftritte gehabt mit einer kurzen Rede.
Da man nicht allzu oft die Gelegenheit dazu hat, einen Monarchen aus der Nähe zu sehen – abgesehen von dem Fakt, dass ich wahrscheinlich nicht allzu oft über seinen Geburtstag in Japan und in Tokyo sein werde -, wollte ich unbedingt hin. Auch die Aussicht auf den an diesem Tag geöffneten kaiserlichen Park hat mich sehr gelockt. Also hab ich mir Miri geschnappt und bin mit ihr hin.
Wir wollten versuchen, dem ersten Auftritt beizuwohnen und sind daher zu nachtschlafender Zeit aufgestanden (zumindest nach Studentenlebensrhythmus). Ich war um 5.10 Uhr auf den Beinen, habe aber auch noch mit Michael geskypt, da wir uns schon ewig nicht mehr gehört haben. Um 7 Uhr ging es dann los zum Bahnhof und etwa anderthalb Stunden später kamen wir an der Tokyo Station an. Nachdem wir einen netten Bahnhofsangestellten gefragt hatten, welchen Ausgang wir am besten nehmen sollten, kamen wir also aus dem Untergrund, Miri dreht sich um und flippt erstmal aus. Sie war zum ersten Mal an der Tokyo Station und die ist ja nun mal unfassbar schön. “Sind wir noch in Tokyo oder schon in London??” hat das Ganze sehr schön auf den Punkt gebracht.

Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab's schon in einem früheren Eintrag)
Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab’s schon in einem früheren Eintrag)
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!

Von der Station sind wir dann Richtung Palast gelaufen; auf dem Weg dahin haben wir noch einige schöne Bilder gemacht – ich habe euch ja letztes Mal schon die Ohren vollgeschwärmt, wie schön dieses Stadtviertel ist.

ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
schöne Eingangstür
schöne Eingangstür
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür...
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür…
Brücke über den Burggraben
Brücke über den Burggraben
Schwan
Schwan (hat uns ganz schön erschreckt, als er plötzlich die Schwingen ausgebreitet hat!)
wartende Menschen
wartende Menschen
Fahnen tragende Offizielle
Fahnen tragende Offizielle

Als wir uns dem Palast, besser gesagt, dem Platz, bevor man das Palastareal betreten kann, genähert haben, stand da schon eine riesige Menschenmenge und hat gewartet. Wir waren wohlgemerkt kurz vor neun Uhr da – die erste Ansprache sollte um 10.10 Uhr stattfinden. Wir waren erst etwas verwirrt, wo wir uns denn nun anstellen sollten, da wir auch die Ansprache der Ordnungsleute nicht verstanden haben, bis wir schließlich einfach der Menschenmenge gefolgt sind. Wir kamen in einer Schlange an, in der wir dann unsere Fähnchen zum Winken bekommen haben. Die haben sehr genau kontrolliert, dass auch wirklich jeder eine Fahne hat – anders hätte man wahrscheinlich nicht Richtung Sicherheitskontrolle gehen dürfen. Unsere Taschen wurden kontrolliert und uns wurde beigebracht, dass man drinnen keine Fotos machen darf. Wir haben das akzeptiert und mussten dann noch durch den Bodycheck. Die nette Dame hat mich etwas gefragt und ich war erst sehr verwirrt, weil ich sie nicht direkt verstanden habe, aber dann kam doch an, dass sie mich gefragt hat, ob ich etwas in meinen Taschen habe. Ich habe das also verneint und sie hat das bestätigen können, also durfte ich rein. Wir kamen dann in einer noch größeren und längeren Schlange an; neben uns waren noch drei gleichen Ausmaßes und von der anderen Seite des Platzes kamen ebenfalls Menschen. Unglaublich.
Nach etwa einer halben Stunde Warterei ging es dann endlich los – wir durften über die Brücke das Areal des kaiserlichen Palastes betreten. Wir wurden dann einen Weg langgelotst bis zu einem riesigen Platz vor dem eigentlich Palast. Und mit riesig meine ich verdammt riesig!
Der Palast alleine ist locker 200m lang mit komplett verglastem Balkon. Es gibt dann noch eine kleine “Loge”, die wahrscheinlich nochmal extra mit Sicherheitsglas verglast wurde. In der Loge standen zwei wunderschöne große Ikebana-Arrangements und ein Mikro. Die eigentlich Front des Palastes besteht aus verschiebbaren, hellen Holztüren.
Der Platz ist noch ein Stück länger als der eigentlich Palast und locker 40 Meter tief – da passt also einiges an Menschen drauf. Wir haben uns einen sehr guten Platz frontal vor der Loge sichern können; auch weit genug vorne, damit die Sicht nicht völlig von Menschen verdeckt wird. Hinter uns, am Ende des Platzes, standen unglaublich viele Journalisten mit unfassbar großen Kameras auf einer kleinen Erhöhung und haben genauso gewartet wie wir.
Auf dem Platz war es erstaunlich leise für so eine große Menschenmenge. Dann kam eine Ansage auf Japanisch, von der wir nur verstanden haben, dass es jetzt 10.10 Uhr ist und der Kaiser wohl gleich auftritt. Danach wieder kurz warten, noch eine Ansage und dann wurde es immer stiller. Jeder hat gespannt mit seinem Fähnchen in der Hand darauf gewaretet, dass sich die Holztüren hinter der Loge öffnen. Als das dann passiert ist, ist die Menge völlig ausgeflippt. “Tenno! Tenno!” Schreie, unverständliche Rufe und wildes Fähnchen-schwenken. Miri und ich waren kurz überfordert von dieser Situation und haben uns dazu entschieden, einfach fröhlich mitzuschwenken. Der Kaiser ist dann im schwarzen Anzug in die Loge getreten, hinter ihm seine Frau und seine beiden Töchter (zumindest gehe ich davon aus, dass es seine Töchter sind). Sie waren jedenfalls wunderschön festlich, majestätisch und elegant in beige und grün gekleidet – gleicher Schnitt und ein kleines Hütchen.
Alle haben sehr majestätisch zu uns runtergewunken. Dann wurde es totenstill auf dem Platz und Akihito hat seine Rede gehalten. Die ersten beiden Worte habe ich verstanden, danach wurde es vage. Nach der Rede, die nur etwa 3 Minuten ging, war noch kurz Stille und dann ging das Geschreie und Fähnchen-schwenken wieder los. Alle haben wieder nett gewunken, diesmal etwas länger, und haben sich dann wieder zurückgezogen.
Zieht man eine Zeitbilanz – 90 min Anreise, 30 min Fotos machen und zum Palast gehen und 80 min warten gegen 5 min kaiserliche Familie – klingt das ganz schön lächerlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass es doch recht kalt geworden ist hier (ich hatte trotz zwei Paar Socken kalte Füße). Aber man hat nicht oft die Gelegenheit, einem Monarchen so nahe zu kommen. Außerdem war es unbeschreiblich, Teil dieser absolut euphorischen Menge zu sein, die ihrem Tenno zujubelt, als gäbe es keinerlei Probleme in Japan. Faszinierend, die Ausstrahlung von Hoheiten auf die “gemeine” Menge.
Nach dem Verschwinden der kaiserlichen Familie wurde dann geordnet der Platz verlassen und man konnte entweder direkt heim oder in die East Imperial Gardens. Wir haben uns natürlich für den Garten entschieden und haben dort locker nochmal anderthalb Stunden mit Bilder machen und angucken verbracht. Deswegen auch jetzt eine Tonne an Bildern.
Ich war brav und habe keine Bilder vom Tenno gemacht; das müsst ihr euch von offiziellen Seiten besogen. Ich habe aber versucht, Bilder vom Palast zu machen. Das ist in einer gehenden Menschenmasse schwierig und außerdem ist der Palast einfach zu groß, um ihn auch nur annähernd so eindrucksvoll rüberzubringen, wie er eigentlich ist. Ich hoffe, es gibt euch trotzdem einen kleinen Eindruck davon.

Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Front des Palastes - bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Front des Palastes – bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Kunst (?) nahe des Platzes
Kunst (?) nahe des Platzes
Gebäude
Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
kleineres Gebäude
kleineres Gebäude
Blcik über einen Teil des Gartens
Blick über einen Teil des Gartens
Steinkeller
Steinkeller
künstlerisch wertvolles Bild: "Herbst"laub einen Tag vor Weihnachten
künstlerisch wertvolles Bild: “Herbst”laub einen Tag vor Weihnachten
Steinwall und Aussichtsplattform
Steinwall und Aussichtsplattform
Ausmaße des Platzes von der anderen Seite aus
Ausmaße des Gartens von der anderen Seite aus
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nciht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nicht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
Peace Japan!
Peace Japan!
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
weiteres Gebäude
weiteres Gebäude
toller Baum
toller Baum
Hauseingang
Hauseingang
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Burggraben
Burggraben

Auf dem Weg zurück zur Station sind wir an einem wunderschönen Platz vorbeigekommen. Ich hatte ihn bei meinem letzten Besuch aus der Ferne fotografiert; diesmal waren wir drauf und er ist noch viel schöner als gedacht. Davon also auch noch ein paar Fotos.

entlang der Straße
entlang der Straße
immer noch Bruggraben, soweit ich das beurteilen kann
immer noch Burggraben, soweit ich das beurteilen kann
schöne Gebäudefassade
schöne Gebäudefassade
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Muscheeeeel
Muscheeeeel
Ginko-Blatt mit Schatten - das wasser sieht man seltsamerweise nicht
Ginko-Blatt mit Schatten – das wasser sieht man seltsamerweise nicht
noch eine Wasseranlage
noch eine Wasseranlage
davon gibt es einige auf dem Platz
davon gibt es einige auf dem Platz
"Wasserfall"
“Wasserfall”
Platten zum Überqueren der Wassergräben
Platten zum Überqueren der Wassergräben

Nach der anstrengenden Tour haben wir uns ein gutes Ramen gegönnt!
Heute Abend habe ich dann endlich das zweite Päckchen – was heißt Päckchen, PAKET!! – abholen können! Ich hab mich halb zu Tode gefreut! Weihnachtsgeschenk (^_^)
Miri und ich haben dann heute Abend schon etwas genascht – absoluter Genuss. Man lernt erst zu schätzen, was man nicht hat. Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass wir langsam, aber sicher unsere Muttersprache verlernen. Dass wir englische Wörter oder Ausdrücke in unsere Sätze einbauen, ist ja schon schon ein alter Hut. Jetzt fangen wir an, Sprichwörter oder Ausdrücke zu vergessen. Es hat eine Minute gedauert, bis wir den Ausdruck “non-plus-ultra” zusammenhatten (“Ultimatum? Nee, aber so ähnlich!”). Ich habe heute auch voller Überzeugung “Tiefe Wasser sind still!” gesagt, bis mir nach kurzem Nachdenken aufgefallen ist, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und so was nach dreieinhalb Monaten! Schlimm. Macht euch auf etwas gefasst, wenn ich zurückkomme. :D

In diesem Sinne wünsche ich euch Frohe Weihnachten und schöne Feiertage mit euren Liebsten!!! Genießt das Fest mit eurer Familie!

meine Weihnachtsdeko :)
meine Weihnachtsdeko :)

Fieldtrip ins Life Security Center

Ja schon wieder ein neuer Eintrag, unfassbar…
Mit unserem Japanischkurs waren wir heute im Life Security Center in Tokyo. Was genau es dort alles gibt, erfahrt ihr gleich.
Mein Weg dorthin war ein ganzes Stück länger als der übliche zur Uni; immerhin musste ich nicht umsteigen. Eigentlich wollte ich zusammen mit Kaydie und Steph vom Dormitory aus starten; Kaydie war allerdings krank und Steph zu spät – da ich Deutsche bin, noch etwas zu trinken gebraucht habe und außerdem den rausgesuchten Zug nicht verpassen wollte, hatte ich drei gute Gründe, nicht länger als 5 Minuten zu warten. Glücklicherweise habe ich keinerlei Problem damit, alleine Zug zu fahren. Ich bin also zum Express gewechselt und dann etwa eine Stunde bis nach Kinshicho gefahren. Dort habe ich dann sorgfältig meinen Stadtplan studiert und bin Richtung Life Security Center marschiert. Da unsere Lehrerin sinnvollerweise den ganzen Block als Treffpunkt markiert hat, musste ich ein wenig suchen, bis ich den Eingang gefunden hatte. Ich war drei Minuten zu früh da, aber keine Lehrerin in Sicht (ich muss auch zugeben, dass ich nicht im Gebäude nachgesehen habe, weil ich vorm Gebäude treffen als einzig sinnvolle Option erachtet habe). Also habe ich einer Kommilitonin geschrieben, wo sie wäre. Ich habe sie und zwei Jungs aus dem Kurs dann an der Hauptstraße getroffen und wir haben unsere Lehrerin angerufen. Ein sehr lustiges Gepräch, das auf Japanisch stattgefunden hat.
Isaiah am Telefon: Sensei? Isaiah desu. Sensei wa doko? (Sensei= Lehrer; hier ist Isaiah. Wo sind Sie?) Sensei: …. Isaiah: Wakarimasen. (Verstehe/weiss ich nicht) Sensei: …. Isaiah: Wakarimasen. [Morgan und ich bekommen einen Lachanfall] Sensei: …. Isaiah: Honjo Fire Station no chikaku (bei der Honjo Fire Station) Sensei: …. Isaiah: Aaaaah wakatta wakatta (verstanden) [legt auf] She’s inside the building.
Nach dieser aufschlussreichen Konversation sind wir dann reingegangen, wo sie tatsächlich gewartet hat. Ich habe Kaydie entschuldigt und Verspätung sowohl für Steph als auch für Alejandro und Brady angekündigt (mit denen stand ich in LINE-Kontakt, sie sind von der Station aus in die falsche Richtung gelaufen. Wozu schicke ich Stadtpläne herum??). Anstatt 12.45 Uhr war es dann nach 13.00 Uhr bis wir anfangen konnten. Zuerst wurde ein Film gezeigt über die Auswirkungen des Erdbebens und des Tsunamis am 11.3.2011 (kurz vor Anfang haben Alejandro und Brady uns dann tatsächlich gefunden).

Der Film war interessant, aber auch unglaublich schockierend. Man hat ja schon viele Bilder der Überschwemmung gesehen, aber Videos davon zu sehen, wie der Tsunami Schutzwälle einfach überrollt und Autos, Häuser und Schiffe mit sich reißt, war wirklich schockierend. Die Zerstörung an der Ostküste Japans ist wirklich verheerend; da wurden ganze Städte einfach ausgelöscht von Wasser, das teilweise so hoch stand wie mehrstockige Gebäude. Die Messgeräte waren nicht mehr in die Lage, die Höhe des Tsunamis zu messen, weil sie bei 9,30 Metern aufhören… Nach dem Tsunami kamen dann große Feuer in vielen Regionen dazu. Sogar in Tokyo sind Menschen durch das Erdbeben gestorben und viele Pendler sind nicht nach Hause gekommen. Am gruseligsten waren aber die Bilder von Hochhäusern in Shinjuku, die hin und her geschwankt sind – allerdings mehrere Meter!

Danach ging dann der lustige Teil los: erlebe, wie stark Wasser sein kann, das gegen eine Tür drückt; erlebe ein Erdbeben (Boden und Hochhaus); lösche einen Brand und erlebe einen Taifun. Den Tsunami haben sie glücklicherweise nicht nachgestellt…
Die Instruktionen waren zwar komplett auf Japanisch, weswegen man leider nicht alle interessanten Zusatzinformationen mitbekommen hat, aber unsere Lehrerin hat alles auf “einfaches” Japanisch übersetzt, sodass wir wussten, was wir zu tun hatten.

Erster Teil: Drücke eine normale Tür bzw. eine Autotür auf, gegen die Wasser strömt
Klingt einfach, ist es aber nicht. Das Ganze wurde natürlich nicht mit Wasser, sondern mit Elektrik simuliert, seinen Zweck erfüllt hat es aber trotzdem.
An der normalen Wohnungstür hab es die Höhen 10, 20, 30 und 40 Zentimer. 10 und 20 ist okay, 30 fand ich schon ziemlich schwer und 40 habe ich grade einen Fingerbreit aufbekommen, obwohl ich mich mit dem ganzen Körper dagegen geworfen habe. Ein Einziger von uns – ein Deutscher!  :D – hat es geschafft, im zweiten Anlauf und mit viel Mühe. Soweit ich verstanden habe, sind es bei 40 cm Wasserhöhe 64 Kilogramm, die gegen die Tür drücken. Wow…
An der Autotür habe ich kläglich versagt. Dadurch, dass man eine sehr viel ungünstigere Hebelwirkung hat, da man sitzt, hab ich nicht mal die 30 cm Wasserhöhe nicht geschafft. Hier haben glaube ich alle Jungs die 40 cm geschafft – allerdings mit Mühe (und ich durfte trainierte Rückenmuskeln bewundern ^_^ ).

Zweiter Teil: Erlebe ein Erdbeben der Stärke 7 (11.3.2011)
Eine Plattform war als Raum eingerichtet mit Herd, Schränken aus Schaumstoff und einem Tisch, dessen Beine und Platte gepolstert waren. Die Anweisung war: während dem Erdbeben auf den Boden knien, an den Tischbeinen festhalten, Kopf unter den Tisch halten. Nach dem Beben mit einem Kissen den Kopf schützen, Gas am Herd ausmachen und die Tür checken.
Wir haben also in Viererteams die Plattform geentert, die dann ein Stück hochgefahren wurde.
Der erste Teil war zwar nicht wirklich angenehm, vor allem, wenn man bedenkt, dass in der Wirklichkeit Tischbeine nicht gepolstert sind, aber ganz gut auszuhalten. Ich habe dann die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, das Gas auszumachen.
Der zweite Teil simuliert dann die gleiche Stärke, allerdings mit dem Zusatz, dass man sich in einem Hochhaus befindet (und zwar nicht im ersten Stock!!). Da war der Spaß dann vorbei. Ich habe mich nur noch panisch an mein Tischbein geklammert und versucht, nicht überall anzustoßen. Der Tisch ist auch noch durch die Gegend gerutscht. Hier sind dann auch die Schaumstoffschränke umgefallen (ein Glück war das näher an Alejandro als an mir). Es hat sich angefühlt, als würde das Beben Ewigkeiten dauern und als es endlich vorbei war, habe ich es kaum geschafft, aufzustehen und das Gas auszumachen. Alejandro, der faule Kerl, blieb schön auf dem Boden knien und hat mir Anweisungen gegeben. :D
Wir sind dann von der Plattform gewankt und waren froh, als wir auf stabilem Untergrund 5 Minuten sitzen und einen Film schauen konnten. Morgans Kommentar: “If I have to experience that during my stay here, then Sayonara Japan!” (Wenn ich das während meinem Aufenthalt hier erleben muss, dann auf Wiedersehen Japan!) Sehr treffend…
Was ich gelernt habe: Während einem Erdbeben möchte ich nicht in einem richtig hohen Hochhaus sein (20. Stock aufwärts). Bei einem Beben dieser Stärke bleibt kein Mensch aufrecht stehe und Tische – egal, ob gepolstert oder nicht – sind wirklich ein sehr willkommenes Überlebensutensil, auch wenn sie verrutschen.

Dritter Teil: Lösche ein Feuer, das nach einem Erdbeben ausgebrochen ist
Auch hier haben wir wieder in Viererteams gearbeitet. Das Feuer war natürlich nicht echt, sondern nur auf einem Screen dargestellt. Wir haben mit Wasser gelöscht und dort, wo der Wasserstrahl den Screen getroffen hat, wurden Sensoren ausgelöst und das Feuer ging aus. Das erste Team hat überlebt, meines leider nicht (auf meiner Seite war ordentlich gelöscht, ich schwöre!). Das fand ich im Bezug auf Erdbeben jetzt nicht besonders spektakulär, aber für den Alltag doch sehr praktisch: bis heute wusste ich nämlich nicht, wie man einen Feuerlöscher bedient. Wichtige Alltagsdinge, die einem niemand beibringt… Was diese Übung dann aufgeworfen hat, war die Frage, ob alle in ihren Wohnungen einen Feuerlöscher in greifbarer Nähe haben. Ich im Dorm hab einen eine Tür weiter, aber sowohl Morgan und Isaiah als auch Alejandro und Brady haben keinen in der Wohnung. Über eine Anschaffung wird jetzt ernsthaft nachgedacht.

Vierter Teil: Erlebe einen starken Taifun
Dafür durften wir uns alle in Schale werfen – Regenjacke mit Schutzvisier vorne, Regenhose und Gummistiefel. Dann ging es in den Simulationsraum, wo es die Instruktionen gab. Der Instructor hat sich im Vorhinein schon entschuldigt, was einiges heißen will.
Als es dann losging, hab ich verstanden, warum. Wind ohne Ende, Wasser, das einem horizontal ins Gesicht bzw. das Schutzvisier klatscht – unschön. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man normalerweise nicht so gut ausgerüstet ist. Jetzt verstehe ich auch völlig, warum hier die Uni ausfällt, wenn ein Taifun angekündigt ist und warum man das Haus nicht verlassen soll…

bevor die Taifun-Simulation losging
bevor die Taifun-Simulation losging

Danach war unser Erlebnis auch schon rum, aber ich muss sagen: es war lustig, interessant und hat einem die Augen geöffnet dafür, wie stark die Natur wirklich ist…
Nach dem Fieldtrip bin ich zurück zur Uni, wo ich mit Miri und Nate zu Abend gegessen hab und dann bin ich direkt heim, um euch das Erlebte mitzuteilen.

Ein weiteres, unschönes Erlebnis möchte ich aber auch noch mit euch teilen: als ich letzten Samstag zur Uni fahren wollte und am Bahnhof ankam, stand eine riesige Menschenmenge vor den Barrieren und niemand ging rein. Ich war zuerst verwirrt, weil ich die Ansagen nicht verstanden habe und auch die Laufschrift auf den Displays nicht entziffern konnte. Eine Kommilitonin hat mich dann aufgeklärt: es gab einen Unfall auf den Schienen und von Azamino (eine Station vor uns) bis nach Nagatsuta (fünf Stationen hinter uns) fuhr kein Zug mehr. Anderthalb Stunden lang. Wir hatten dann einen komplizierten und langen Weg zur Uni, aber meine Gedanken sind eher bei dem Menschen, der es als letzten Ausweg gesehen hat, sich vor einen Zug zu werfen. Befremdlich war auch, dass die Menschen hier von so etwas nicht mehr schockiert oder entsetzt sind; es scheint zum Alltag zu gehören. Ich bete für diesen Menschen und seine Familie – und dafür, dass unsere Gesellschaft Suizid nicht als alltäglich akzeptiert…

Advent, Advent – kein Lichtlein brennt

Mein letzter Blogeintrag ist wirklich schändlich lange her, aber es ist zugegebenermaßen auch nicht allzu viel interessantes geschehen (aus meiner Sicht).
Samstag, den 29.11., hatten wir eine Doppelstunde Global Business mit zwei Gastsprechern, die beide äußerst interessant waren. Einer von ihnen, Makoto Okubo, reist für die OECD um die Welt und besucht Konferenzen. Er hat uns seine internationalen Erfahrungen mitgeteilt und die unterschiedlichen Kommunikationsarten verschiedener Nationen auf sehr interessante und humorvolle Weise dargestellt. Der nächste Gastsprecher kam von der AP Bank und ist eigentlich Manager einer erfolgreichen japanischen Musikgruppe. Mit dem Geld, das diese Gruppe verdient, haben sie die Bank eröffnet und stellen sich tagtäglichen Problemen entgegen: sie verleihen Kredite an Leute, die nicht bei einer großen Firma angestellt sind (in Japan bekommen diese Leute normalerweise keinen Kredit), sie führen eine eigene Farm, die auch mehrere firmeneigene Restaurants beliefert, sie leisten Hilfe in Fukushima und einiges mehr. Beide Vorträge waren äußerst kurzweilig und haben einiges Wissenswerte fürs Leben mitgegeben. Abends habe ich dann mehr Leben genossen als mich weiterzubilden und bin ausgegegangen.
Den nächsten Samstag hatten wir auch wieder einen Gastsprecher, diesmal ein Deutscher namens Jesper Koll. Er ist vor 20 Jahren in Japan gestrandet und arbeitet jetzt bei JP Morgan und ist ein angesehener Ökonom. Er sagt der japanischen Wirtschaft eine durchaus rosige Zukunft voraus, während unser Dozent den Teufel an die Wand malt. Um so spannender (und für uns lustiger) war natürlich die Diskussion der beiden nach dem Vortrag: unser Dozent wurde richtig emotional und aufgeregt, während Jesper total cool geblieben ist, den Studenten Grimassen geschnitten hat und immer gute Gegenargumente hatte (überzeugt hat er mich trotzdem nicht ganz). Am meisten bewundert habe ich ihn allerdings dafür, wie er unserem Dozenten die Stirn geboten hat: es ist wirklich schwer gegen ihn eine Diskussion zu gewinnen – geschweige denn zu Wort zu kommen -, besonders, wenn man kein Englischmuttersprachler ist. Jesper hat das ganz souverän gemacht, hat ihn auch mal unterbrochen und sich nie aus dem Konzept bringen lassen. Nach dem Kurs standen wir noch draußen mit ihm und haben uns unterhalten; er ist – zumindest nach dieser kurzen Zeit zu urteilen – ein Mensch, der enormes Wissen und Erfahrung besitzt und auch gerne mal Tipps gibt, wie man im Leben voran kommt.
Ab dem Mittwoch letzter Woche habe ich intensiv an einer Hausarbeit gearbeitet, die – man glaubt es kaum – ein sehr interessantes Thema hatte: Peacekeeping Operations der UN während dem Bosnienkrieg. Ich bin jetzt um einiges schlauer, was Peacekeeping überhaupt und den Bosnienkrieg im Speziellen angeht und ich war überrascht und schockiert, wie Bürokratie und der Streit um Prinzipien zur nicht-Verhinderung eines Genozids geführt haben. Diese Hausarbeit war mittwochs fällig; nebenbei habe ich diesen Montag dann noch eine zweite, kürzere Hausarbeit für Dienstag fertig gestellt. Mittwoch und Donnerstag war ich dann schändlich faul und erst heute habe ich mit Miri nach unseren Kursen einen kleinen Ausflug nach Futako-Tamagawa gemacht. Dort haben wir ein wenig entspannt und ich habe Fotos gemacht (weiter unten).
Außerdem habe ich letzten Donnertag Lukas verabschiedet, der früher nach Hause geflogen ist. Tränen und ein langer Abschied wurden verhindert, aber ich fühle mich durchaus ein wenig verlassen – und absolut neidisch, weil er jetzt auf Weihnachtsmärkten Glühwein trinken kann!!
Apropos Weihnachtsmarkt und Glühwein… Der eigentliche Zweck dieses Eintrags ist es, Weihnachten in Japan ein wenig zu beschreiben. Zuallerst: ich fühle mich absolut nicht weihnachtlich. Ist auch schwierig bei 10° und strahlendem Sonnenschein. Ich laufe immer noch in dünnen Pullis rum und trage meine Stiefel höchstens mal zu einem Rock…
Weitere Gründe, warum ich mich nicht weihnachtlich fühle: es gibt keine Adventskränze (und ich habe keinen Adventskalender).  Ich musste grade auf dem Kalender nachschauen, um herauszufinden, welcher Advent denn am Sonntag ist. Das sollte einiges aussagen darüber, wie weihnachtlich es hier ist. Das ist andererseits aber auch verständlich, da in Japan das Christentum nicht allzu weit verbreitet ist. Es ist zwar überall schön weihnachtlich dekoriert, es laufen Weihnachtslieder in den Supermärkten, aber ansonsten hat sich nichts wesentlich verändert: es sind so viele Menschen in den Geschäften wie immer und sie sehen nicht weniger und nicht mehr gestresst aus als sonst.
Miri, die Chatleader an der Aogaku ist, hat mir erzählt, dass sie während einer Session die Teilnehmer gefragt hat, was sie denn so an Weihnachten vorhaben. Pärchen gehen aus und der Rest arbeitet. Das fanden wir ebenfalls äußerst deprimierend, wenn man bedenkt, wie wir es gewohnt sind, Weihnachten zu verbringen. Andere Länder, andere Sitten…
Miri und ich werden an Weihnachten wohl gemeinsam Essen gehen und für die Ferien haben wir uns schon einiges vorgenommen, so dass uns im Dorm nicht völlig die Decke auf den Kopf fällt. Ansonsten werde ich die freie Zeit wohl mit Hausarbeiten schreiben verbringen. Außer an Silvester. Da werde ich ausgehen und Feuerwerk schauen und das Nachtleben hier in Tokyo genießen. Darauf freue ich mich auch schon richtig.
So ganz nebenbei habe ich Ferien auch langsam dringend nötig. Zu Hause fängt das Semester schließlich ganze vier Wochen später an und ich habe weniger zu tun. Man fühlt sich wie in der langen Schulzeit zwischen Oster – und Sommerferien: man geht jeden Tag hin, weil man muss, aber man zählt die Tage, bis man endlich frei hat. Nächste Woche haben wir allerdings einen ganz interessant Fieldtrip ins Life Security Center: dort werden Erdbeben, Taifune und Tsunamis simuliert und man lernt, wie man sich in welcher Situation richtig verhält. Das hätte ich zu Beginn meines Aufenthalts sinnvoller gefunden, aber so wird es bestimmt auch lustig und lehrreich. Schließlich ist man von Deutschland derlei Naturereignisse ja nicht gewohnt.
Jetzt aber einige Bilder vom weihnachtlichen Japan und der nächste Beitrag wird nicht so lange auf sich warten lassen, versprochen…

Kapelle auf dem Campus
Kapelle auf dem Campus
campuseigener Wihnachtsbaum
campuseigener Wihnachtsbaum
Weihnachtsbaum in einem Schaufenster
Weihnachtsbaum in einem Schaufenster
Weihnachtsbaum in Futakotamagwa Station
Weihnachtsbaum in Futakotamagawa Station
kleines Wihnachtsbaum-Schlitten-Panorama
kleines Wihnachtsbaum-Schlitten-Panorama
wunderschön geschmückte kleine Bäumchen
wunderschön geschmückte kleine Bäumchen
... von der anderen Seite
… von der anderen Seite
geschmückte Fassaden in Futakotamagawa
geschmückte Fassaden in Futakotamagawa