Emperor’s Birthday

Noch ein Tag, dann ist Weihnachten! Ganz angekommen ist das bei mir immer noch nicht, trotz zweier Pakete aus der Heimat…
Ein Tag vor Weihnachten – das bedeutet auch, dass der Kaiser von Japan, der Tenno, Geburtstag hat. 1933 geboren ist er dieses Jahr 81 geworden. Und wie jedes Jahr an seinem Geburtstag hat er den Kaiserpalast in Tokyo besucht. Dort hat er drei öffentliche Auftritte gehabt mit einer kurzen Rede.
Da man nicht allzu oft die Gelegenheit dazu hat, einen Monarchen aus der Nähe zu sehen – abgesehen von dem Fakt, dass ich wahrscheinlich nicht allzu oft über seinen Geburtstag in Japan und in Tokyo sein werde -, wollte ich unbedingt hin. Auch die Aussicht auf den an diesem Tag geöffneten kaiserlichen Park hat mich sehr gelockt. Also hab ich mir Miri geschnappt und bin mit ihr hin.
Wir wollten versuchen, dem ersten Auftritt beizuwohnen und sind daher zu nachtschlafender Zeit aufgestanden (zumindest nach Studentenlebensrhythmus). Ich war um 5.10 Uhr auf den Beinen, habe aber auch noch mit Michael geskypt, da wir uns schon ewig nicht mehr gehört haben. Um 7 Uhr ging es dann los zum Bahnhof und etwa anderthalb Stunden später kamen wir an der Tokyo Station an. Nachdem wir einen netten Bahnhofsangestellten gefragt hatten, welchen Ausgang wir am besten nehmen sollten, kamen wir also aus dem Untergrund, Miri dreht sich um und flippt erstmal aus. Sie war zum ersten Mal an der Tokyo Station und die ist ja nun mal unfassbar schön. “Sind wir noch in Tokyo oder schon in London??” hat das Ganze sehr schön auf den Punkt gebracht.

Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab's schon in einem früheren Eintrag)
Tokyo Station in schwarz-weiß (Farbe gab’s schon in einem früheren Eintrag)
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!
in schwarz-weiß sieht diese Gebäudeecke sehr viel interessanter aus als in Farbe!

Von der Station sind wir dann Richtung Palast gelaufen; auf dem Weg dahin haben wir noch einige schöne Bilder gemacht – ich habe euch ja letztes Mal schon die Ohren vollgeschwärmt, wie schön dieses Stadtviertel ist.

ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
ja, auch kurz vor Weihnachten blühen hier noch (oder etwa schon wieder?!) Bäume
schöne Eingangstür
schöne Eingangstür
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür...
Deko, wobei ich mir nicht sicher bin, wofür…
Brücke über den Burggraben
Brücke über den Burggraben
Schwan
Schwan (hat uns ganz schön erschreckt, als er plötzlich die Schwingen ausgebreitet hat!)
wartende Menschen
wartende Menschen
Fahnen tragende Offizielle
Fahnen tragende Offizielle

Als wir uns dem Palast, besser gesagt, dem Platz, bevor man das Palastareal betreten kann, genähert haben, stand da schon eine riesige Menschenmenge und hat gewartet. Wir waren wohlgemerkt kurz vor neun Uhr da – die erste Ansprache sollte um 10.10 Uhr stattfinden. Wir waren erst etwas verwirrt, wo wir uns denn nun anstellen sollten, da wir auch die Ansprache der Ordnungsleute nicht verstanden haben, bis wir schließlich einfach der Menschenmenge gefolgt sind. Wir kamen in einer Schlange an, in der wir dann unsere Fähnchen zum Winken bekommen haben. Die haben sehr genau kontrolliert, dass auch wirklich jeder eine Fahne hat – anders hätte man wahrscheinlich nicht Richtung Sicherheitskontrolle gehen dürfen. Unsere Taschen wurden kontrolliert und uns wurde beigebracht, dass man drinnen keine Fotos machen darf. Wir haben das akzeptiert und mussten dann noch durch den Bodycheck. Die nette Dame hat mich etwas gefragt und ich war erst sehr verwirrt, weil ich sie nicht direkt verstanden habe, aber dann kam doch an, dass sie mich gefragt hat, ob ich etwas in meinen Taschen habe. Ich habe das also verneint und sie hat das bestätigen können, also durfte ich rein. Wir kamen dann in einer noch größeren und längeren Schlange an; neben uns waren noch drei gleichen Ausmaßes und von der anderen Seite des Platzes kamen ebenfalls Menschen. Unglaublich.
Nach etwa einer halben Stunde Warterei ging es dann endlich los – wir durften über die Brücke das Areal des kaiserlichen Palastes betreten. Wir wurden dann einen Weg langgelotst bis zu einem riesigen Platz vor dem eigentlich Palast. Und mit riesig meine ich verdammt riesig!
Der Palast alleine ist locker 200m lang mit komplett verglastem Balkon. Es gibt dann noch eine kleine “Loge”, die wahrscheinlich nochmal extra mit Sicherheitsglas verglast wurde. In der Loge standen zwei wunderschöne große Ikebana-Arrangements und ein Mikro. Die eigentlich Front des Palastes besteht aus verschiebbaren, hellen Holztüren.
Der Platz ist noch ein Stück länger als der eigentlich Palast und locker 40 Meter tief – da passt also einiges an Menschen drauf. Wir haben uns einen sehr guten Platz frontal vor der Loge sichern können; auch weit genug vorne, damit die Sicht nicht völlig von Menschen verdeckt wird. Hinter uns, am Ende des Platzes, standen unglaublich viele Journalisten mit unfassbar großen Kameras auf einer kleinen Erhöhung und haben genauso gewartet wie wir.
Auf dem Platz war es erstaunlich leise für so eine große Menschenmenge. Dann kam eine Ansage auf Japanisch, von der wir nur verstanden haben, dass es jetzt 10.10 Uhr ist und der Kaiser wohl gleich auftritt. Danach wieder kurz warten, noch eine Ansage und dann wurde es immer stiller. Jeder hat gespannt mit seinem Fähnchen in der Hand darauf gewaretet, dass sich die Holztüren hinter der Loge öffnen. Als das dann passiert ist, ist die Menge völlig ausgeflippt. “Tenno! Tenno!” Schreie, unverständliche Rufe und wildes Fähnchen-schwenken. Miri und ich waren kurz überfordert von dieser Situation und haben uns dazu entschieden, einfach fröhlich mitzuschwenken. Der Kaiser ist dann im schwarzen Anzug in die Loge getreten, hinter ihm seine Frau und seine beiden Töchter (zumindest gehe ich davon aus, dass es seine Töchter sind). Sie waren jedenfalls wunderschön festlich, majestätisch und elegant in beige und grün gekleidet – gleicher Schnitt und ein kleines Hütchen.
Alle haben sehr majestätisch zu uns runtergewunken. Dann wurde es totenstill auf dem Platz und Akihito hat seine Rede gehalten. Die ersten beiden Worte habe ich verstanden, danach wurde es vage. Nach der Rede, die nur etwa 3 Minuten ging, war noch kurz Stille und dann ging das Geschreie und Fähnchen-schwenken wieder los. Alle haben wieder nett gewunken, diesmal etwas länger, und haben sich dann wieder zurückgezogen.
Zieht man eine Zeitbilanz – 90 min Anreise, 30 min Fotos machen und zum Palast gehen und 80 min warten gegen 5 min kaiserliche Familie – klingt das ganz schön lächerlich, vor allem, wenn man bedenkt, dass es doch recht kalt geworden ist hier (ich hatte trotz zwei Paar Socken kalte Füße). Aber man hat nicht oft die Gelegenheit, einem Monarchen so nahe zu kommen. Außerdem war es unbeschreiblich, Teil dieser absolut euphorischen Menge zu sein, die ihrem Tenno zujubelt, als gäbe es keinerlei Probleme in Japan. Faszinierend, die Ausstrahlung von Hoheiten auf die “gemeine” Menge.
Nach dem Verschwinden der kaiserlichen Familie wurde dann geordnet der Platz verlassen und man konnte entweder direkt heim oder in die East Imperial Gardens. Wir haben uns natürlich für den Garten entschieden und haben dort locker nochmal anderthalb Stunden mit Bilder machen und angucken verbracht. Deswegen auch jetzt eine Tonne an Bildern.
Ich war brav und habe keine Bilder vom Tenno gemacht; das müsst ihr euch von offiziellen Seiten besogen. Ich habe aber versucht, Bilder vom Palast zu machen. Das ist in einer gehenden Menschenmasse schwierig und außerdem ist der Palast einfach zu groß, um ihn auch nur annähernd so eindrucksvoll rüberzubringen, wie er eigentlich ist. Ich hoffe, es gibt euch trotzdem einen kleinen Eindruck davon.

Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Loge, in der die kaiserliche Familie stand
Front des Palastes - bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Front des Palastes – bitte verzeiht mir die Menschenmenge, aber anders wars schlichtweg nicht möglich
Kunst (?) nahe des Platzes
Kunst (?) nahe des Platzes
Gebäude
Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
noch ein ewig langes Gebäude
kleineres Gebäude
kleineres Gebäude
Blcik über einen Teil des Gartens
Blick über einen Teil des Gartens
Steinkeller
Steinkeller
künstlerisch wertvolles Bild: "Herbst"laub einen Tag vor Weihnachten
künstlerisch wertvolles Bild: “Herbst”laub einen Tag vor Weihnachten
Steinwall und Aussichtsplattform
Steinwall und Aussichtsplattform
Ausmaße des Platzes von der anderen Seite aus
Ausmaße des Gartens von der anderen Seite aus
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
kleiner Gartenweg, nicht wahr?
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nciht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
das Tor war von unserer Position aus eigentlich nicht zu sehen, habe mich sehr strecken müssen, damit die Kamera das Foto machen konnte
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
ein Opernhaus, wurden wir belehrt
Peace Japan!
Peace Japan!
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
eine der vielen perfekten Blüten, die ich heute fotografiert habe
weiteres Gebäude
weiteres Gebäude
toller Baum
toller Baum
Hauseingang
Hauseingang
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Delfinstatue, die früher auf dem Dach eines Lager- und Wachhauses angebracht war
Burggraben
Burggraben

Auf dem Weg zurück zur Station sind wir an einem wunderschönen Platz vorbeigekommen. Ich hatte ihn bei meinem letzten Besuch aus der Ferne fotografiert; diesmal waren wir drauf und er ist noch viel schöner als gedacht. Davon also auch noch ein paar Fotos.

entlang der Straße
entlang der Straße
immer noch Bruggraben, soweit ich das beurteilen kann
immer noch Burggraben, soweit ich das beurteilen kann
schöne Gebäudefassade
schöne Gebäudefassade
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Regenbogenfarben im Sprühwasser
Muscheeeeel
Muscheeeeel
Ginko-Blatt mit Schatten - das wasser sieht man seltsamerweise nicht
Ginko-Blatt mit Schatten – das wasser sieht man seltsamerweise nicht
noch eine Wasseranlage
noch eine Wasseranlage
davon gibt es einige auf dem Platz
davon gibt es einige auf dem Platz
"Wasserfall"
“Wasserfall”
Platten zum Überqueren der Wassergräben
Platten zum Überqueren der Wassergräben

Nach der anstrengenden Tour haben wir uns ein gutes Ramen gegönnt!
Heute Abend habe ich dann endlich das zweite Päckchen – was heißt Päckchen, PAKET!! – abholen können! Ich hab mich halb zu Tode gefreut! Weihnachtsgeschenk (^_^)
Miri und ich haben dann heute Abend schon etwas genascht – absoluter Genuss. Man lernt erst zu schätzen, was man nicht hat. Nebenbei haben wir auch festgestellt, dass wir langsam, aber sicher unsere Muttersprache verlernen. Dass wir englische Wörter oder Ausdrücke in unsere Sätze einbauen, ist ja schon schon ein alter Hut. Jetzt fangen wir an, Sprichwörter oder Ausdrücke zu vergessen. Es hat eine Minute gedauert, bis wir den Ausdruck “non-plus-ultra” zusammenhatten (“Ultimatum? Nee, aber so ähnlich!”). Ich habe heute auch voller Überzeugung “Tiefe Wasser sind still!” gesagt, bis mir nach kurzem Nachdenken aufgefallen ist, dass da irgendetwas nicht stimmt. Und so was nach dreieinhalb Monaten! Schlimm. Macht euch auf etwas gefasst, wenn ich zurückkomme. :D

In diesem Sinne wünsche ich euch Frohe Weihnachten und schöne Feiertage mit euren Liebsten!!! Genießt das Fest mit eurer Familie!

meine Weihnachtsdeko :)
meine Weihnachtsdeko :)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>