Nachholen aus dem alten und neuen Jahr

Ihr Lieben,
ich habe mich wirklich schändlich lange nicht mehr gemeldet… Erst einmal möchte ich euch (wenn auch sehr verspätet) ein Frohes Neues Jahr wünschen! Ich hoffe, 2015 hat gut angefangen für euch.
Ich habe meine Weihnachtsferien sehr langweilig verbracht: ich war am 24. und 25. zu Hause, habe mit meiner Familie und meinem Freund geskypt und habe Weihnachtsplätzchen genascht. Am 26. war ich mit Miri in Shibuya shoppen und essen und das nächste Mal, dass ich das Haus für länger als zum Einkaufen verlassen habe, war an Silvester. Miri und ich hatten einen wundervollen Plan: Essen gehen, etwas Trinken gehen, in einen Club gehen und die Nacht durchfeiern. So weit, so gut.
Jetzt eine kurze Erklärung zu Weihnachten und Silvester in Japan: Es ist das genaue Gegenteil zu uns. An Weihnachten arbeitet man, trifft sich mit dem Partner oder Freunden und unternimmt etwas Kleines. Silvester hingegen ist Familiensache. Da trifft sich die ganze Verwandtschaft, man verbringt den Abend zusammen und geht oft auch in einen Tempel.
Das war Miri und mir auch klar. Wir hatten uns zwischenzeitlich auch schon Feuerwerk schauen aus dem Kopf geschlagen, weil das nächste am Tokyo Tower gewesen wäre und wir dann nicht mehr zum Club gekommen wären. Mit den weiteren Konsequenzen hatten wir dann aber nicht gerechnet. Wir kamen in Shibuya an und haben uns fast gefürchtet: alles dunkel und dort, wo sonst Tausende Menschen über die Straßen gehen – nichts. Wenn man einer Menschengruppe von 5 Leuten begegnet ist, dann war das viel. Natürlich hatten auch alle Restaurants zu. Statt italienisch gabs dann McDonald’s, denn Essen muss der Mensch. Besonders, wenn er vorhat, später noch etwas zu trinken. Nach unserem Festmahl sind wir dann zurück zu Hachiko und wollten von dort aus zu TGI Friday’s, um etwas zu trinken. Wir haben uns fürchterlich verlaufen und statt 10 Minuten 40 gebraucht. In der Bar haben wir Brady, einen weiteren Austauschstudenten, getroffen. Wir haben dann auch gemütlich bis etwa halb oder viertel vor elf zusammen gesessen und etwas getrunken. Brady wusste noch nicht, was er machen will und wir Mädels sind weitergefahren nach Mitsukoshimae und zum Club. Dort haben wir Mark getroffen, einen Freund, den ich über Alejandro kennengelernt habe, und der hat uns zu David (ein weiterer Austauschstudent, der mit Alejandro und Brady zusammen lebt) und ein paar japanischen Mädels geführt. Wir haben uns dann erstmal ein bisschen unterhalten, wenn auch schwierig, da die Musik gut, aber sehr laut war. Es gab Künstler, die aufgetreten sind. Naja, beschönigen wir es nicht: es waren Poledancer. Aber gute, sowohl weiblich als auch männlich. Lustige Anekdote: wir schauen ihnen zu, drei Männer tanzen gleichzeitig an und auf der Stange, als die auf einmal nicht umkippt, sondern ABKNICKT!!! Es hat sich keiner verletzt und die Tänzer haben dann ohne Stange weitergemacht, deshalb war es um so lustiger. Die angeknickte Stange war dann über die Nacht ein begehrtes Fotomotiv.
Miri und ich wollten uns eigentlich für 12 Uhr einen Sekt holen; es hat aber länger gedauert als erwartet und so waren wir zwei Minuten zu spät dran. Nichtsdestotrotz haben wir den Countdown mitgezählt und uns ein Frohes Neues gewünscht und einfach etwas später angestoßen. Danach hat es eine Stunde gedauert, bis wir Mark wiedergefunden haben – wir haben allerdings sehr begabten und zumeist gut aussehende Poledancern zuschauen dürfen. Mark hat uns dann in den VIP-Bereich gebracht, wo auch David war. Mark hatte allerdings den Fehler begangen, David mit einer Flasche Wodka alleine zu lassen und so war der etwas betrunken, als wir zu ihm gestoßen sind. Das hat zu äußerst amüsanten Gesprächen geführt. Und dazu, dass David, als er sich schräg über mich gebeugt hat, um mit Miri zu tuscheln, vom Sitz gefallen ist und auf meinem Schoß gelandet ist. Ich war recht belustigt. Miri und ich haben dann noch einige Zeit im VIP-Bereich verbracht, abwechselnd sind mal Mark, mal David, mal beide verschwunden, aber wiedergekommen sind sie immer. Gegen halb vier Uhr morgens haben wir den Club verlassen. David hat Miri noch LINE eines Kerls besorgt und hat sich dann beim Treppen runterlaufen auf unsere Schultern gelegt und jedes Mal, wenn wir etwas auf Deutsch gesagt haben, “German, German German!” gerufen. Das ist jetzt noch ein geflügeltes Wort bei uns… Davids Vorfahren sind übrigens halb deutsch, halb irisch, weswegen wir uns gezwungen gefühlt haben, ihm etwas Deutsch beizubringen. Zumal er der einzige Anwesende war, der kein Deutsch spricht/versteht, da Mark auch deutsche Vorfahren hat und als Kind viel Zeit in Stuttgart verbracht hat.
Wir haben den nächsten Zug nach Shibuya genommen und dort Tsukemen gegessen. Das ist etwas ähnliches wie Ramen, nur dass die Nudeln neben der Suppe sind, getunkt werden und die “Suppe” etwas dicker und sämiger ist. Es war ganz gut, allerdings werde ich es wohl bei einem Mal belassen.
Danach wollten David und Mark noch in einen weiteren Club bzw. eine Bar, aber Miri und ich haben dankend abgelehnt, da wir müde waren und es kalt war. Auf dem Heimweg hab ich eine Nachricht von David bekommen, dass in der Bar nur Männer sind und wir hier voll gute Aussichten hätten. Er hat das dann etwas später revidiert und festgestellt, dass die Veranstaltung für Schwule war. Ich hab mich halb tot gelacht und ihm prophezeit, dass er viele Freunde finden wird (David ist groß, schlank, blond und blauäugig – auf so etwas stehen die meisten Menschen in Japan). Miri und ich waren um viertel vor sieben zu Hause und sind auch ziemlich direkt schlafen gegangen.
Desweiteren ist nicht viel Spannendes mehr passiert, außer, dass ich am 05.01. keinen Unterricht hatte, da beide Montags-Kurse ausgefallen sind.
Diese Woche Mittwoch habe ich allerdings etwas geschafft, das mir bisher noch nicht passiert ist… Ich habe einmal eine Phase gehabt, in der ich ab und zu Kaydie auf Deutsch angesprochen habe, ohne es zu merken. Warum auch immer es ausgerechnet Kaydie war. Das hat sich aber gelegt und seitdem ist es mir nicht mehr passiert. Diesen Mittwoch sollten wir eine Gruppenarbeit machen; ich war Daniel (Brite) und Brady zugeteilt. Wir sollten uns gemeinsam ausdenken, wie man einen Satz zu Ende bringen könnte. Ich hatte eine, wie ich fand, recht gute Idee und habe die Daniel erläutert. Er antwortet irgendwas unbestimmtes wie “jaja” und ich erläutere das weiter. Er schaut mich an, grinst und sagt “German, German, German!”. Ich habe ihn völlig verdutzt angeschaut und geschlagene 15 Sekunden gebraucht, bis mir aufgefallen ist, dass ich Deutsch gesprochen habe. Aber nicht nur einmal. Nein, wenn dann macht man das richtig: man spricht Deutsch, der Andere antwortet auf Englisch, und man spricht weiter auf Deutsch (man versteht ja schließlich alles, was der Andere sagt problemlos, also ist das umgekehrt ja bestimmt genauso). Das es schon so weit mit mir gekommen ist, hat mich wirklich überrascht; allerdings hab ich mich noch nicht zwischen positiv und negativ entschieden. Alejandro hat sich kaputt gelacht, als wir ihm das freitags erzählt haben und mir diesen halb belustigten, halb resignierten Blick zugeworfen, der sagt “was du immer machst…”. Den kenne ich auch von Miri, wenn ich mal wieder aus Versehen Wörter durcheinander werfe (ihr kennt ja auch Telefonsitze, nicht wahr? An denen friert man im Winter immer fest und es ist super toll, dass die in Japan beheizt sind…)
Diese Woche ist nur eine weitere spannende Sache passiert, die ich euch aber im nächsten Eintrag mit Bildern anschaulich vorstellen werde. Erst einmal danke, dass ihr so viel Gelaber von mir ertragt! :)

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