Minato Mirai

Eigentlich sollte ich ja zu Hause sein und brav an Hausarbeiten schreiben und Videos machen und und und… ABER: Jetzt, wo das Heimkommen in greifbare Nähe gerückt ist, habe ich einfach jegliche Motivation verloren, noch irgendetwas zu machen. Ich will, dass das Semester rum ist, dass mein Freund hier ist; ich will reisen, Japan erleben, mein Japanisch ausprobieren, Lukas und Lukas treffen, einen Abschiedsabend in Tokyo veranstalten, eine über 30-stündige Reise auf mich nehmen und dann endlich zu Hause sein!!! In weniger als 6 Wochen bin ich wieder zu Hause. Und von diesen 6 Wochen werden 3 Wochen Durchs-Land-Reiserei sein. Also ist es im Grunde genommen nicht mehr lange. Und trotzdem zieht es sich so unendlich… Die Lage im Dorm macht es nicht besser: verdreckte öffentliche Räume wie Duschen und Toiletten (die werden von Tag zu Tag schlimmer), nicht sonderlich gutes Essen und ständiger Straßenlärm. Ich bin froh, wenn ich ausziehen kann und trotzdem tut es mir irgendwie leid, dass ich nicht das neue Dorm in Ikebukuro (sehr viel zentraler und näher an der Uni sowie mit eigenem Bad und Küchenzeile) erleben kann.  Ich will keinesfalls sagen, dass mein Aufenthalt hier schlecht oder unbefriedigend war – im Gegenteil: wer meinen Blog gelesen hat, weiss, was ich hier Tolles, Unbeschreibliches, Verrücktes und Ungewohntes erlebt habe und dass ich es genossen habe. Aber zu Hause ist zu Hause und mit einem fixen Termin wird alles schlimmer…

Jetzt aber zum eigentlichen Sinn dieses Blogeintrages:
Statt zu Lernen war ich heute mit Miri in Minato Mirai. Das ist in Yokohama – und es ist wunderschön. Wir haben uns noch mit Marlin, einem Freund von Miri verabredet. Allerdings waren wir Mädels sehr viel früher da, also haben wir uns die wunderschöne Station angeschaut, in der wir angekommen sind. Japaner bauen desöfteren Malls über größere Zugstationen und das war hier definitiv der Fall. Eines der ersten Male, dass ich eine Station von innen fotografiert habe.

das rechts an der Wand ist übrigens ein Gedicht von Friedrich Schiller, das auf Deutsch und Japanisch niedergeschrieben ist
das rechts an der Wand ist übrigens ein Gedicht von Friedrich Schiller, das auf Deutsch und Japanisch niedergeschrieben ist

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riesige Rolltreppe!
riesige Rolltreppe!

Dann ging es raus – und meine Güte, war das kalt!!! Dazu muss man sagen, dass es hier in Tokyo Mitte Januar angenehme 9-12° sind, meistens sonnig und nicht allzu windig; also sehr gut auszuhalten. Wir haben in Mianto Mirai die Station verlassen und wurden erst einmal beinahe vom Wind umgepustet. Wow. Kalt. Sehr kalt. Ich habe mich über mich selbst geärgert, dass ich keine Handschuhe dabei gehabt habe, da mir beim Fotografieren beinahe die Hände abgefroren sind. Sogar Miri hatte kalt (das kann man fast als 8. Weltwunder deklarieren); im Gegensatz zu mir friert sie aber gerne. Uah.
Wir haben draußen Straßenkünstlern zugeschaut und sind dann rüber zu dem kleinen Vergnügungspark, der Minato Mirai 21 ausmacht. Dazu gehören kleinere Attraktionen und – ein Riesenrad!!

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das Riesenrad! Gleichzeitig auch Uhr^^
das Riesenrad! Gleichzeitig auch Uhr^^

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Fluss, der den Vergnügungspark und das Stadtviertel teilt
Fluss, der den Vergnügungspark und das Stadtviertel teilt
ein einsame Palme
ein einsame Palme

Marlin hatte uns aber gebeten, damit auf ihn zu warten. Da er sich zwischendurch ein wenig verlaufen hatte und damit länger gebraucht hatte, sind wir schon mal auf zwei Attraktionen gestiegen und hatten unglaublichen Spaß. Danach hatten wir kalt und wollten zwecks Bekämpfung besagter Kälte eine heiße Schokolade. Freudig haben wir also das Krispy Kreme Donuts geentert und festgestellt: die haben keinen Kakao! Das fanden wir unverschämt, also ließen wir die lecker aussehenden Donuts links liegen und haben uns auf die Suche nach dem Starbucks gemacht. Das war etwas schwieriger als erwartet, dabei haben wir aber eine sehr leckere Bäckerei gefunden, in der wir zwei süße Teilchen für jeden gekauft haben. Im Starbucks gabs dann noch einen heißen Kakao und dann war Marlin endlich da. Ich habe ihn heute erst kennengelernt (Schreiben im Gruppenchat auf Facebook und Line zählt nicht), aber er war mir sofort äußerst sympathisch, als er gesagt hat: “Wir kennen uns zwar nicht, aber ich umarme dich jetzt einfach trotzdem zur Begrüßung!” Tatsächlich ist er wirklich ein ganz toller Mensch. Wir haben über den Abend schon beschlossen, dass wir uns noch zum Sushi essen treffen wollen, bevor ich abreise.
Mit Marlin sind wir dann noch auf zwei weitere Attraktionen, bevor es dann endlich aufs Riesenrad ging. Wir haben mit Absicht gewartet, bis es dunkel wurde, weil die Stadt dann so schön beleuchtet ist. Ganz nebenbei war es das erste Mal, dass ich Riesenrad gefahren bin. Das Erste, was Marlin sagt, als wir einsteigen und uns setzen: “Wow, als ihr euch gesetzt habt, hat sich die Gondel aber ganz schön in eure Richtung bewegt!” Danke. Vielen Dank, Marlin. Zwei Personen sind halt schwerer als eine! Mensch.
Man hat vom Riesenrad wirklich einen wunderbaren Ausblick über die Stadt. Ich hab Fotos gemacht, aber auf keinem kommt die Atmosphäre so wirklich rüber. Leider… Irgendwann habe ich egoistischerweise beschlossen, es aufzugeben, Bilder machen zu wollen und habe einfach die Aussicht genossen.
Nach der Fahrt waren wir noch in einem großen (und warmen!!) Gebäude, das wie eine Arcade ist, in der man alle erdenklichen Spiele spielen kann. Wir haben versucht, einen Teddy zu angeln, aber als es beim dritten Versuch nicht geklappt hat, haben wir aufgegeben. Anschließend wollten wir eigentlich was Essen gehen. Ja, wir waren sogar schon auf dem Weg dorthin, als Miri und ich die Schnapsidee hatten, bei gefühlten 0° Außentemperatur Wasserachterbahn fahren zu wollen. Die sich natürlich im Freien befindet. Marlin hat das kategorisch abgelehnt und hat schon mal in der warmen Mall gewartet. Miri zund ich haben uns eiskalt (haha, Wortwitz…) Tickets gekauft und sind los. Hier eine Sache, die mich an japanischen Achterbahnfahrten UNFASSBAR stört: Man muss immer seinen Schal ausziehen. Leute, die mich gut kennen, wissen, wie heilig mir meine Schals sind (vor allem im Winter!). Die werden nur dann ausgezogen, wenn ICH will. Nicht, wenn Andere wollen. Mein Freund erinnert sich bestimmt an die Gelegenheit, bei der ich fünf Minuten mit dem Angestellten an einer Achterbahn diskutiert habe, bis er aufgegeben hat und ich meinen Schal anlassen durfte. Was soll schon passieren, wenn mein Schal hinter meinem Jackenkragen versteckt ist und nicht mal am Hals rausschaut?! Genau: rein gar nichts. In Japan geht das so leider nicht. Zum Ersten kann ich ihnen nicht erklären, dass ich nicht gewillt bin meinen Schal auszuziehen und dass schon nichts passieren wird und zum Zweiten wäre es ihnen wohl auch egal, selbst, wenn ich es ihnen in fließendem Japanisch erklären könnte. Ich mich also meinem Schicksal ergeben (allerdings nicht, ohne auf Deutsch rumzumeckern) und die Fahrten am Hals frierend genossen. Die Wasserachterbahn war super: zwei Berge, der letzte richtig steil. Wir sind Deutsche, also haben wir uns nicht drum gekümmert, wie laut wir schreien. Die am Rand stehenden Japaner fandens witzig. Ich saß vorne und bin nicht mal allzu nass geworden – was zum Erfolg der Fahrt beigetragen hat. Wir haben dann den ergeben wartenden Marlin gejoint und sind Ramen essen gegangen. Nach dem Ramen haben wir uns entschlossen, dekadent zu sein und Crêpe zu essen. Allerdings nicht puren Crêpe; das wäre ja zu einfach. Nein! Mein Crêpe war mit Sahne und Schokoeis gefüllt. Zu dem Schokoeis waren dann noch Schokosoße, Schokotropfen sowie Browniestücke hinzugefügt. Miri und Marlin hatten Vanilleeis mit Sahne,  Schokosoße und Bananenstückchen. Diabetes, here we go! War uns aber egal. Während dem Essen haben wir uns dann langsam Richtung Bahnhof bewegt, das es inzwischen schon halb neun war. Am Bahnhof gabs dann wieder eine Umarmung und wir haben uns auf den einstündigen Heimweg gemacht. Es war ein teurer Tag, aber er war es definitiv wert. Ich werde auch meinen Freund (ja, Warnung an dich!) nach Minato Mirai schleifen. Und wieder Riesenrad fahren! Jetzt greife ich aber schon mal vor und zeige euch einige Bilder. :)

abends ist das Riesenrad wunderschön beleuchtet!
abends ist das Riesenrad wunderschön beleuchtet!

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Eingang zu einem Teil des Vergnügungsparks
Eingang zu einem Teil des Vergnügungsparks

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leuchtendes Herz...
leuchtendes Herz…
... mit meiner Wenigkeit davor
… mit meiner Wenigkeit davor
nochmal das Riesenrad
nochmal das Riesenrad
auch die anderen Achterbahnen sind beleuchtet
auch die anderen Achterbahnen sind beleuchtet
wunderschön beleuchtete Bäume
wunderschön beleuchtete Bäume
Blick über Yokohama
Blick über Yokohama
Tokyo ist weitläufig...
Tokyo ist weitläufig…
einfach, weil es schön aussieht
einfach, weil es schön aussieht

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An dieser stelle ein großes Danke schön, an alle, die immer noch meinen Blog lesen. Ich freue mich, euch alle bald wiederzusehen!!! <3

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