Dritte Woche, etwas blabla

Ich muss es mir immer wieder vor Augen führen: ich bin erst 16 Tage hier. Es kommt mir eher vor wie fünf Wochen. Und ich muss sagen: ich freue mich auf zu Hause. Das heißt nicht, dass ich mir hier nicht einlebe, im Gegenteil, mit jedem Tag Uni wird es besser, aber mir fehlen doch einige Dinge.
Ich hab gelernt, dass man nicht nur “home-sick” sondern auch “food-sick” werden kann. Und das bin ich momentan. Mir fehlt deutsches Essen. Japanisches Essen ist super lecker, keine Frage. Aber ich möchte deutsches Brot zum Frühstück. Ab und zu mal ne tolle Pasta (momentan träume ich von Lasagne). Kartoffeln! Und Dessert. Wo wir aber grade bei Essen sind: Ich habe gestern Mittag mit Lukas das beste Ramen meines (und ziemlich sicher auch seines) Lebens gegessen. In einem kleinen Restaurant im Basement eines Gebäudes in Shibuya. Dazu gabs den obligatorischen Reis, Gyoza (saftige, gefüllte Teigtaschen) und wie immer kostenlosen Tee zum Essen. Mal keinen Genmaicha, dafür leckeren Schwarztee. Wir sind die Treppe zur Straße kaum mehr hochgekommen, so vollgefressen waren wir. Ich hatte auch bis heute Vormittag keinen Hunger mehr.

Die Uni ist bei uns ja letzten Freitag losgegangen. Uni ist hier anders als in Deutschland: man sucht sich am Anfang des Semesters die Kurse aus, die man gerne besuchen möchte. Dann schaut man sich die einmal oder zweimal an und ca. 10 Tage nach Semesterbeginn ist dann Einschreibungsphase, in der man festlegt, was man wirklich besucht. Ich hab meinen Stundenplan heute festgeschrieben, auch wenn ich wegen Feiertag und Kursausfall zwei Kurse noch nicht gesehen hab. Ich hoffe einfach, dass sie gut sind.
Langsam kommt auch bei mir an, dass ich dieses Semester wirklich arbeiten muss und nicht zum Spaß da bin. Bis vor zwei Tagen hatte ich das noch nicht realisiert. Es ist aber auch wieder sehr angenehm, weil man jetzt weiss, was man zu tun hat und nicht jeden Tag aufs Neue selbst planen muss und damit nicht so recht fertig wird. Ich freue mich also richtig aufs Semester, was mich positiv stimmt.

Wie einige von euch bereits wissen, habe ich auch letzte Woche Donnerstag mein erstes Erdbeben erlebt. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass in Tokyo schon 25 Beben waren seit ich angekommen bin. Davon hat man aber nichts mitbekommen. Das am Donnerstag war dann aber ein “richtiges”.
Wir haben grade in der letzte Session der Orientation Week gesessen, im achten Stock eines Unigebäudes. Auf einmal hat der Boden  sich bewegt, die Tische sind ein wenig über den Boden gerollt und irgendwie war das seltsam. Ich hab zum Fenster gesehen und da hat sich das Rollo von selbst nach vorne und zurück bewegt. Da hab ich dann mal gecheckt, dass das wirklich ein Erdbeben ist. Sämtliche Austauschstudenten aus Außer-Japan waren ziemlich verwirrt und wussten nicht, ob sie jetzt panisch werden sollten oder nicht. Unter dem Tisch verstecken wäre die nächste Alternative gewesen, schließlich hatten wir gerade gelernt, dass man das im Falle eines Erdbebens tun sollte. Da sich aber keine der Japanerinnen gerührt hat, haben wir alle unser Pokerface aufgesetzt und so getan, als wäre das etwas ganz alltägliches (obwohl diese Stärke auch in Japan nicht ganz alltäglich zu sein scheint). Fakt ist, die Erde unter mir hat sich eine gute Minute lang bewegt und das war ein recht unangenehmes Gefühl. Man hat im wahrsten Sinne des Wortes keinen sicheren Boden mehr unter den Füßen. War eine etwas erschreckende, aber auch interessante Erfahrung.

Sonstiger Zustand in Japan ist warm. Unfassbar warm. Der Himmel ist bedeckt und in Deutschland sind es dann normalerweise etwa 15-17 Grad; also nimmt man Jacke und Schal mit. Wenn es hier so aussieht, sind es immer noch 23-27 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Woche wars noch recht angenehm, manchmal sonnig, kein Regen. Bis auf heute. Es hatte die ganze Nacht geregnet und der Himmel war dunkelgrau. Meine Reaktion: Juhu, endlich kühler! Vielleicht kann ich heute mal ein 1/2-Arm-Shirt anziehen. Da ich aber dazu gelernt habe, habe ich das Wetter auf dem Balkon vorgetestet. Und bin gegen eine Wand gelaufen. Gefühlte 31 Grad bei 150% Luftfeuchtigkeit. Es war Wahnsinn. Ich bin nach fünf Minuten zu Fuß gehen am Bahnhof angekommen und war nass geschwitzt. Ich habe mich zum etwa fünfzigsten Mal verflucht dafür, dass ich kein Sommerkleid mitgenommen hab. Als etwas Wind aufkam, war ich schon erleichtert – aber nein: der Wind hat sich angefühlt wie ein Heißluftföhn! Zum Glück war wenigstens der Zug klimatisiert. Genauso wie die Räume an der Uni. Aber sobald man rauskam, wars vorbei. Zurück im Dorm hab ich alles von mir geschmissen und die Klimaanlage angemacht…

2 Gedanken zu „Dritte Woche, etwas blabla“

  1. Ich bin auch schon food-sick! Das was die hier in england brot nennen ist eigentlich Toast! Ich vermisse so das deutsche Brot. Und nutella kann ich auch nich kaufen. Ist hier mindestens drei mal so teuer. Wenigstens ist das Wetter besser. Eigentlich kein Regen. Und angenehme 20 bis 22 Grad! Grüße aus England :)

    1. Ja Nutella sieht hier genauso aus. Für 100g etwa 450 Yen… :( Und Marmelade findet man hier kaum. Ein Glück lieben die Japaner Frankreich, so dass ich ab und zu mal ein Brioche abgreifen kann.
      Das freut mich, dass das Wetter bei dir noch so gut ist! Dabei schimpfen immer alle über das englische Wetter… :D
      Liebe Grüße aus Tokyo!

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