Freund-Abholung und Hakodate

Am 07.02. ging es los: ich habe ja schon erwähnt, dass ich mich auf eine Weltreise zum Narita Airport begeben habe, um meinen Freund abzuholen. Das ging damit los, dass ich von meiner “Heimat-Station” Eda nach Shibuya gefahren bin. Dort habe ich meinen 20-Kilo-Koffer drei Treppen hoch zur Yamanote-Line geschleppt und bin damit nach Nippori gefahren. Unglücklicherweise hat mein Koffer unterwegs ein Rad verloren, so dass Ziehen kaum noch drin war. In Nippori sollte ich in den Keisei Skyliner umsteigen, mit dem ich dann um 13.05 Uhr am Airport gewesen wäre. Leider habe ich diesen Zug verpasst, also habe ich mich dazu entschlossen, den normalen Keisei Zug zu nehmen. Damit wäre ich annähernd pünktlich gewesen, wäre da nicht eine Sache passiert. Ich bin an der Haltestelle Narita ausgestiegen. Laufe den Bahnsteig entlang, checke aus – und wundere mich, wo denn hier bitte der Flughafen sein soll! Auf Nachfrage hin habe ich dann erfahren, dass ich eine Station weiter gemusst hätte! Also nochmal 20 Minuten warten, Michael hatte dann inzwischen schon sein Gepäck und war eingereist und ich hab minimal die Nerven verloren. Anstatt zwei Stunden habe ich also nette drei Stunden zum Flighafen gebraucht und war nicht mal rechtzeitig da, um meinen Freund abzuholen…
Trotzem war die Freude natürlich groß, Michael wiederzusehen. Wir haben dann auch erstmal fünf Minuten Auszeit auf den Wartebänken genommen und anschließend Erkundigungen eingeholt, wo wir denn unsere Zugtickets für den Weg Hakodate-Sapporo kaufen könnten. Ich hatte woanders gefragt als Michael und als ich dann seinem Gespräch mit der netten Damen an der Info beigetreten bin, war sie sehr überrascht, dass ich etwas Japanisch spreche, hat mich gebeten, eine Umfrage auszufüllen und als Dank wurde mein Japanisch gelobt (“subarashii!!”) und uns gaaaanz viel Kartenmaterial von Japan gegeben. Wir haben anschließend unsere Tickets gekauft und ich habe uns anderthalb Stunden mit der Bahn zum Hotel in der Nähe des Haneda Airports gebracht.
Dort haben wir eingecheckt, den Raum bezogen (der Flur war in etwa so breit wie mein Koffer), waren Ramen bzw. Curry essen und haben dann auf dem Zimmer mit Sekt auf das Wiedersehen angestoßen.

1 night in tokyo 1

Dadurch wurde es leider etwas spät und da unser Flug nach Hakodate am nächsten Morgen um 6.50 Uhr ging, mussten wir schon um halb vier wieder raus. Die Fahrt zum Flughafen verlief recht gut, am Flughafen selbst habe ich dann etwas die Nerven verloren, weil ich nicht wusste, wo wir unsere Tickets herbekommen sollten. Das habe ich auf Nachfrage hin aber auch herausgefunden und wir habens pünktlich ins Flugzeug geschafft. Nach dem Start hatten wir einen wunderbaren Blick über ganz Tokyo – das Wetter hat auch super mitgespielt – und beim Landeanflug auf Hakodate hatten wir auch hier besten Ausblick. Wir waren um halb 9 schon vorm Flughafen und haben einen Bus in die Stadt genommen. Nach fünf Monaten Tokyo habe ich hier einen leichten Kulturschock erlebt: alles klein, still, wenige Autos, wenige Menschen, ruhig. Das war so ziemlich das Gegenteil meines Lebens der letzten Monate. Aber es hat mir gut gefallen.
Von der Zugstation sind wir dann zum Hotel gelaufen und dort gab es erstmal ein riesiges Missverständnis mit dem Rezeptionisten. Ich fragte, ob wir denn bis zum eigentlichen Check-in um 14.00 Uhr unser Gepäck da lassen könnten. Er hat das sehr entt bestätigt, hält mir einen Taschenrechner hin, auf dem die Zahl 8400 steht. Ich bin aus allen Wolken gefallen, wiel ich das für Gepäckaufbewahrung doch recht happig fand! Ich habe das also Michael erklärt, der das auch nicht so toll fand, also habe ich dem Mann erklärt, dass  wir gucken, wo wir das Gepäck lassen. Er nickt, lächelt sehr freundlich und fragt, ob wir dann später zahlen möchten. Ich betone nochmals, dass wir das Gepäck mitnehmen, er besteht weiterhin auf der Zahlung. Ich, völlig verwirrt, frage Michael, was das soll, bis der meint: Oh ja, warte mal, ich glaube, das Hotel ist noch gar nciht bezahlt! So war es dann auch. Also alles wieder zurück, wir haben bezahlt und das Gepäck da gelassen und uns die Stadt angeschaut.
Erst sind wir zurück Richtung Bahnhof und dann an die Docks. Dort haben wir uns das “Memorial Ship Mashu Maru” angeschaut. Als wir dann davor standen, war ich leicht enttäuscht, da ich romantische Vorstellungen von einem alten, restaurierten Segelschiff aus Bürgerkriegszeit gehabt hatte und jetzt vor einem Koloss aus Stahl und Eisen stand. Es war dann aber doch sehenswert, da es um die alte Fährverbindung zwischen Hakodaten (Hokkaido) und Aomori (Honshuu) ging. Bei einem Film über das Schiff sind wir dann glorreich auf den sehr bequemen Sitzen eingeschlafen…
Zurück im Hotel haben wir uns gut ausgeschlafen.

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Heute haben wir länger geschlafen als beabsichtigt und sind gegen Mittag los. Mit der Straßenbahn ging es zum Goryokaku-Park. Von der ehemaligen Festung steht leider nichts mehr, aber es gibt einen Aussichtsturm und man kann durch den Park laufen, wo früher die Festung gestanden hat. Das haben wir ausgiebig getan; dann ging es in die entgegengesetzte Richtung zu den “Red Brick Warehouses”. Da es die ganze Nacht geschneit hatte und den Tag über eher stärker wurde als schwächer, haben wir uns entschieden, den Warehouses mehr Aufmerksamkeit zu gönnen als dem Viertel draußen.

view on the Fort from Goryokaku Tower
view on the Fort from Goryokaku Tower

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15 little scenes explained the history of Hakodate
15 little scenes explaining the history of Hakodate

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inside of the tower
inside of the tower

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bridge over the moat
bridge over the moat

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inside of Kanemori Warehouse
inside of Kanemori Warehouse

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bridge to the Bay Bridge Warehouse
bridge to the Bay Bridge Warehouse

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Abends sind wir dann in einem gefühlten Schneesturm hochgelaufen zur Seilbahn, mit der wir auf dem Mount Hakodate fahren wollten. Am Ticketschalter hieß es dann, dass der Schnee die Aussicht blockiert, aber wir wollten trotzdem hoch. Im Endeffekt hatten wir sogar Glück, da sich irgendwann die Schneewolken gelichtet haben und man doch noch einen schönen Blick auf das nächtliche Hakodate hatte.

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arriving ropeway car
arriving ropeway car

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arriving at the ropeway station
arriving at the ropeway station

Zur Fahrt mit der Seilbahn gibt es noch eine lustige Anekdote: Das Schneegestöber draußen hat den Pelz meiner Kapuze nass gemacht und schließlich frieren lassen. Der Aufenthalt in der Tea Lounge des Observatory Towers auf dem Mount Hakodate hat das Ganze etwas antauen lassen, so dass es wieder nass war. Auf der Fahrt nach unten habe ich meine Stirn mit Kapuze gegen die Scheibe gelehnt und als ich ihn wegziehen wollte, habe ich einen seltsamen Widerstand gemerkt. Ich ziehe also nochmal, bis mir klar wurde, dass der Pelz meiner Kapuze an der Scheibe des Seilbahnwaggons festgeroren war!! Michael musste mich befreien, da ich selbst gar nichts mehr machen konnte…

Dann ging es zum Hotel, wo wir endlich (!) was essen wollten. Erst haben wir uns umgezogen und versucht, nasse Hosen zu trocknen sowie abgefrorene Oberschenkel aufzutauen. Frisch und gut gelaunt ging es dann in die Lobby, wo ich nach dem hoteleigenen Restaurant gefragt habe. Freundlich wie immer wurde mir dann erklärt, dass das Restaurant zu ist und wir außerhalb essen müssen. Er hat uns dann einiges erklärt und auf dem Stadtplan gezeigt und dann schlussendlich noch fürsorglich gemeint, dass es draußen doch etwas kalt ist (“chotto samui ne”) und wir uns doch Jacken anziehen sollten, wenn wir rausgehen. Ich war wirklich wütend, dass ich wieder rausmusste, da ich hungrig war wie ein Wolf und grade erst trocken und einigermaßen warm war. Da uns nichts anderes übrig blieb, sind wir dann los Richtung des Viertels, das uns empfohlen worden war. Das stellte sich als mehrere Gässchen heraus mit vielen kleinen Lokalen, die für Japan so typisch sind. In manche passen nicht mehr als fünf Menschen rein. Wir sind also dadurch geschlendert, bis eine Frau uns reingerufen hat. Wir wussten nicht, ob wir dem folgen sollten, aber da sie drinnen schon tatkräftig Leute umgesetzt hat, konnten wir nicht anders. Mit uns waren dann fünf Gäste in dem Lädchen. Wir haben Essen und Trinken bestellt und wurden ausgiebig bestaunt. Das Essen war sehr gut und währenddessen habe ich entweder den Unterhaltungen der anderen Gäste gelauscht oder Fragen über uns beantwortet, soweit mein Japanisch das zugelassen hat. Wir kamen aber doch erstaunlich weit. Abschließend sollten wir dann das Alter aller Anwesenden schätzen. Wir hatten zwei Volltreffer und zwei völlig daneben. Naja. So spielt das Leben. Nachdem wir noch auf einem Foto gelandet sind, haben wir uns freundlich verabschidet und uns für das wunderbare Essen bedankt. Im Schneesturm ging es dann zurück ins Hotel, wo ich geeilt bin, um euch auf den neuesten Urlaubsstand zu bringen. Der nächste Blog kommt wohl um den 13.2. herum, wenn wir in Hiroshima gelandet sind. Bis bald!

random small restaurant
random small restaurant

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Hakodate has an amzing street tram which really reminds of the Cable Car in San Francisco
Hakodate has an amzing street tram which really reminds of the Cable Car in San Francisco
little bear on our way
little bear on our way

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