Hiroshima und Miyajima

An unserem ersten Morgen in Hiroshima haben wir erst einmal ausgeschlafen und gegen halb ein ging es los Richtung Friedenspark. Dafür mussten wir buchstäblich nur dreimal umfallen und schon waren wir dort.
Der Friedenspark wurde in den Jahren nach dem Atombombenabwurf errichtet und umschließt ein Weltkulturerbe, den Atombombendom. Der Atombombendom wurde 1915 nach dem Entwurf eines polnischen Architekten fertig gestellt und sollte mit seiner Kuppel aus Kupfer den Charakter bzw. den Lebensstil der Menschen in Hiroshima darstellen. Da er sich nur 160m südwestlich des Epizentrums der Atombombe befand, bekam er den großen Druck, den die Bombe ausübte, fast senkrecht ab und so stehen heute noch einige Mauern und das Stahlgestell der Kuppel. Leider wurde er auf bauliche Schwächen und so weiter geprüft (das wird er alle drei Jahre) während wir dort waren, so dass wir ihn nicht ganz sehen konnten. Der Friedenspark selbst ist recht groß und umfasst das Kinderfriedensdenkmal, dass in Gedenken an Sadako Sasaki (später mehr zu ihr) errichtet wurde, die Friedensglocke, das Friedensmuseum, eine Gedenkhalle sowie einen unterirdischen Bau, in dem die Asche aller Opfer der Atombombe gelagert ist.

An diesem ersten Tag haben wir uns den Friedenspark oberflächlich angesehen und sind dann zur Hiroshima Castle spaziert. Das ist ein recht schönes Schloss, an dem aber natürlich nichts mehr original ist, da es nach dem Atombombenabwurf vollständig abgebrannt ist. Das Schloss hat 5 Etagen, auf denen seine Geschichte und das Leben der Leute im 18. und 19. Jahrhundert dargetsellt wurde. Fotos waren leider nicht erlaubt, deshalb nur Fotos von außen und von der Aussichtsplattform im 5. Stock. Um das Schloss herum gibt es einen schön angelegten Park und der Burggraben (einer von ehemals dreien) ist ebenfalls sehenswert. Wir haben uns dort recht genau umgesehen und sind dann zurück Richtung Friedenspark.
Dort in der Nähe haben wir einem Restaurant Okonomiyaki gegessen. Die mit einem äußerst guten  Namensgedächtnis erinnern sich vielleicht noch, dass ich das mal in Tokyo gegessen habe und es nicht sonderlich mochte. Da es aber eine Spezialität der Region ist und ich schließlich Michael auch in die japanische Essenskultur einführen muss, wollte ich es doch noch einmal probieren. Und es hat sich gelohnt! Okonomiyaki sind eine Art gebackener Pfannkuchen mit Ei, Nudeln, Gemüse und Fleisch; da gibt es aber verschiedene Varianten. Versuch Nummer 2 war schon aus dem Grund besser, dass man den Pfannkuchen nicht selber backen musste, sondern er gebacken an den Tisch kam und nur noch warm gehalten wurde. Deshalb sah er appetitlicher aus und war natürlich professioneller zubereitet. Die Varianten waren auch sehr lecker: Ich hatte einen mit Kimchee (auf koreanische Art und Weise eingelegtes Gemüse) und Sobanudeln, Michael hatte Gemüse und Fleisch mit Udonnudeln. Es gab eine scharfe Soße und die hausgemachte Soße, die ehrlich gesagt so gut war, dass sie süchtig gemacht hat. Zum Essen haben wir uns, da Valentinstag war, einen Pflaumenwein gegönnt, der aus der Region kam und ebenfalls äußerst lecker war.
An diesem Abend waren wir noch in einer Art Arcade, eine überdachte Straße, in der man alle möglichen Läden findet.

Schon am ersten Tag ist mir aufgefallen, wie besonders gut Hiroshima mir gefällt. Es liegt am Delta des Ota-Flusses, weswegen man ständig an Flüssen entlang läuft oder sie überquert. Hiroshima ist auch eine sehr grüne Stadt. Aber nicht nur das, sondern auch die Leute machen diese Stadt aus. Sie sind irgendwie besonders, strahlen Ruhe und Zielstrebigkeit zur gleichen Zeit aus und sind immer freundlich.

Am zweiten Tag haben wir morgens im Hotel gefrühstückt und sind dann wieder in den Friedenspark. Danach wollten wir noch quer durch die Stadt zum Shukkei-en, ein Garten, der äußerst schön sein soll.
Zunächst sind wir aber in die Gedenkhalle für die Opfer des Atombombenanschlags. Man läuft eine Rotunde hinunter und auf der rechten Seite sind alle 10 oder 15 Meter Infotafeln in die Wand eingelassen, die über den Tag des Anschlags, die Atombombe selbst und die Gedenkhalle informiert haben. Unten kam man dann in einen großen runden Raum, in dessen Mitte ein Wasserdenkmal steht, das die Zeit des Anschlags, genau 8.15 Uhr, zeigen soll. Das Wasser soll den Durst der Opfer stillen, die den Anschlag oftmals mit schlimmen Brandwunden überlebt hatten und grässlichen Durst litten. Die Wände der Halle zeigen ein Bild des Hiroshimas nach dem Aschlag. Es ist keine Stadt mehr zu sehen, sondern nur noch Schutt und Trümmer.  Vom Boden etwa 50cm hoch sind Leisten mit Namen von Stadtvierteln und Gebäuden angebracht; die Höhe der Leiste zeigt die Entfernung zum Epizentrum an. Die Halle ist ein Gedenkort und ihr Besuch macht nachdenklich. Mit einer Rolltreppe fährt man hoch ins nächste Geschoss, in dem zur Zeit unseres Besuch eine Sonderausstellung stattfand, in der es um diejenigen ging, die zur Zeit des Anschlags noch Kinder waren. Sie wurden gebeten, ihre Erinnerungen an diesen Tag und die nachfolgenden Tage festzuhalten und zu berichten. Es gab einen Film sowie Mappen mit den Résumés dieser Berichte. In der Bibliothek konnte man sich Videos der Opfer mit ihren Erzählungen anschauen oder ihre vollständigen Berichte lesen. Das hat uns beide sehr gefangen genommen und wir haben mehr Zeit dort verbracht als geplant. Anschließend ging es zum Museum. Und dieses Museum ist der Wahnsinn. Nicht dass es besonders extravagant geschaffen wäre, nein, es ist nüchtern und faktenbasiert. Und genau das macht es so beeindruckend. Alles wird erklärt: Die Atombombe, ihre Bausweise, ihre drei Wirkungen, was genau in den Stunden und Tagen nach dem Anschlag geschehen ist. Überbleibsel werden gezeigt von Kleidern über metallene Brotdosen, geschmolzenes Glas sowie Gebäudeteile und menschliche Körperteile, die aufgrund der Strahlung mutiert sind oder geschädigt wurden. Es war fast ganz am Schluss, als sämtliche Auswirkungen der Strahlung auf den menschlichen Körper gezeigt wurden. Die Geschichte von Geschwistern, ein Mädchen (18) und ihr Bruder (7) wurden beide am gleichen Ort verstrahlt und sind Paradebeispiele für die akuten Sypmtome einer Strahlenvergiftung. Das Mädchen wurde sehr viel früher von dem Symptomen heimgesucht als ihr Bruder und trotzdem hat sie überlebt. Wenn auch nur neun Jahre, denn schließlich starb sie an Krebs. Hier wurde auch Sadakos Geschichte erzählt. Zum Zeitpunkt des Anschlags war sie zwei Jahre alt, aber die Strahlung, die sie abbekommen hatte, zeigte zunächst keine Auswirkungen. Im Alter von 11 Jahren – sie war eine gesundes, athletisches Mädechen – brach sie nach einem Sporttraining zusammen und wird ins Krankenhaus gebracht. Dort stellt man fest, dass sie an Leukämie leidet und noch höchstens ein Jahr zu leben hat. Eine Freundin erzählt ihr die Geschichte, dass derjenige, der 1000 Papierkraniche faltet, gesund wird. Sasako findet das sehr schön und faltet über tausend Kraniche. Die Krankheit hat sie nicht überlebt, aber ihr wurde das Kinderfriedensdenkmal gewidmet, an das jedes Jahr Tausende von Papierkranichen gesandt werden.

Wir haben das Museum erst verlassen, als es geschlossen wurde und trotzdem fehlt mir noch ein ganzer Flur. Es war inzwischen zu spät, um noch in den Shukkei-en zu fahren, aber dazu war ich auch nicht in der Laune, denn das Museum hatte mich doch sehr nachdenklich gestimmt. Wir waren wieder in “unserer” Arcade und haben abends noch zwei Dokumentationen über Hiroshima geschaut.

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Cenotaph where the names of all known victims of the A-bomb are engraved
Cenotaph where the names of all known victims of the A-bomb are engraved

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flame of peace
flame of peace
Children's memorial
Children’s memorial

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underground hall where the ashes of the victims are retained
underground hall where the ashes of the victims are retained
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Bell of Peace

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A-bomb dome
A-bomb dome

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Hiroshima Castle
Hiroshima Castle

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Am nächsten Tag gab es wieder Frühstück und dann ging es los Richtung Miyajima. Das ist eine Insel vor Hiroshima, die sehr bekannt ist für das riesige orangene Tor, das in der Bucht im Wassdr steht sowie für den Itsukushimaschrein, der schon vom ehemaligen Herrscher Hiroshimas im 18. Jahrhundert besucht wurde.
Wir nahmen also die Straßenbahn Richtung Miyajima und sind dann in eine Fähre umgestiegen. Mit der ging es dann 10min rüber zur Insel. Dort angekommen wurden wir auf dem Platz vor dem Fähranleger gleich von einer Art Reh begrüßt. die laufen dort nämlich frei rum und sind ziemlich zutraulich. Dieses hier lies sich streicheln und kam noch etwa 50m mit uns mit, bis es keine Lust mehr hatte, weil wir kein Futter hatten.
Wir gingen am Strand entlang und sind, da tiefste Ebbe war, erstmal zum Tor rausgelaufen. Das war ziemlich beeindruckend, da das Tor wirklich riesig ist und es anfassen zu können, war irgendwie eine Erfahrung wert. Der Itsukushimaschrein war als nächstes dran. Er ist ziemlich groß und wie das Tor steht er bei Flut auf Stelzen im Wasser. ziemlich groß ist er trotzdem. Und teilweise unter Bauarbeiten.
Nach der Besichtigung dieses wichtige Schreins ging es dann über den gesamten vorderen Teil dieser Insel, wo wir alle mögliche Läden und Schreine und Tempel abgeklappert haben. Jeder Einzelne davon war irgendwie besonders und der, von dem ich dachte, dass es nur ein kleines Gebäude auf einem Berg ist, war extrem groß mit unzähligen Gebäuden und einem wunderschönen Garten. Aber da dürfen die Fotos für sich sprechen..

Anschließend haben wir in einem Cafe Tee bzw. Kaffe getrunken und ein Stück Kuchen gegessen. Dann ging es wieder raus zum Tor, das mittlerweile wenigstens ein bisschen im Wasser stand. Das wurde fotografiert und derweil hat das Reh, das Michael mittags schon erschreckt hat, ihn wieder erschreckt. Mittags war er grade am Fotografieren, als es seine Schnauze in seine Jackentasche gesteckt hat. Diesmal war ich am Fotografieren und ein Glück bin ich Michaels Schreckensschreie schon so gewöhnt, dass ich keinen Satz zur Seite gemacht habe – dann wäre ich nämlich zwei Meter tief ins Wasser gefallen.
Am Strand entlang sind wir zurück zum Fähranleger, aufs Festland und Richtung Hotel. Im Restaurant Zucchini, in dem wir am Abend vorher keinen Platz bekommen haben, haben wir dann gut zu Abend gegessen und sind dann kurz durch die Arcade und zum Hotel.
Dort wurde ein wenig gepackt und vorbereitet für die Abreise Richtung Himeji am nächsten Tag.

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found a new friend!

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Itsukushima shrine from the sea side
Itsukushima shrine from the sea side

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five stories pagoda
five stories pagoda

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if you're not arriving at lowest tide, it's all standing in the water...
if you’re not arriving at lowest tide, it’s all standing in the water…

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cutie ;D
cutie ;D
toori in the water, but...
toori in the water, but…
...we missed the shrine
…we missed the shrine
Bye Miyajima!
Bye Miyajima!

 

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